Antike

Keilschrifttafeln

Die Handschriftenbestände der Bayerischen Staatsbibliothek umfassen einen Zeitraum von fünf Jahrtausenden. Bei den ältesten Schriftzeugnissen handelt es sich um fünf Keilschrifttafeln auf Ton aus dem Zweistromland des 22. bis 18. Jahrhunderts vor Christi Geburt, die in der Mehrzahl Verwaltungsschrifttum – Urkunden und (Ab-)Rechnungen – beinhalten (Signaturengruppe der Mon.script.cun.). Diese befinden sich als Schenkung von König Ludwig I. von Bayern bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert in der Bibliothek.

Keilschrifttafel mit Getreide-Abrechnung, datiert ins Jahr Šū-Sin 3 (2034 v. Chr.)  (Mon.script.cun. 2)

Papyri

Die zahlenmäßig umfangreichste Sammlung innerhalb der antiken Schriftdenkmäler stellen die Papyri dar, von denen die Bibliothek insgesamt etwa 750 ihr eigen nennen kann. Die Sprachen der Papyri spiegeln die Kulturen des antiken Vorderen Orients wider:

  • 373 griechische Papyri als die mit Abstand größte Gruppe (Pap.graec.mon. 1 – 377; daneben ca. 300 noch nicht inventarisierte Stücke), die insbesondere in der deutschen Kaiserzeit über das sogenannte Papyrus-Kartell erworben werden konnten. Mehrheitlich handelt es sich hierbei um Urkunden, daneben aber auch literarische Texte, von der Ptolemäerzeit bis zur ausgehenden Antike. Zu den wenigen bebilderten Papyri zählt die aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammende Ilias-Illustration mit der Entführung der Briseis (Pap.graec.mon. 128; fragmentarische Federzeichnung)
    Entführung der Briseis (Federzeichnung)  (Pap.graec.mon. 128)
  • 5 Hieroglyphen-Papyri, also Texte in hieratischer Schriftart (Mon.script.hierogl. 1 – 5), darunter als prominentestes Stück der als Dauerleihgabe in der Ägyptischen Staatssammlung München gezeigte Totenbuchpapyrus aus einem Grab der thebanischen Nekropolis aus ptolemäischer Zeit (Mon.script.hierogl. 1)
    Totenbuchpapyrus  (Mon.script.hierogl. 1) 
  • 35 demotische Papyri (Pap.demot.mon. 1 – 29)
  • 19 koptische Papyri (Pap.copt.mon. 1 – 17)
  • 1 aramäischer Papyrus (Pap.aram.mon. 1)
  • 3 lateinische Papyri (Pap.lat.mon. 1 – 3) mit Beispielen für die Schrift der älteren römischen Kursive (2. und 3. Jahrhundert) sowie schließlich – an der Schwelle der Antike zum Mittelalter –
  • 8 arabische Papyri (Pap.arab.mon. 1 – 8)

Weiterführende Informationen

Tonscherben

Einen kleineren Fonds stellen auch die drei mit den Namen zu verbannender Bürger beschriebenen Tonscherben (Ostraka, Signaturengruppe Ostr. 1 – 3) dar, die in einer insbesondere im antiken Athen üblichen Form eines Gerichts, des sogenannten Scherbengerichts (Ostrakismos), zum Einsatz kamen. Daneben wird in der Bayerischen Staatsbibliothek auch eine antike Asphalttafel verwahrt, deren Schriftheimat bislang noch nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte und die aus diesem Grund dem Fach Monumenta scripturarum diversarum (Mon.script.div.) zugeordnet wurde.

Altsüdarabische Holzinschriften

Eine Sonderstellung in dem Bestand an antiken Schriftdenkmälern stellen knapp 800 altsüdarabische Holzinschriften, d. h. Rundhölzer bzw. Stäbchen, mit eingeritzten altsabäischen und somit vorislamischen Texten aus dem Yemen dar. Sie werden unter der Signatur Mon.script.sab. verwahrt.

Weitere Informationen zu den altsüdarabischen Holzinschriften (Mon.script.sab.)

Handschriften mit Texten antiker Autoren

Unabhängig von den Schriftstücken, die in der Antike entstanden sind, verwahrt die Bayerische Staatsbibliothek eine große Anzahl an mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften mit Texten antiker Autoren, darunter so bekannte Namen wie Cicero, Livius, Vergil sowie Demosthenes und Thukydides.

Livius, Titus: Titi Livii Patavini ab urbe condita prima decas  (Clm 15731)
Cicero, Marcus Tullius: De inventione  (Clm 14503)
 ♦   Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges  (Cod.graec. 430)

Weitere Informationen und Beispiele

Literatur

Arnold, Erwin: Die Papyrussammlung der Bayerischen Staatsbibliothek und ihre Erschließung. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 57-67.

Maraqten, Mohammed: Altsüdarabische Texte auf Holzstäbchen: epigraphische und kulturhistorische Untersuchungen. Würzburg, 2014.

Reich, Nathaniel: Aus der Sammlung der demotischen Papyri in der Königlich bayerischen Hof- und Staatsbibliothek zu München. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 25 (1911), S. 311-317.

Stein, Peter: Die altsüdarabischen Minuskelinschriften auf Holzstäbchen aus der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Band 1,1: Die Inschriften der mittel- und spätsabäischen Periode. Band 1,2: Die Inschriften der mittel- und spätsabäischen Periode. Tübingen; Berlin, 2010.

Wilken, Ulrich: Zu den griechischen Papyri der königlichen Hof- und Staatsbibliothek zu München. In: Archiv für Papyrusforschung 1 (1901), S. 468-491.

Heisenberg, August; Wenger, Leopold (Hrsg.): Byzantinische Papyri der Bayerischen Staatsbibliothek München. 2., ergänzte Auflage besorgt von Dieter Hagedorn. Stuttgart, 1986. Die Papyri der Bayerischen Staatsbibliothek München / Griechische Papyri. 1.

Carlini, Antonio (Hrsg.): Papiri letterari greci della Bayerische Staatsbibliothek di Monaco di Baviera. Con la collaborazione di Giovanna Calvani Mariotti. Stuttgart, 1986. Die Papyri der Bayerischen Staatsbibliothek München / Griechische Papyri. 2 = Nr. 19 – 44.

Hagedorn, Ursula; Hagedorn, Dieter; Hübner, Robert; Shelton, John C. (Hrsg.): Griechische Urkundenpapyri der Bayerischen Staatsbibliothek München. Stuttgart, 1986. Die Papyri der Bayerischen Staatsbibliothek München / Griechische Papyri. 3,1 = Nr. 45 – 154.

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