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Durch Niederlagen zum Sieg? Rumäniens Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1916

5. Oktober 2016 – 5. Januar 2017  (verlängert bis 17. Februar 2017)
In der Reihe „kOSTproben“

Az Est vom 10.September 1916, Zeichner Vadász Miklós | © BSB/2 Eph.pol. 52 f-1916,7/9

Az Est vom 10.September 1916, Zeichner Vadász Miklós | © BSB/2 Eph.pol. 52 f-1916,7/9

Plakat zur Kabinettpräsentation  | © BSB

Plakat zur Kabinettpräsentation | © BSB

Zur Kabinettpräsentation

In der kOSTprobe werden Dokumente zum Eintritt Rumäniens in den Ersten Weltkrieg 1916 ausgestellt. Gezeigt werden Dokumente zur rumänischen Militärgeschichte 1916 aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek. Eine Zeitungsschau ergänzt die kOSTprobe mit 15 aufwendig reproduzierten Tafeln, die einen Überblick über die Rezeption der Ereignisse und die Kriegsberichterstattung in der zeitgenössischen internationalen Presse geben.

Exponatliste  (PDF, 121 KB)

Zum Hintergrund

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand Rumänien vor einem politischen Dilemma. Mit Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien war es seit 1883 im Dreibund assoziiert. König Carol I. wollte, teils aus Treue zum Haus Hohenzollern, teils aus Bündnisloyalität heraus das Land an der Seite der Mittelmächte (Deutschland, Österreich-Ungarn) in den Krieg führen. Weite Teile der politischen Elite jedoch befürworteten einen Kriegseintritt an der Seite der Entente (Frankreich, Großbritannien und Russland), um Siebenbürgen für Rumänien zu gewinnen, andere wiederum rieten zu einer Politik der Neutralität, die schließlich Ministerpräsident Ion I. C. Bratianu dem König gegenüber durchsetzte. Bald darauf, am 10. Oktober 1914, starb Carol I. nach 48-jähriger Regentschaft.

Nachfolger Carols wurde sein Neffe, Ferdinand I. Verheiratet mit einer englischen Prinzessin, schon früh zum Thronfolger auserkoren und nach Rumänien geholt, war Ferdinand die große Anhänglichkeit an das Haus Hohenzollern eher fremd. Deutlich wohlwollender als sein verstorbener Onkel stand er den Argumenten der Befürworter eines Krieges an der Seite der Entente gegenüber. Sie setzten sich letztlich durch: Im Vertrag von Bukarest vom 17. August 1916 ließ sich Rumänien im Falle des Sieges den Gewinn Siebenbürgens und des Banats zusichern. Am 27. August erklärte Rumänien daraufhin seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn den Krieg. Die Vereinigung mit dem von Rumänen besiedelten, aber von Russland kontrollierten Bessarabien stand nicht zur Debatte.

Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung verfügte die rumänische Armee nominell durchaus über ausreichende Reserven, doch die Offiziere waren weitgehend kriegsunerfahren und die schlechten Verkehrswege und Mängel in der Organisation behinderten den Nachschub. Trotz anfänglicher Erfolge in Siebenbürgen geriet die rumänische Armee bald in die Defensive. Innerhalb weniger Monate wurden die Walachei und weite Teile der Moldau von deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Truppen besetzt. Die Hauptstadt Bukarest wurde geräumt und die Regierung ins nordostrumänische Jassy verlegt. Erst mit russischer Hilfe konnte im Sommer 1917 der Vormarsch der Mittelmächte gestoppt werden. Als der russische Verbündete durch die Oktoberrevolution verlorenging, suchte Rumänien trotz des Vertrages mit der Entente um einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten nach, der am 7. Mai 1918 in den Frieden von Bukarest mündete. Dessen ungeachtet erklärte Rumänien einen Tag vor dem Ende des Weltkrieges am 10. November 1918 den Mittelmächten erneut den Krieg und konnte somit als Siegermacht an der Pariser Friedenskonferenz 1919 teilnehmen.

Zum Bestand

Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt neben den ausgestellten Stücken einen umfassenden Bestand von Primär- und Sekundärliteratur zu Rumänien auf Rumänisch, in allen westlichen und vielen weiteren Sprachen. Die Bibliothek stellt diese Literatur zur Bestellung im Katalog und zur Fernleihe zur Verfügung. Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Fachinformationsdienstes Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa“ versorgt die Bayerische Staatsbibliothek deutschlandweit Forschung und Lehre mit gedruckter und elektronischer Literatur zur rumänischen Geschichte und Politik, zur Philologie und Volkskunde sowie zu vielen weiteren Fachgebieten.

Kontakt
Stefan Lutz
Telefon:  +49 89 28638-2379
stefan.lutz@bsb-muenchen.de

OrtBayerische Staatsbibliothek
Im Foyer des Ostlesesaals, 3. OG
Öffnungszeiten5. Oktober 2016 – 5. Januar 2017   (verlängert bis zum 17. Februar 2017)
Montag – Freitag   9:00 – 17:00 Uhr   (an Feiertagen geschlossen)
EintrittDer Eintritt ist frei.
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