Armenisch

Zweiteilige armenische Handschrift, bestehend aus Brevier und Messliturgien | © BSB/Cod.armen. 6
Zweiteilige armenische Handschrift, bestehend aus Brevier und Messliturgien | © BSB/Cod.armen. 6

Im Überblick

Die armenische Sammlung umfasst 28 Handschriften und ca. 10 000 gedruckte Bände originalschriftlicher Literatur.

Geographischer Fokus

Armenische Monographien und Zeitschriften werden in der Gegenwart aus Armenien und der armenischen Diaspora, insbesondere aus der Türkei, dem Iran und den arabischen Staaten erworben.

Inhaltliche Schwerpunkte

Die Sekundärliteratur in westeuropäischen Sprachen zur Armenologie wird in breitem Umfang gesammelt. Inhaltliche Sammlungsschwerpunkte sind die geisteswissenschaftlichen Fächer Philosophie, Religion, Geschichte (hier insbesondere die Literatur zum Genozid an den Armeniern), Politik, Archäologie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Volkskunde, Architektur und Kunst sowie klassische Texteditionen.

Handschriften

Die Orient- und Asienabteilung betreut die armenischen Handschriften fachlich (Ankauf, Fachinformation, Führungen, Ausstellungen), während die Abteilung Handschriften und Alte Drucke diese verwaltet und für deren Benutzung zuständig ist. Die armenischen Handschriften sind im Lesesaal Handschriften und Alte Drucke zu benutzen.

In der Gegenwart sind die bestimmenden Faktoren der Erwerbungspolitik für armenische Handschriften die wissenschaftliche Relevanz von Texten und der ästhetisch-museale Aspekt.

Handschriftenkataloge

  • Coulie, Bernard: Répertoire des bibliothèques et des catalogues de manuscrits arméniens.
    Turnhourt: Brepols, 1992.
  • [Cod.armen. 22 – 23]
    Assfalg, Julius; Molitor, Joseph: Armenische Handschriften.
    Wiesbaden: Steiner, 1962. S. 124-130.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 4.
  • [Cod.armen. 1,6 und 8]
    Sighart, Joachim: Über armenische Miniaturgemälde in München.
    In: Sitzungsberichte der königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 2 (1866), S. 555-561.

    Gratzl, Emil: Drei armenische Miniatur-Handschriften.
    München, 1913.

Seltene Drucke

Neben dem Erstdruck eines armenischen Alphabets in Breydenbachs „Peregrinatio in terram sanctam“, Mainz 1486 (2 Inc.c.a. 1725), verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den ältesten armenischen Druck in Deutschland. Als armenische Erstdrucke gelten jene fünf Bücher, die zwischen 1511 und 1513 in Venedig gedruckt wurden. Zu diesen Erstdrucken zählt ein Kalender, der „Parzaytowmar“ (Rar. 1756) von 1512.

Peregrinatio in terram sanctam  (2 Inc.c.a. 1725)
Parzaytowmar  (Rar. 1756)

Insgesamt gehören zur Sammlung 85 inzwischen digitalisierte armenische Drucke, die bis 1800 erschienen sind und weitere 46, die bis 1850 gedruckt worden sind. Mit jeweils mehreren Titeln aus den Druckorten Venedig, Rom, Konstantinopel, Amsterdam, Paris, London, Wien und Ejmiacin spiegelt die Sammlung die Anfänge der armenischen Druckgeschichte wider.

Die armenischen Drucke sind im OPACplus/BSB-Katalog recherchierbar. Seit einigen Jahren wird auch die Originalschrift implementiert.

Geschichte der armenischen Sammlung

Armenisches Tetraevangelium der Blütezeit der armenischen Buchmalerei 1278 | © BSB/Cod.armen. 1
Armenisches Tetraevangelium der Blütezeit der armenischen Buchmalerei 1278 | © BSB/Cod.armen. 1
Armenisches Tetraevangelium | © BSB/Cod.armen. 1
Armenisches Tetraevangelium | © BSB/Cod.armen. 1
Zweiteilige armenische Handschrift, bestehend aus Brevier und Messliturgien | © BSB/Cod.armen. 6
Zweiteilige armenische Handschrift, bestehend aus Brevier und Messliturgien | © BSB/Cod.armen. 6
 

Anfänge im 16. Jahrhundert

Die Anfänge der armenischen Sammlung gehen auf die Gründung der Münchner Hofbibliothek im Jahr 1558 durch Herzog Albrecht V. zurück. Den Gründungsakt der Münchner Hofbibliothek bildete der Ankauf der Privatbibliothek des vielseitig gebildeten und polyglotten Diplomaten und Orientalisten Johann Albrecht Widmanstetter (1506 – 1557), der als einer der Pioniere der Orientalistik gilt.

Gründungsbestand

Zum Gründungsbestand aus der Bibliothek Widmanstetter gehören drei armenische Handschriften: Cod.armen. 3, Cod.armen. 5 und Cod.armen. 6. Besondere Beachtung verdient Cod.armen. 6. Diese zweiteilige Handschrift, deren beide Teile in zwei unterschiedlichen Klöstern in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschrieben wurden, besteht aus dem Brevier und Messliturgien.

Die zweifellos schönste armenische Handschrift – Cod.armen. 1 – kam durch die Übernahme der Bibliothek Johann Jakob Fuggers 1571 in die Hofbibliothek. Vollendet wurde diese Handschrift 1278 im kleinarmenischen Königreich Kilikien, was gleichbedeutend ist mit dem Zentrum und der Blütezeit der armenischen Buchmalerei.

Armenisches Tetraevangelium  (Cod.armen. 1)

19. Jahrhundert

Weitere neun Handschriften und 34 seltene Drucke gelangten durch den Ankauf der Bibliothek des französischen Orientalisten Etienne-Marc Quatremère 1858 in die Münchner Hofbibliothek.

Wissenschaftler und Professoren der Münchner Universität wie Carl Friedrich Neumann (1795 – 1870) und Friedrich Windischmann (1811 – 1861) stellten ihr für die damalige Zeit noch außergewöhnliches Interesse an der armenischen Sprache und Kultur in den Dienst der Hofbibliothek und bemühten sich im 19. Jahrhundert um einen systematischen Aufbau der armenischen Sammlung.

Literatur

Grönbold, Günter: Die orientalischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 68-84.

Reupke, Ulrike; Tafferner, Lioba; Wurm, Heidi: Einiges über armenische Buchbestände in deutschen Bibliotheken. In: Armenisch-deutsche Korrespondenz 75 (1992), S. 33-47.

Rebhan, Helga: Ausstellungen orientalischer und asiatischer Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Griebel, Rolf; Ceynowa, Klaus (Hrsg.): Information, Innovation, Inspiration: 450 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. München: Saur, 2008. S. 639-665.

Rebhan, Helga: Die Bibliothek Johann Albrecht Widmanstetters. In: Schmid, Alois (Hrsg.): Die Anfänge der Münchener Hofbibliothek unter Albrecht V. München: Beck, 2009. S. 112-131.

Ausstellungen

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Kreiser, Klaus: The beginnings of printing in the Near and Middle East: Jews, Christians and Muslims [Exhibition: Der Frühdruck im Orient: Juden, Christen und Muslime, 25.03. – 12.04.2001]. Wiesbaden: Harrassowitz, 2001.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Wertvolle orientalische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek = Precious Oriental manuscripts and rare printed books of the Bavarian State Library: 26th MELCOM International Conference, 24 – 26 May 2004: Ausstellung 24.05. – 18.06.2004. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2004.

Fabian, Claudia (Hrsg.): Kulturkosmos der Renaissance: die Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek: Katalog der Ausstellung zum 450-jährigen Jubiläum 7. März bis 1. Juni 2008 ... Wiesbaden: Harrassowitz, 2008.

Drost-Abgarjan, Armenuhi; Pehlivanian, Meliné: Schriftkunst und Bilderzauber: eine deutsch-armenische Festgabe zum 500. Jubiläum des armenischen Buchdrucks: [anlässlich der Ausstellung „Schriftkunst und Bilderzauber“, vom 17. April bis 20. Mai 2012 im Kunstforum Halle, vom 8. Dezember 2012 bis 17. März 2013 im Gutenberg-Museum, Mainz]. Jerewan: Woskan Jerewantzi, 2012.

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