Erschließung, Digitalisierung und Online-Präsentation des Historischen Archivs des Musikverlags Schott

FörderungDeutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)  (Erschließung und Digitalisierung)
Kulturstiftung der Länder, Berlin  (Erwerbung)
Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München  (Erwerbung)
Erste Hauptphase01.07.2017 – 30.06.2019
ProjektpartnerStaatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz  (Schott-Portal)
Weitere Partnerinstitutionen der Erwerbung:
Akademie der Künste, Berlin
Beethoven-Haus, Bonn
Fondation Hindemith, Blonay
Carl-Orff-Stiftung, Dießen
Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung, Karlsruhe
Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
KontaktadressenArbeitsstellenbetreuer und Ansprechpartner:
Dr. Reiner Nägele  (Projektleiter)
reiner.naegele@bsb-muenchen.de
Dr. Claudia Fabian
claudia.fabian@bsb-muenchen.de
Dr. Ingrid Rückert
ingrid.rueckert@bsb-muenchen.de
Dr. Sabine Kurth  (Projektkoordination)
sabine.kurth@bsb-muenchen.de


Das Historische Archiv des in Mainz ansässigen Musikverlags B. Schott’s Söhne gilt nach Größe und Geschlossenheit unter den überlieferten Verlagsarchiven als einzigartig. Es wurde 2004 in das Länderverzeichnis national wertvoller Archive aufgenommen. Der besondere Wert dieses Archivs gründet in der sehr dichten Überlieferung sowohl der bei Schott seit dem späten 18. Jahrhundert (ab ca. 1770) bis etwa 1945 erschienenen Notendrucke und ihrer Quellen in mehreren Notenarchiven, wie auch in der geschlossenen Überlieferung der Geschäftsbücher (ab 1787) und der sehr umfangreich erhaltenen historischen Verlagskorrespondenz ab 1816, die zusammen das Geschäftsarchiv ausmachen.
Insgesamt acht Forschungseinrichtungen und Bibliotheken erwarben je nach ihrem Sammlungsschwerpunkt Teile des Gesamtarchivs zu einzelnen herausragenden Komponisten. Zwei dieser Institutionen, die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB) und die Bayerische Staatsbibliothek (BSB), erwarben jedoch nahezu geschlossene, sehr umfangreiche Segmente des Verlagsarchivs. Eine Beschreibung der Schott-Bestände und der Projektinhalte in der Staatsbibliothek zu Berlin findet sich auf den Webseiten der Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv.

Beschreibung der Schott-Bestände und der Projektinhalte in der Staatsbibliothek zu Berlin

Um eine homogene Erschließung und eine virtuelle Zusammenführung der räumlich getrennten Bestände in einem institutionenübergreifenden „Schott-Portal“ zu ermöglichen, stellten die Staatsbibliothek zu Berlin und die Bayerische Staatsbibliothek gemeinsam einen Förderantrag auf Erschließung und Digitalisierung der erworbenen Bestände und die Entwicklung eines Portals bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der im Dezember 2016 bewilligt wurde. Aus rechtlichen, aber auch aus konservatorischen Gründen können bestimmte Segmente des Verlagsarchivs lediglich verzeichnet oder erschlossen, jedoch noch nicht digitalisiert werden. Die folgende Übersicht gibt einen Überblick über die von der Bayerischen Staatsbibliothek erworbenen Archivteile, ihre Standorte in der Bayerischen Staatsbibliothek und die damit verbundenen Arbeitsvorhaben.

1. Notenarchive in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek

Musikverlag B. Schott’s Söhne, Herstellungsarchiv | © BSB
Musikverlag B. Schott’s Söhne, Herstellungsarchiv | © BSB
  • Herstellungsarchiv
    Das Herstellungsarchiv enthält die musikalischen Quellen, die als Herstellmaterial für die Schott-Ausgaben mit dem Impressum „B. Schott’s Söhne“ dienten. Die Quellen sind in aufsteigender numerischer Folge der Verlagsnummern (VN) archiviert. Es umfasst die für den Produktionsprozess von mehr als 41 000 Schott-Ausgaben/Verlagsnummern benötigten Musikhandschriften, Stichvorlagen und Notendrucke seit Verlagsgründung bis ca. 1945 (VN 1 bis 37 050), in Einzelfällen auch darüber hinaus bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Insgesamt enthält das Herstellarchiv ca. 80 000 Quellen, die sich aus ca. 60 000 Notendrucken und ca. 20 000 Musikhandschriften zusammensetzen, sowie akzidentelles Material wie z. B. Notizen zum Stich, beiliegende Textabschriften oder Textübersetzungen für Vokalwerke etc.
    Das Herstellungsarchiv soll ab Juli 2017 vollständig online erschlossen (Signatur: Mus.Schott.Ha [numerus currens]) und weitestgehend digitalisiert werden.
    Schott-Archiv: Herstellungsarchiv  (in den Digitalen Sammlungen)
  • Erstausgabenarchiv
    Das Erstausgabenarchiv bildet eine inhaltliche Ergänzung zum Herstellungsarchiv: Es enthält jeweils ein bis auf Stempel und Nummerneintrag unangetastetes Druckexemplar des Verlagsimpressums „B. Schott‘s Söhne, Mainz“. Insgesamt umfasst es ein Segment mit ca. 4 800 Werken aus der Zeit von ca. 1925 bis 1946/50, die in aufsteigender Folge der Verlagsnummern aufgestellt sind. Der Bestand ist fast vollständig urheberrechtlich geschützt und wird deshalb zunächst online erschlossen. Die Exemplare sind unter der Signatur Mus.Schott.Ea [numerus currens] aufgestellt und im OPACplus/BSB-Katalog recherchier- und bestellbar.
  • Altes Schott-Archiv
    Dieses Archiv, das auch als „Historisches Archiv“ bezeichnet wird, ist eine separate Hintergrundbibliothek des Schott-Verlages für Quellen und Werke ohne konkrete Publikationsabsicht. Es enthält ca. 4 000 Einzelwerke in Form von Musikhandschriften, externen Druckausgaben zum Teil in Mehrfachexemplaren, Textbüchern, Buchpublikationen sowie dokumentarisches Material und deckt damit die Epoche zwischen dem 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ab. Der Bestand wird ab 2017 im Onlinekatalog der Bayerischen Staatsbibliothek, die Musikhandschriften zusätzlich in der Datenbank von RISM erschlossen.
  • Teile des Safearchives
    Das „Safearchiv“ enthält besonders wertvolle Briefe und Musikautographen, die aus Sicherheitsgründen vom Schott-Verlag seit ca. 1990 aus den anderen Archivteilen ausgelagert wurden. Die Bayerische Staatsbibliothek erhielt daraus 95 Musikautographen der drei Komponisten Joseph Haas (1879 ­– 1960), Werner Egk (1901 ­– 1983) und Karl Amadeus Hartmann (1905 ­– 1963).

2. Geschäftsarchiv in der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek

Das Geschäftsarchiv enthält die für das Mainzer Verlagsgeschehen von 1787 bis 1990 relevanten Geschäftsbücher und Korrespondenzen der Jahre 1816 bis 1945. Es gliedert sich in folgende Bereiche:

  • 40 Druck-und Stichbücher
    Der historische Bestand an Druck- und Stichbüchern, beginnend mit dem „Journal 1788 – 1808“ und dem „Hauptbuch No. 1 1787 – 1808/09“ sowie vier Druckbüchern mit aufsteigender Verzeichnung der Verlagsnummern (VN) 1 – 2 599, ist die älteste Schicht aus dem Geschäftsarchiv. Dazu kommen 34 Druckbücher, die VN 1 bis 47 943 (ca. 1990) verzeichnen. Diese Bücher sind das wichtigste Hilfsmittel zur Identifizierung und Datierung der Schott-Notenausgaben. Sie werden vollständig digitalisiert und durch Sprungmarken indexiert.
  • Weitere Geschäftsbücher
    Zusätzlich existieren 14 auf Karteikarten niedergeschriebene Verzeichnisse der Verlagswerke, die die Schott-Erscheinungen ab Verlagsnummer 2 600 (ca. 1827) bis 38 004 (ca. 1951) erfassen. Dazu kommen 22 einzelne Geschäftsbücher, überwiegend aus dem 19. Jahrhundert: „Leipziger Kontokorrent“-Bücher, „Hauptbücher“, „Arbeitsbücher“, Lagerbücher für Papier, Messverzeichnisse, Inventare, Herstellungskostenbücher, Kassenbücher und ein „Korrekturenbuch“.
  • 51 „Kopiebücher“
    Diese „Kopiebücher“ enthalten Durchschläge der vom Verlag abgesandten Geschäftsbriefe aus den Jahren 1890 bis 1909.
  • Geschäftskorrespondenz
    Aus der Zeit zwischen 1816 und 1945 sind insgesamt ca. 850 000 Einzelbriefe an den Verlag Schott/Mainz überliefert. Die Briefe zwischen 1816 und 1909 sollen chronologisch und alphabetisch sortiert und über Excel-Listen ausgewertet werden. Diese werden in der Nachlassdatenbank Kalliope und im B3Kat nachgewiesen.
  • Safearchiv (Korrespondenz)
    Das „Safearchiv“ enthält besonders wertvolle Briefe und Musikautographen, die aus Sicherheitsgründen vom Schott-Verlag seit ungefähr 1990 aus den anderen Archivteilen ausgelagert wurden. Im Bereich der Korrespondenzen hat die Bayerische Staatsbibliothek ca. 1 000 Briefe der drei Komponisten Joseph Haas (1879 – 1960), Werner Egk (1901 – 1983) und Karl Amadeus Hartmann (1905 – 1963) erhalten.
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