Olympia 72 in Bildern. Fotografien aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek – Virtuelle Ausstellung

Jahresausstellung 2022 der Bayerischen Staatsbibliothek

Die Olympischen Spiele von 1972 prägen München bis heute. Zum 50. Jubiläum widmet die Bayerische Staatsbibliothek diesem Ereignis eine große Jahresausstellung.

 

Knapp 140 Fotografien aus der Zeit 1965 bis 1972 zeigen die Münchner Spiele aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Bilder stammen aus den zahlreichen Fotoarchiven, die die Bayerische Staatsbibliothek kuratiert, darunter Aufnahmen von Max Prugger, Karsten de Riese und aus dem STERN-Fotoarchiv. Sie wurden erst kürzlich erworben und werden erstmals öffentlich gezeigt. Zu sehen sind ferner Fotografien von Georg Fruhstorfer, Felicitas Timpe und Joachim Kankel.

 

„Olympia 72 in Bildern“ ist in fünf Module gegliedert:

  1. Stadtentwicklung 1966 bis 1972
  2. Vom Oberwiesenfeld zum Olympiagelände
  3. Design, Kultur und Medien
  4. Das Attentat
  5. Nachleben

Tauchen Sie ein in die Fotoarchive der Bayerischen Staatsbibliothek und begeben Sie sich auf eine Zeitreise in das Jahr 1972.

 

Tipp: Durch Anklicken können bei den Fotos in den Bildergalerien (mit wenigen Ausnahmen) Audioguide-Beiträge mit weiteren Informationen aktiviert werden.

Stadtentwicklung 1966 bis 1972

Als Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel im Dezember 1965 die Bewerbung Münchens für die XX. Olympiade einreichte, rechnete er sich keine großen Chancen aus. Doch dem IOC gefiel die Bewerbung Münchens so gut, dass es die bayerische Hauptstadt im April 1966 als Austragungsort für die Olympischen Sommerspiele von 1972 wählte.

 

Dieses unverhofft positive Ergebnis löste in München hektische Betriebsamkeit aus, da sich die Stadt nun innerhalb kurzer Zeit auf das Großereignis vorbereiten musste. Der Münchner Stadtrat beschloss eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen: Innerhalb von sechs Jahren wurden die U-Bahn sowie S-Bahn gebaut, neue Wohnanlagen errichtet und Ringstraßen wie der Mittlere Ring geplant. Bei der Eröffnung der Spiele im August 1972 hatte sich München zu einer der modernsten Großstädte Deutschlands entwickelt. Die große Bedeutung der Olympischen Spiele für die städtische Infrastruktur ist bis heute spürbar.

 

Oberwiesenfeld vor den Bauarbeiten
Das Oberwiesenfeld im Münchner Norden wurde lange Zeit als Flugplatz sowie als Truppenübungsplatz genutzt. Die Bauarbeiten für die Olympia-Gebäude begannen erst 1967.
© BSB/Bildarchiv/Max Prugger, Juli 1963

Oberwiesenfeld vor den Bauarbeiten, Juli 1963 | © BSB/Bildarchiv/Max Prugger

Vom Oberwiesenfeld zum Olympiagelände

Die Olympiabauten entstanden im Münchner Norden auf dem sogenannten Oberwiesenfeld. Die 280 Hektar große Fläche wurde innerhalb von nur sechs Jahren vollständig umgebaut. Im Süden des Oberwiesenfelds entstanden das Olympiastadion, die Olympiahalle sowie die Schwimmhalle, außerdem ein Park mit künstlichem See und dem Olympiaberg. Im nördlichen Teil des Oberwiesenfelds wurde das Olympische Dorf sowie die Zentrale Hochschulsportanlage errichtet.

 

Das gesamte Olympiagelände prägte ein einheitliches Gestaltungskonzept. Es entstand in der kritischen Auseinandersetzung mit den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin. Bei den Spielen in Berlin dominierte die monumentale Architektur die Landschaft. Im Gegensatz dazu sollten sich in München Architektur und Natur zu einer harmonischen Einheit verbinden. Die Bauten sollten sich als Teil der oberbayerischen Landschaft in das Münchner Stadtbild einfügen. Ziel war es, der Weltöffentlichkeit durch das Olympiagelände ein neues Deutschlandbild zu präsentieren: die Bundesrepublik als ein freiheitliches, tolerantes und demokratisches Land. Vor allem das innovative Zeltdach drückte dies durch seine Transparenz und die geschwungenen Formen aus.

 

Erdstadien im Bau
Das Olympiastadion, die Olympiahalle und die Schwimmhalle waren von dem Architekturbüro Behnisch und Partner als Erdstadien konzipiert. Als Vorbild dienten antike Theaterbauten.
© BSB/Bildarchiv/Max Prugger, 1970 

Erdstadien im Bau, 1970 | © BSB/Bildarchiv/Max Prugger

Design, Kultur und Medien

Die Münchner Spiele waren die ersten, die sich durch eine „Corporate Identity” auszeichneten. Der Grafikdesigner Otl Aicher und sein Team entwarfen ein umfassendes Erscheinungsbild für die Olympischen Spiele. Ihre Richtlinien schrieben in über hundert Gestaltungsbereichen Form, Farbe und Typografie vor. Alles sollte einheitlich und möglichst sachlich-modern wirken.

 

Ziel der Bemühungen war es, der Weltöffentlichkeit ein neues Deutschlandbild zu präsentieren: liberal, demokratisch, bunt. Keinesfalls sollte es Anklänge an das nationalistische Pathos der Olympischen Spiele von 1936 geben. Das vielfältige olympische Kulturprogramm verfolgte das gleiche Ziel: Es sollte der Weltöffentlichkeit das Bild der modernen deutschen Kulturnation vermitteln. Viele internationale Künstlerinnen und Künstler waren vertreten. Aber nicht nur das Kulturprogramm zeichnete sich durch Superlative aus. Auch die Medien spielten eine große Rolle. Die Spiele von 1972 waren das erste TV-Massenereignis der Geschichte. Noch nie zuvor hatten so viele Menschen gleichzeitig die Fernsehübertragungen der Wettkämpfe und des Kulturprogramms verfolgt.

 

Fahnen und Flaggen am Olympiastadion
Entlang des Olympiastadions wurden die Flaggen der einzelnen Nationen gezeigt. Im Münchner Stadtgebiet setzten sich die bunten Fahnenpulks von Otl Aicher durch.
© BSB/Bildarchiv/Georg Fruhstorfer, August 1972

Das Attentat

Am Morgen des 5. September 1972 drangen acht Mitglieder der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September” in das Haus des israelischen Teams im Olympischen Dorf ein. Die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Eindringlingen waren gering, da die Bundesrepublik Deutschland möglichst heitere Spiele ohne Polizeipräsenz veranstalten wollte. Die Terroristen nahmen insgesamt elf israelische Sportler als Geiseln, von denen zwei Widerstand leisteten und daraufhin von den Attentätern tödlich verletzt wurden. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von 234 in Israel inhaftierten Gesinnungsgenossen. Dies lehnte die israelische Regierung ab.

 

Nach Verhandlungen mit den deutschen Verantwortlichen forderten die Terroristen schließlich freies Geleit und die Bereitstellung eines Flugzeugs nach Kairo. In zwei Hubschraubern flogen sie gegen 22 Uhr mit den neun verbliebenen Geiseln zum Flugplatz Fürstenfeldbruck. Dort wartete die Polizei mit fünf Scharfschützen auf sie. Bei dem längeren Schusswechsel wurden alle neun Geiseln von den Terroristen ermordet; fünf Attentäter und ein Polizist starben im Kugelhagel. Die überlebenden drei Terroristen wurden gefangengenommen, jedoch kurz darauf bei einem erneuten Terrorakt freigepresst. Die Hinterbliebenen der ermordeten Israelis kämpften in den folgenden Jahren für die Aufarbeitung der Ereignisse sowie eine angemessene Form des Erinnerns in München.

 

Terrorist auf einem Balkon in der Connollystraße
Am frühen Morgen des 5. September drangen acht palästinensische Terroristen in die Unterkunft der israelischen Mannschaft ein.
© BSB/STERN-Fotoarchiv/Volker Hinz – Sven Simon,
5. September 1972

Terrorist auf einem Balkon in der Connollystraße, 5. September 1972 | © BSB/STERN-Fotoarchiv/Volker Hinz – Sven Simon

Nachleben

Die Münchner Spiele hatten vielfältige Auswirkungen. Die Stadt München und das Land Bayern profitierten am stärksten von den hohen Investitionen in die Infrastruktur. Bis heute ziehen die Olympiabauten viele Touristinnen und Touristen aus der ganzen Welt nach München. Gleichzeitig profitierte Bayern von der positiven Darstellung und Bekanntmachung der bayerischen Traditionen und Sehenswürdigkeiten. Andererseits gelang es den Olympia-Organisatoren nur eingeschränkt, ihr oberstes Ziel zu erreichen: der Weltöffentlichkeit ein neues, demokratisches und friedliches Bild der Bundesrepublik zu vermitteln.

 

Im Ausland erinnert man sich heute bei dem Stichwort „Olympia 1972” vor allem an das Attentat und den katastrophal gescheiterten Befreiungsversuch der deutschen Polizei. Um zukünftige terroristische Anschläge zu verhindern, wurde bereits am 26. September 1972 die Grenzschutzgruppe 9 der Bundespolizei gegründet, die bis heute als Antiterroreinheit zum Einsatz kommt. Die Hinterbliebenen der ermordeten israelischen Sportler kämpfen bis heute für eine angemessene Entschädigung und eine Aufklärung der Hintergründe des Attentats.

 

Konzert der Rolling Stones in der Olympiahalle
Bis heute sind Olympiahalle und Olympiastadion als Ort großer Konzerte und anderer kultureller Events gefragt. Hier traten die Rolling Stones bisher insgesamt elf Mal auf.
© BSB/Bildarchiv/Felicitas Timpe, 28. September 1973

Konzert der Rolling Stones in der Olympiahalle, 28. September 1973 | © BSB/Bildarchiv/Felicitas Timpe

Kuratorinnen

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Cornelia Jahn und Katharina Wohlfart (Abteilung Karten und Bilder).

Kooperationspartner

Die Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek ist Teil des von der Landeshauptstadt München koordinierten Gesamtprogramms zum 50. Jubiläum der Olympischen Spiele in München 1972.

Kontakt/Informationen

www.bsb-ausstellungen.de
veranstaltungen@bsb-muenchen.de
Telefon:  +49 89 28638-2115 oder -2980
#olympia72inbildern  #olympia72  #bildarchiv

Informationen im Überblick

OrtBayerische Staatsbibliothek
Ludwigstraße 16, 80539 München
Prachttreppenhaus und Fürstensaal, 1. OG
Öffnungszeiten11. Mai – 4. September 2022
Sonntag bis Freitag 10:00 – 18:00 Uhr
An Samstagen und Feiertagen geschlossen
EintrittDer Eintritt ist frei.
VerkehrsverbindungU3/U6, Bus 58/68/153/154, Haltestelle Universität
Bus 100/153, Haltestelle Von-der-Tann-Straße
KatalogZur Ausstellung erscheint im Volk Verlag ein reich bebilderter Begleitband zum Preis von 24,90 € (in der Ausstellung).
Mit freundlicher Unterstützung der Förderer und Freunde der Bayerischen Staatsbibliothek e. V.
FührungenJeden Donnerstag um 16:30 Uhr, kostenlos
(Am 4. August findet keine Führung statt!)

Gruppenführungen auf Anfrage (70,00 Euro/Führung)
Anmeldung erbeten über:
veranstaltungen@bsb-muenchen.de
AudioguideKostenlos, in deutscher und englischer Sprache
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