Einbandsammlung

Die Sammlung abendländischer Bucheinbände umfasst einen Zeitraum von über tausend Jahren und erstreckt sich auf Einbände von den Anfängen der mitteleuropäischen Buchkultur zur Zeit der Karolinger bis zu Künstlerbüchern des 20. Jahrhunderts.

Die Einbandsammlung enthält Drucke mit wertvollen, historisch oder künstlerisch bedeutsamen Einbänden aus dem Bestand der alten Fächer, die gesondert unter der Standortbezeichnung „ESlg/“ und der früheren Fachsignatur verwahrt werden.

Aufgebaut wurde die Sammlung ab 1905 von Otto Glauning (1876 – 1941). Sie enthält heute über 5 800 Werke der historischen Einbandkunst des 16. bis 20. Jahrhunderts und dokumentiert die europäische Einbandkunst in verschiedenen Stilepochen sowie den lokalen Besonderheiten einzelner Buchbinderwerkstätten.

Der Schwerpunkt der Einbandsammlung liegt bei den Meistereinbänden der Renaissance (Corvinus-, Grolier-, Mahieu- und Fuggermeister) sowie bei italienischen, französischen und deutschen Einbänden des 17. und 18. Jahrhunderts. Daneben besitzt die Bayerische Staatsbibliothek eine reichhaltige Sammlung von frühneuzeitlichen Bucheinbänden, die überwiegend aus altbayerischen und schwäbischen Buchbinderwerkstätten stammen und die infolge der Säkularisation in die Bibliothek gelangten.

Neben der Einbandsammlung sind besonders alte und wertvolle Prachteinbände in vorwiegend handschriftlichen Bestandsgruppen (Clm, Cgm) sowie in der Inkunabelsammlung enthalten, künstlerische Einbände des 19. und 20. Jahrhunderts in der Sammlung der Malerbücher, Pressendrucke und Künstlerpublikationen der Bayerischen Staatsbibliothek, denen man als geschlossenen Fonds keine Stücke entnehmen wollte.

Weitere besondere Einbände sind unter der Signaturengruppe „Libri impressi cum tegumentis manuscriptis“ (L.impr.c.teg.mss.) vertreten. Dieses Fach enthält Drucke, für deren Einbände handschriftliche und teilweise deutlich ältere Makulatur verwendet wurde.
Weiterführende Informationen

Von etwa 1954 bis 2002 wurden auch Buchumschläge von Drucken aus dem Bestand der Bibliothek gesammelt, ab 2002 nur noch in Auswahl. Der Bestand wird chronologisch nach dem Zugangsdatum aufbewahrt, ist aber im Katalog nicht erschlossen.

Recherche im:
OPACplus/BSB-Katalog

Sachkartei zur Einbandsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek

Einbanddurchreibungen von Bucheinbänden des 15. und 16. Jahrhunderts aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek sowie weiterer Institutionen:

Einbanddatenbank (EBDB)  (Weitere Informationen)

Prachteinbände

 ♦   Goldschmiede-Buchkasten, Uta-Codex  (Clm 13601)
Ottonischer Goldschmiedeeinband, Reichenauer Evangeliar  (Clm 4454)
Goldschmiedeeinband, Codex Aureus  (Clm 14000)
Goldschmiedeeinband mit Elfenbeinrelief, Evangeliar Ottos III.  (Clm 4453) 
Goldschmiedeeinband mit Elfenbeintafel, Perikopenbuch Heinrichs II.  (Clm 4452)
 ♦   Goldschmiedeeinband mit Elfenbeintafel, Sakramentar Heinrichs II.  (Clm 4456)
Elfenbeintafel, Lorscher Evangelistar  (Clm 23630)
 ♦   Evangeliar aus Wessobrunn  (Clm 22021)
 ♦   Stephanus-Codex aus Weihenstephan  (Clm 21585)
 ♦   Psalter aus Aldersbach  (Clm 2641)
 ♦   Silbereinband aus Florenz, Gebetbuch des Lorenzo de' Medici  (Clm 23639)
 ♦   Nürnberger Silbereinband von Hans Lencker, sog. Gebetbuch Maximilians I. von Bayern  (Clm 23640)
 ♦   Gestickter Seideneinband aus England, Kontobuch eines Geldverleihers  (Cgm 8860)
 ♦   Silbereinband von Johann Andreas Thelott  (ESlg/Liturg. 1457 s)

Literatur

Außenansichten: Bucheinbände aus 1000 Jahren aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek München: Ausstellung anlässlich der Tagung des Arbeitskreises Einbandforschung, 28. August – 15. Dezember 2006. Ausstellung und Katalogredaktion Bettina Wagner. Wiesbaden: Harrassowitz, 2006.

Prachteinbände 870 – 1685: Schätze aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek München: Ausstellung 4. Mai – 4. August 2001. Ausstellung und Katalog: Béatrice Hernad; Redaktion: Ulrich Montag. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2001. Schatzkammer. 2001.

Bucheinbände aus elf Jahrhunderten. Ausgewählt und beschrieben von Dr. Ferdinand Geldner ... Mit einem Vorwort von Dr. Gustav Hofmann ... München: F. Bruckmann, 1958.

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