Äthiopisch

Liturgische äthiopische Handschrift | © BSB/Cod.aethiop. 173
Liturgische äthiopische Handschrift | © BSB/Cod.aethiop. 173

Im Überblick

Sekundärliteratur

Die Sekundärliteratur in westeuropäischen Sprachen zur Äthiopistik wird breit gefächert erworben. Inhaltliche Sammlungsschwerpunkte sind die geisteswissenschaftlichen Fächer Philosophie, Religion, Geschichte, Archäologie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Volkskunde, Architektur und Kunst sowie klassische Texteditionen.

Handschriften

Die äthiopische Sammlung umfasst derzeit 183 Handschriften, die in der alten äthiopischen Literatur- und Liturgiesprache Ge’ez geschrieben sind und in der modernen Variante dem Amharischen.

Die Orient- und Asienabteilung betreut die äthiopischen Handschriften fachlich (Ankauf, Fachinformation, Führungen, Ausstellungen), während die Abteilung Handschriften und Alte Drucke diese verwaltet und für deren Benutzung zuständig ist. Die äthiopischen Handschriften sind im Lesesaal Handschriften Alte Drucke zu benutzen. In der Gegenwart sind die bestimmenden Faktoren der Erwerbungspolitik für äthiopische Handschriften die wissenschaftliche Relevanz von Texten und der ästhetisch-museale Aspekt.

Handschriftenkataloge

  • Beylot, Robert; Rodinson, Maxime: Répertoire des bibliothèques et des catalogues de manuscrits éthiopiens. Turnhout: Brepols, 1995.
  • [Cod.aethiop. 1 – 119]
    Hammerschmidt, Ernst; Jäger, Otto A.: Illuminierte äthiopische Handschriften. Wiesbaden, 1968. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 15.

    Six, Veronika: Äthiopische Handschriften. Band 2. Die Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden, 1989. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 20,5.
  • [Cod.aethiop. 120 – 121]
    Six, Veronika: Äthiopische Handschriften. Band 3. Handschriften deutscher Bibliotheken, Museen und aus Privatbesitz. Wiesbaden, 1994. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 20,6.
  • [Cod.aethiop. 111 – 113, 122 – 163]
    Six, Veronika: Äthiopische Handschriften vom Tānāsee. Band 3. Nebst einem Nachtrag zum Katalog der äthiopischen Handschriften deutscher Bibliotheken und Museen. Wiesbaden, 1999. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 20,3.

Neuerwerbungen sind im OPACplus/BSB-Katalog unter der Signatur Cod.aethiop. zu finden. Digitalisate äthiopischer Handschriften können über den OPACplus/BSB-Katalog oder die Digitalen Sammlungen recherchiert werden.

OPACplus/BSB-Katalog

Digitale Sammlungen

Seltene äthiopische Drucke

Abgesehen von Breydenbachs „Peregrinatio in terram sanctam“ (Mainz, 1486, 2 Inc.c.a. 1725), die das erste gedruckte äthiopische Alphabet enthält, zählt der äthiopische Erstdruck „Psalmi et cantica“ (Romae 1513, Rar. 454) zu den Kostbarkeiten der Bayerischen Staatsbibliothek.
Peregrinatio in terram sanctam. Mainz, 1486  (2 Inc.c.a. 1725)

Weitere seltene in Europa hergestellte äthiopische Frühdrucke sind:
Homilia aethiopica de nativitate Dom. nostri J. Chr. Lugdunum Batavorum, 1660  (4 A.or. 170)
Homilia Aethiopica de nativitate Domini nostri Jesu Christi. Hamburgum, 1691  (4 A.or. 171)
Bellarmino, Roberto: Dottrina cristiana. Roma, 1786  (4 Polygl. 8 f)

Katalog

Die äthiopischen Drucke sind im OPACplus/BSB-Katalog recherchierbar. Auch Digitalisate äthiopischer Drucke können über den OPACplus/BSB-Katalog ermittelt werden.

OPACplus/BSB-Katalog

Äthiopischer Psalter. Jerusalem, 14./15. Jahrhundert | © BSB/Cod.aethiop. 1
Äthiopischer Psalter. Jerusalem, 14./15. Jahrhundert | © BSB/Cod.aethiop. 1

Geschichte der äthiopischen Sammlung

Anfang im 16. Jahrhundert

Bereits 1571, 13 Jahre nach ihrer Gründung, erwarb die damalige Münchner Hofbibliothek mit der Übernahme der Bibliothek Johann Jakob Fuggers (1516 – 1575), einem der bedeutendsten Büchersammler und Förderer von Kunst und Wissenschaft des 16. Jahrhunderts ihre erste äthiopische Handschrift: Cod.aethiop. 1. Diese Psalmenhandschrift auf Ge‘ez geschrieben ist zugleich auch der älteste äthiopische Codex in Deutschland. Der besondere Wert dieses Schriftdokuments aus dem 14./15. Jahrhundert beruht nicht allein auf seinem Alter sondern auch auf der Tatsache, dass die meisten äthiopischen Handschriften aus der Zeit der salomonischen Dynastie im äthiopischen Kaiserreich selbst den muslimischen Eroberungszügen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Opfer fielen.

19. Jahrhundert

Fortgeführt wurde die Sammlung äthiopischer Handschriften erst im 19. Jahrhundert. Paul Roth schenkte 1850 der Bibliothek die Cod.aethiop. 2 – 12, die sein Bruder der Naturforscher und Reisende Johannes Roth in Äthiopien erworben hatte. Aus der Bibliothek des französischen Orientalisten Étienne-Marc Quatremère konnten 1858 sechs äthiopische Handschriften der Sammlung zugeführt werden. 1890 kaufte dann die damalige Königliche Hof- und Staatsbibliothek 25 Handschriften aus der Carl von Arnhard’schen Sammlung, die Cod.aethiop. 35 – 60. Allerdings stammen davon die Cod.aethiop. 35 – 57 aus dem Nachlass des Semitisten Ernst Trumpp.

Unter diesen Handschriften muss Cod.aethiop. 25 aus dem 18./19. Jahrhundert hervorgehoben werden. Aufgrund ihrer außerordentlich zahlreichen und vielfältigen Miniaturen erweckt diese Evangelienhandschrift das besondere Interesse der Kunsthistoriker.

20. und 21. Jahrhundert

Für die Sammlungsgeschichte von Bedeutung ist die Herkunft von Cod.aethiop. 61. Diese Handschrift wurde 1904 aus dem Nachlass des italienischen Generals Oreste Baratieri erworben, dessen entscheidende Niederlage in der Schlacht von Adwa 1896 die Einverleibung Äthiopiens ins italienische Kolonialreich verhinderte. Die übrigen Handschriften gelangten im 20. und 21. Jahrhundert über Auktionen, Kauf von Privatpersonen und Schenkungen in die Bibliothek.

Als künstlerisch bedeutsam ragen auch Cod.aethiop. 89 und Cod.aethiop. 118 heraus. Nur sehr selten sind äthiopische Psalmenhandschriften mit Bebilderung anzutreffen wie Cod.aethiop. 89 aus dem 18./19. Jahrhundert. Die Miniaturen in dem vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Cod.aethiop. 118, mit Wundererzählungen Mariens und Evangelienperikopen, sind ein Beispiel für den Malstil der alten äthiopischen Haupt- und Residenzstadt Gondar.

Ausstellungskataloge

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Wertvolle orientalische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek = Precious Oriental manuscripts and rare printed books in the Bavarian State Library: 26th MELCOM International Conference, 24 – 26 May 2004: Ausstellung 24.05. – 18.06.2004. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2004.

Fabian, Claudia (Hrsg.): Kulturkosmos der Renaissance: die Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek: Katalog der Ausstellung zum 450-jährigen Jubiläum 7. März bis 1. Juni 2008 ... Wiesbaden: Harrassowitz, 2008.

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