Koptisch

In Breydenbachs „Peregrinatio in terram sanctam“ ist zum ersten Mal das koptische Alphabet abgedruckt | © BSB/2 Inc.c.a. 1725
In Breydenbachs „Peregrinatio in terram sanctam“ ist zum ersten Mal das koptische Alphabet abgedruckt | © BSB/2 Inc.c.a. 1725

Im Überblick

Die koptische Sammlung zählt ca. 250 gedruckte Bände, 24 Handschriften und 22 Papyri in originalschriftlicher Literatur. Das Koptische, die jüngste Sprachstufe des Ägyptischen, wird als Volks-, Literatur- und Liturgiesprache benutzt, bis es im Mittelalter von dem sich immer stärker ausbreitenden Arabischen verdrängt wird.

Inhaltliche Schwerpunkte

Wissenschaftliche Texteditionen mit Übersetzungen und Sekundärliteratur zur Koptologie in westeuropäischen Sprachen werden breit gefächert erworben.

Handschriften

In der Gegenwart sind die bestimmenden Faktoren der Erwerbungspolitik für koptische Handschriften und Papyri die wissenschaftliche Relevanz von Texten und der ästhetisch-museale Aspekt. Die Orient- und Asienabteilung betreut die koptischen Handschriften und Papyri fachlich (Ankauf, Fachinformation, Führungen, Ausstellungen), während die Abteilung Handschriften und Alte Drucke diese verwaltet und für ihre Benutzung zuständig ist. Die orientalischen Handschriften sind im Lesesaal Handschriften und Alte Drucke zu benutzen.

Kataloge

Handschriftenkataloge

  • Simon, Jean: Répertoire des bibliothèques publiques et privées contenant des manuscrits coptes. In: Le muséon 44 (1931), S. 137-151.

Cod.copt. = Codices coptici

Kataloge für koptische Drucke

Die koptischen Drucke sind im OPACplus/BSB-Katalog recherchierbar.
Digitalisate koptischer Drucke können ebenfalls über den OPACplus/BSB-Katalog ermittelt werden.

OPACplus/BSB-Katalog

Geschichte der koptischen Sammlung

Vermutlich erst im 19. Jahrhundert finden die ersten Coptica den Weg in die Münchner Hofbibliothek. So weist die koptische Grammatik des Jesuiten Athanasius Kirchner von 1636, die als eigentlicher koptischer Erstdruck gilt, das Exlibris des pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor auf, dessen Mannheimer Hofbibliothek zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach München kam.
Athanasius Kirchner: Prodromus Coptus. Rom: Societas Congregatio de Propaganda Fide, 1636.  (Res/4 L.as. 341)

Allerdings erscheint bereits um 1630 auf wenigen Seiten ein koptisches Alphabet mit Ausspracheerklärung und Schriftprobe, das ebenfalls im 19. Jahrhundert den Beständen der Münchner Hofbibliothek zugeführt wurde.
Alphabetum cophtum sive aegyptiacum. Rom: Congregatio de Propaganda Fide, um 1630.  (L.as. 450,7)

Durch den Ankauf der Bibliothek des französischen Orientalisten Étienne-Marc Quatremère kamen die ersten 19 koptischen Handschriften in die Münchner Hofbibliothek. Erwähnt werden sollte auch, dass die Bayerische Staatsbibliothek Breydenbachs „Peregrinatio in terram sanctam“ (Mainz 1486, 2 Inc.c.a. 1725) besitzt, in der zum ersten Mal das koptische Alphabet abgedruckt ist, allerdings noch nicht in beweglichen Lettern.
Breydenbach, Bernhard von: Peregrinatio in terram sanctam. Mainz, 1486.  (2 Inc.c.a. 1725)

1914 konnten auf einer Auktion die ersten koptischen Papyri für die Bibliothek ersteigert werden, die aus der Zeit des 4. bis 8. Jahrhunderts stammten.

Als Beispiel für die Pflege und Ergänzung des Altbestands sei folgender Druck genannt.
Pi Čōm nte pi psaltērion nte Dawid. Rom: Sacra Congregatio Propaganda Fide, 1744.  (4 B.orient. 36 s)
Das ursprüngliche Exemplar dieses Buchs wurde im Krieg verbrannt. 1982 bot sich die Gelegenheit, das verbrannte Exemplar durch ein anderes derselben Auflage von 1744 wiederzubeschaffen. Das jetzige Exemplar trägt den Besitzvermerk des Ägyptologen Moritz G. Schwartze (1802 – 1848). Der hier erwähnte Psalter ist eine arabisch-koptische Ausgabe.

Da seit dem Mittelalter Koptisch nur noch von Gelehrten beherrscht und in der Liturgie verwendet wird, war es unumgänglich, religiöse Texte, Bibelausgaben, Gebetbücher und liturgische Bücher nicht nur auf Koptisch zu veröffentlichen, sondern auch in der allgemeinen Verkehrssprache Arabisch. Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt mehrere solcher zweisprachigen Bücher. Mit der Einrichtung orientalischer Lehrstühle an den Universitäten im 19. Jahrhundert wuchs auch das Interesse an der koptischen Literatur, was schließlich bis heute zum gezielten Erwerb wissenschaftlich relevanter Coptica an der Bayerischen Staatsbibliothek geführt hat.

Ausstellungskataloge

Hartmann, Albert: Bericht über die Papyrus-Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek München. In: Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte 19 (1934), S. 463-472.

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Wertvolle orientalische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek = Precious Oriental manuscripts and rare printed books in the Bavarian State Library: 26th MELCOM International Conference, 24 – 26 May 2004: Ausstellung 24.05. – 18.06.2004. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2004.

Literatur

Hengstenberg, Wilhelm: Koptische Papyri. In: Beiträge zur Forschung: Studien und Mitteilungen aus dem Antiquariat Jacques Rosenthal München 1 (1915), S. 92-100.

Arnold, Erwin: Die Papyrussammlung der Bayerischen Staatsbibliothek und ihre Erschließung. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 57-67.

Hanebutt-Benz, Eva; Glass, Dagmar; Roper, Geoffrey (Hrsg.): Middle Eastern languages and the print revolution = Sprachen des Nahen Ostens und die Druckrevolution: a cross-cultural encounter: a catalogue and companion to the exhibition: Gutenberg Museum Mainz. Westhofen: WVA-Verlag Skulima, 2002.

Rebhan, Helga: Ausstellungen orientalischer und asiatischer Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Griebel, Rolf; Ceynowa, Klaus (Hrsg.): Information, Innovation, Inspiration: 450 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. München: Saur, 2008. S. 639-665.

 

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