Über die Sammlung

Überblick

Die Kartensammlung der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst derzeit 778 handgezeichnete Karten, 415 000 gedruckte Einzelkarten, 13 000 Atlanten sowie 30 Globen. 200 Werke mit älteren Stadtansichten (Topographien) und eine Handbibliothek mit 3 800 Bänden runden den Bestand ab.

Allein 80 000 Karten stammen aus der Zeit vor 1850. Nicht zuletzt aufgrund dieses herausragenden Bestandes an Altkarten zählt die Sammlung zu den bedeutendsten Kartensammlungen in Deutschland.

Weitere Karten und Atlanten finden sich im allgemeinen Bestand. Einzelkarten, die in geographische, historische und weitere Werke eingebunden sind, sind nur teilweise einzeln verzeichnet. Auch einzelne Nachlässe enthalten handgezeichnete oder gedruckte Karten.

Einzelkarten, Atlanten und Topographien sind im OPACplus/BSB-Katalog nachgewiesen.

OPACplus/BSB-Katalog

Geschichte

Gründungsbestand

Mit der Bibliothek Johann Jakob Fuggers erwarb Herzog Albrecht V. auch 40 Landkarten. Diese sind im ersten Landkartenkatalog aus dem Jahr 1577 aufgeführt. Lediglich eine davon, die „Carta Marina“ von Olaus Magnus aus dem Jahr 1539, ist erhalten. Weltweit ist nur ein weiteres Exemplar in der Universitätsbibliothek in Uppsala bekannt.
Carta marina

17. und 18. Jahrhundert

In den folgenden Jahrhunderten bauten die bayerischen Herrscher den Bestand an Karten und Atlanten weiter aus. Der Schwerpunkt lag auf Karten von Bayern und den angrenzenden Ländern im Süden, Westen, Norden und Osten Europas.

Säkularisation und Mannheimer Hofbibliothek

Die Aufhebung der bayerischen Klöster und ihrer Bibliotheken 1802/03 brachte auch für die Kartensammlung bedeutende Zuwächse.

Mit der Überführung der Mannheimer Hofbibliothek Kurfürst Karl Theodors, die insgesamt 100 000 Bände umfasste, kamen 1803/04 wertvolle Prachtatlanten in die Hof- und Staatsbibliothek nach München. Sie stammen vor allem von süddeutschen und niederländischen Verlegern.

Im Zuge der Neuordnung der Bestände durch Martin Schrettinger (1772 – 1851) wurde Anfang des 19. Jahrhunderts auch für die Karten ein eigenes Fach mit der Signatur „Mapp.“ (Mappae) geschaffen. Es umfasst 23 regionale und drei thematische Untergruppen und wird bis heute fortgeführt.

19. Jahrhundert bis zum 2. Weltkrieg

Im 19. Jahrhundert wuchs der Kartenbestand relativ langsam, da seit 1786 das Allgemeine Plankonservatorium in München die Karten Bayerns und der Nachbarländer archivierte.

1915 wurde die Kartensammlung eine eigene organisatorische Einheit.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt auch die Kartensammlung spürbare Verluste. Viele Atlanten, die Handbibliothek und Teile der neueren Einzelkarten fielen den Bombenangriffen zum Opfer.

Nachkriegszeit bis heute

Nach dem Krieg überließ die amerikanische Armee der Bibliothek eine Sammlung von deutschen Wehrmachtskarten, vor allem aus dem Osten und Südosten.

Mit der Übernahme von Karten aus dem Bestand der ehemaligen bayerischen Armeebibliothek gelangten seltene und wertvolle Karten in die Sammlung.

Heute liegt der Schwerpunkt auf dem Ausbau des bedeutenden Altbestands durch die Wiederbeschaffung von Kriegsverlusten und die weitere Arrondierung dieser herausragenden Sammlung.

Dem Sammlungsauftrag einer Universalbibliothek entsprechend, erwirbt die Bibliothek seit dem Ende des 2. Weltkriegs moderne Kartenwerke kontinuierlich. Der Schwerpunkt liegt hier in einem regional abgestuften Profil auf topographischen Karten.

Literatur

Bauer, Theo; Wolff, Hans: Kartensammlungen am Ende des 20. Jahrhunderts. In: Bibliotheksforum Bayern 25 (1997), S. 275-282.

Ofczarek, Beate: Die Kartensammlung der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksmagazin (2010) 1, S. 31-35.

Wolff, Hans: Die Kartenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek – eine Bilanz der letzten fünfzehn Jahre. In: Bibliotheksforum Bayern 26 (1998), S. 135-155.

Zögner, Lothar (Hrsg.): Verzeichnis der Kartensammlungen in Deutschland. 2. Auflage. Wiesbaden, 1998. S. 371-374.

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