Bavarica in den Handschriften und Nachlässen

Nachlass von Therese von Bayern (1850 – 1925). München, 1885 | © BSB/Thereseana 61.a
Nachlass von Therese von Bayern (1850 – 1925). München, 1885 | © BSB/Thereseana 61.a

Allgemeines

Die Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt eine sehr große Sammlung bayernbezogener Bestände. Vielfach handelt es sich um Material, das auch in Archiven vermutet werden könnte. Nachfolgende Aufstellung gibt eine Übersicht der bavarica-relevanten Bestände der Abteilung Handschriften und Alte Drucke.

Die Sammlung „Handschriften, Nachlässe und Autographen“ im Überblick

Codices bavarici – Handschriften zur Geschichte Bayerns

Johann Andreas Schmeller (1785 – 1852) | © BSB/Bildarchiv
Johann Andreas Schmeller (1785 – 1852) | © BSB/Bildarchiv

Handschriften zur Geschichte Bayerns, vor allem zu den Gebieten Kultur-, Geistes-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte, wurden ab 1812 unter der Signatur Codices bavarici (Cod.bav.) gesammelt und 1827 bis 1834 durch Franz Hoheneicher katalogisiert (Cbm Cat. 89). Im Zuge der endgültigen Formierung der Handschriftenbestände der Bayerischen Staatsbibliothek durch Johann Andreas Schmeller wurde das Fach der Codices bavarici um 1845 jedoch aufgelöst und die Handschriften in die jeweiligen sprachenbezogenen Handschriftenfächer umgeordnet, wobei sie dort als geschlossene Serie erhalten blieben:

  • Die lateinischen Codices bavarici (einst Cod.bav. 1 – 1329) sind nun Clm 1001 – 2329.
  • Die deutschsprachigen Codices bavarici (einst Cod.bav. 1501 – 3587) stehen heute unter Cgm 1501 – 3587.
  • Die französischsprachigen Codices bavarici stehen nun unter Cod.gall. 528 – 574.
  • Italienischsprachige Codices bavarici finden sich unter Cod.ital. 381 – 418.
  • Ebenso ist Cod.angl. 7 ein ehemaliger Codex bavaricus.

Bayernbezogene Handschriften finden sich jedoch auch außerhalb dieser geschlossenen Gruppen. Neuerwerbungen, die in die Zeit nach Formierung des Bestandes fallen, wurden fortlaufend aufgestellt. Darunter fällt auch die bedeutende Abgabe des Landesamts für Statistik im Jahr 1913 (Cgm 6844 – 6881, mit Teilbänden rund 780 Handschriften).

Da die große Zahl der vormaligen Codices bavarici erst nach 1500 entstand, sind für sie nach wie vor die Kataloge des 19. Jahrhunderts zu benutzen.

Ordnung der Handschriften
Lateinische Codices bavarici ab Clm 1001 im Katalog der lateinischen Handschriften von 1892
Deutsche Codices bavarici ab Cgm 1501 im Katalog der deutschen Handschriften von 1866
Abgabe des Landesamts für Statistik von 1913 im handschriftlichen Katalog der deutschen Handschriften Cgm 5155 – 7385

Bedeutende Bestände

Eine detaillierte inhaltliche Beschreibung der bayernbezogenen Handschriften ist nach wie vor ein Desiderat. Der beste Überblick stammt von Paul Ruf und wurde 1955 in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte publiziert.

Ruf, Paul: Codices bavarici: Handschriften zur Geschichte Bayerns in der Bayer. Staatsbibliothek. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 18 (1955), S. 1-39.

Bayerische Geschichtsschreiber

Die ehemaligen Cod.bav. enthalten Handschriften der bayerischen Geschichtsschreiber, beispielsweise von Otto von Freising, Ulrich Füetrer, Veit Arnpeck oder Andreas von Regensburg.

Auch Handschriften des wohl bedeutendsten bayerischen Geschichtsschreibers Johannes Aventinus, des Verfassers der Bayerischen Chronik, befinden sich im Bestand, darunter die originalen Autographen sowohl der lateinischen wie auch der deutschen Fassung der Chronik, sowie Materialsammlungen.

Otto von Freising, Chronica sive Historia de duabus civitatibus  (Clm 1003)
Ulrich Füetrers Buch der Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde  (Cgm 1)
Johannes von Aventin, Bayrische Chronik, Band 1  (Cgm 1566)

Landesbeschreibungen und Statistiken

Die Codices bavarici enthalten zahlreiche Landesbeschreibungen, vor allem aus dem 18. Jahrhundert. Im Bestand finden sich außerdem zahlreiche Handschriften zu Städten und Märkten.

Von unschätzbarem Wert für die bayerische Landesgeschichte ist auch die Beschreibung Bayerns in Wort und Bild von Philipp Apian. Seine Topographie Bayerns wird unter Clm 1243 verwahrt.

Unter den Signaturen Cgm 6844 – 6881 findet sich seit 1913 die gesamte ältere ungedruckte Überlieferung des Landesamts für Statistik. Besonders hervorzuheben sind folgende Bestände:

  • Montgelas-Statistik (Cgm 6844 – 6862)
    Die Montgelas-Statistik ist die früheste umfassende statistische Erhebung, die für den modernen bayerischen Staat durchgeführt wurde. Die 430 Mappen enthalten statistische Erhebungen aus den Jahren 1809/10, 1811/12 sowie Nachträge für die neu erworbenen Territorien Aschaffenburg (1814/15) und Würzburg (1815/16). Die Erhebungen gliedern sich nach den Kreisen und Landgerichten der damaligen Zeit. Sie umfassen Materialen zu Gebäuden, Bevölkerung, Geburts-, Trauungs- und Sterbelisten bis hin zur Erfassung der Zuchthäuser, Schutzpockenimpfung und Landeskultur.
  • Ortskataster von 1840 und 1852 (Cgm 6871 – 6872)
    Diese umfassenden Kataster verzeichnen sämtliche Orte Bayerns mit umfassenden statistischen Angaben (Bevölkerung, Konfession, Wirtschaftsstruktur). Sie sind Vorläufer der amtlichen Ortsverzeichnisse Bayerns, die ab 1875 erschienen. Beide Kataster, die jeweils 18 bis 20 Teilbände umfassen, befinden sich als Dauerleihgabe in der Bibliothek des Bayerischen Landesamts für Statistik.
  • Bayerische Physikatsberichte (Cgm 6874)
    Diese medizinischen Topographien wurden in den Jahren 1858 bis 1861 von den damaligen Landgerichtsärzten im Auftrag König Maximilians II. angefertigt. Sie berichten in standardisierter Form über Landesnatur, Flora, Fauna, Lebensverhältnisse der Bevölkerung, wirtschaftliche Verhältnisse, Kleidung, medizinische Versorgung, über Brauchtum etc. der jeweiligen Landgerichte. Sie stellen damit eine in dieser Form einzigartige sozial-, umwelt-, und medizingeschichtliche Quelle dar. Durch einen Überlieferungszufall gelangten die Physikatsberichte für die oberbayerischen Landgerichte an den Historischen Verein von Oberbayern.

Recht, Regierung und Verwaltung

Die Codices bavarici enthalten zahlreiche Quellen zu Regierung und Verwaltung, beispielsweise:

  • Rechtsbücher wie die Lex Baiuvariorum, das Landrecht Ludwigs des Bayern (u. a. Cgm 15, Cgm 30) sowie Material zu den Rechtskodifikationen der frühen Neuzeit.
  • Instruktionen und Ordnungen für kurbayerische Zentralbehörden des 17. und 18. Jahrhunderts.
  • Quellen, die direkt dem Hofleben entstammen wie die Instruktion für Hofbeamten (Cgm 1962 – 1965, 2991, 2795/2796, 4915), Unterlagen des Hofzahlamts (Cgm 2750), der Hofhaltung und ihrer Kosten (Cgm 5011, 2222 – 2225, Clm 1381), Hofkleiderordnungen (Cgm 1950 – 1952), Schlossinventare (Cgm 2120 – 2122) oder fürstliche Gebetbücher (z. B. Clm 6116).
  • Die lückenlose Folge der Verhandlungen der bayerischen Landtage seit dem Jahre 1514 (u. a. Cgm 2327 – 2488).
  • Landtafeln (Verzeichnis der landständischen Adelsgüter, Klöster, Städte und Märkte), die erste von 1436 (u. a. Cgm 1801).
  • Steuerveranlagungen der einzelnen Orte, Klöster, Hofmarken von Bayern und der Oberpfalz aus dem 17. Jahrhundert (Cgm 3070).

Militär- und Kriegswesen

Der Bestand enthält Quellen zum Militärwesen von höfischen Turnier- und Fechtbüchern des Mittelalters bis hin zu Dienst- und Exerzierreglements des bayerischen Militärs (z. B. Cgm 2144, 3239), Befestigungslehren (u. a. Cgm 912) und Kriegsdarstellungen wie beispielsweise des Landshuter Erbfolgekrieges (Cgm 808) oder des Dreißigjährigen Krieges (u. a. Cgm 1937 – 1939).

Genealogie und Heraldik

Reichhaltig ist der Bestand an spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wappenbüchern, die größtenteils aus dem Besitz der bayerischen Fürstenfamilie, von bayerischen Adelsgeschlechtern, aber auch aus der bayerischen Landschaftskanzlei oder aus reichsstädtischen Beständen stammen. Beispielhaft seien hier das Wappenbuch des Konrad von Grünenberg (Cgm 145), das Ortenburger Wappenbuch (Cod.icon. 308 u) oder das Regensburger Wappenbuch des Hans Hylmair (Cgm 2015) genannt.

Einen besonderen Teilbestand bilden hierbei die vom Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing initiierten Sammlungen zur altbayerischen Adelsgenealogie und Heraldik. Dazu gehören neben weiteren genealogischen Aufzeichnungen Eckhers vor allem sein Wappenbuch (Cgm 2270) sowie ein Grabsteinbuch (Cgm 2267), das zahlreiche seitdem verlorengegangene Monumente dokumentiert. Da Eckhers eigene Adelsgenealogie seit der Säkularisation verschollen ist, muss als Höhepunkt dieser Bestrebungen die 31 Bände umfassende, wappengeschmückte Genealogie des bayerischen Adels von seinem Sekretär Johann Michael Wilhelm von Prey gelten (Cgm 2290).

Eine wichtige Quelle für die Familienkunde sind die Stammbücher – die ältesten reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Aus dem Bereich des reichsstädtischen Patriziats liegen Geschlechter- und Hochzeitsbücher des 16. und 17. Jahrhunderts aus Augsburg (Cgm 3031 – 3041) und Nürnberg vor (Cgm 2053 – 2056).

Klöster, Stifte und Bistümer

Durch die Säkularisation gelangte die handschriftliche Überlieferung der bayerischen Klöster in großer Anzahl in die Bayerische Staatsbibliothek und damit auch Unterlagen zur Geschichte und zur inneren Struktur der Klöster.

Zentral für die Prosopographie der Konvente sind die Nekrologien (Clm 1004 ff.), von denen meist nur die mittelalterlichen Exemplare in die Staatsbibliothek gelangten. Dazu treten zahlreiche lateinische und deutsche Klosterchroniken bzw. Annalen. Große Klöster wie Tegernsee, St. Emmeram in Regensburg, Polling oder Wessobrunn haben zudem umfangreiche Materialien zur Profan- und Kirchengeschichte Bayerns hinterlassen (u. a. Clm 1807, 1890 – 1905). Überlieferung findet sich auch zur Bayerischen Benediktinerkongregation.

Über die innere Struktur der Ordensgemeinschaften informieren neben den Ordensregeln auch die Statuten und Consuetudines sowie Visitationsakten. Die Bibliothekskataloge der Klosterbibliotheken wurden im Bestand Codices bavarici monacenses catalogi aufgestellt. Sie bieten wertvolle Informationen zu Bestand, Lesegewohnheiten und Bildungskanon der Klöster bis zum 19. Jahrhundert.

Schulen und Universitäten

Im Bestand sind Unterrichtsbücher, speziell Rechenbücher, teilweise noch aus dem Mittelalter erhalten (z. B. Clm 14783).

Schwerpunkt der Überlieferung sind die Universität Ingolstadt und das Münchner Jesuitengymnasium, das heutige Wilhelmsgymnasium. Für die Universität liegen Reden und umfangreiche Materialsammlungen vor. Die reichhaltigen Quellen zum Münchner Gymnasium umfassen neben Diarien, Rechnungsbüchern und Reden vor allem die Schülerverzeichnisse.

Frühneuzeitliche Vorlesungsmitschriften liegen für die Universitäten Ingolstadt, Dillingen und Salzburg sowie aus den Hausstudien zahlreicher Klöster vor.

Aus vielen bayerischen Schulen sind Texte der barocken Schuldramen überliefert, die in lateinischer und deutscher Sprache vor allem in den Jesuitenanstalten geschrieben wurden. Das berühmteste Stück aus dieser Textgruppe ist wohl der „Cenodoxus“ des Jesuiten P. Jakob Bidermann (Clm 11797), zu erwähnen sind ferner Handschriften der Stücke Jakob Baldes (Clm 27271).

Cenodoxus des Jesuiten P. Jakob Bidermann  (Clm 11797, Blatt 151v – 243r)

Schöne Literatur

Wolfram von Eschenbach: Willehalm (Fragment) | © BSB/Cgm 193
Wolfram von Eschenbach: Willehalm (Fragment) | © BSB/Cgm 193

In den bayernrelevanten Handschriften finden sich zahlreiche literarische Werke, teilweise auch von Weltrang. Dokumentiert wird dabei umfassend das literarische Schaffen im altbayerisch-oberdeutschen Raum seit dem Mittelalter. Kennzeichnend ist bis ins 18. Jahrhundert das Nebeneinander lateinischer und deutscher Dichtung, was durch die große Bedeutung von Ordens- und Weltgeistlichen für die literarische Produktion erklärbar ist.

Genannt seien beispielsweise aus dem Früh- und Hochmittelalter die Handschriften des „Wessobrunner Gebets“ (Clm 22053), des „Muspilli“ (Clm 14098), des „Willehalm“ (Cgm 193,III) und des „Parzival“ (Cgm 19) von Wolfram von Eschenbach oder die Handschriften A (Cgm 34) und D (Cgm 31) des „Nibelungenlieds“.

Aus dem hohen und späten Mittelalter ist vor allem geistliche Literatur überliefert, beispielsweise Heiligenviten aus dem Augsburger Raum (etwa „Das Leben des hl. Ulrich“ des Albert von Augsburg (Cgm 94)), oder Passionsspiele (z. B. Cgm 4370).

Von literarischem Wert sind auch die Chroniken des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit wie die Augsburger Chronik des Sigismund Meisterlin (Cgm 213). Aus dem Kontext des Münchner Hofes im 15. Jahrhundert ist das Ritterbuch „Das Buch der Abenteuer“ (Cgm 1) des Ulrich Füetrer erwähnenswert, das dieser für Herzog Albrecht IV. geschrieben hat.

Typisch für die Literatur der Reichsstädte im 15. und 16. Jahrhundert sind die Meisterlieder des Hans Sachs (Cgm 5103) oder des Hans Folz (Cgm 6353).

Aus dem literarischen Barock des 17. Jahrhunderts ist neben vielen jesuitischen Schuldramen und Schäfergedichten unter anderem die „Rhitmorum varietas“ des Johannes Werlin (ab Cgm 3636) im Bestand enthalten. Diese von 1646 bis 1648 entstandene handschriftliche Sammlung von Liedern des 16. und 17. Jahrhunderts gilt als eine der wichtigsten Quellen für das deutsche Lied des Frühbarocks.

Aus der Zeit der Aufklärung sind die Dramen (Clm 6121 – 6124) des Benediktiners Ferdinand Rosner, (Neufassung des „Oberammergauer Passionspiels“, die frühere Fassung aus dem 17. Jahrhundert ist ebenfalls vorhanden) erwähnenswert.

Um 1800 entstand auch das zweibändige „Stubenberger Liederbuch“ (Cgm 7340), eine der wichtigsten Quellen zum volkstümlichen Liedgut dieser Zeit.

Manuskripte, Briefe und Materialien zu Schriftstellerinnen und Schriftstellern seit dem 19. Jahrhundert finden sich vor allem in den Nachlässen. Einiges ist aber auch in der Signaturengruppe Cgm eingeordnet, beispielsweise Protokollbücher der Münchener „Zwanglosen Gesellschaft“ oder Romanmanuskripte von Paul Heyse, Heinrich Lautensack oder Friedrich Rückert.

Eine Besonderheit ist die im 19. Jahrhundert gezielt zusammengetragene Sammlung von Autographen von Schriftstellern und anderen bedeutenden Persönlichkeiten. Wertvolle Einzelstücke von Autoren wie Lessing, Körner, Hölderlin, E. T. A. Hoffmann oder Tolstoi sind unter der Signatur Autogr.Cim. zusammengefasst.

Sammlung „Literatur in Bayern“ in bavarikon

Briefe, Tagebücher, Erinnerungen

Die älteste Briefsammlung des Bestandes stammt aus dem Kloster Tegernsee von der Hand des Mönches Froumund und datiert in das 11. Jahrhundert (Clm 19412). Die Sammlung Clm 19697 umfasst einen Briefwechsel der um die Reform ringenden Mönche in Tegernsee und anderen Klöstern.

Die Sammlung Camerarius enthält Aktenstücke und die politische Korrespondenz des Ludwig Camerarius († 1651), Kanzler des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz (Clm 10351 – 10428). In großer Anzahl sind Gelehrtenbriefwechsel aus dem 16. bis 18. Jahrhundert vorhanden, wobei die Schriftwechsel von Pollinger Augustiner-Chorherren des 18. Jahrhunderts von besonderer Bedeutung sind.

Bemerkenswert ist eine Sammlung von Soldatenbriefen aus dem Ersten Weltkrieg (Cgm 7157 – 7159, 7304).

Die vielleicht ältesten Lebenserinnerungen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich ebenfalls an der Staatsbibliothek erhalten, nämlich das „Liber de temptationibus“ des Mönches Otloh von St. Emmeram (ca. 1010 – 1070, Clm 14756).

Handschriftliche Bibliothekskataloge

Unter der Signaturgruppe der Codices bavarici monacenses Catalogi (Cbm Cat.) werden zahlreiche historische Bibliothekskataloge verwahrt. Mehrere Gruppen lassen sich unterscheiden:

  1. Frühe Kataloge der Münchner Hofbibliothek, beginnend mit den ältesten erhaltenen Katalogen aus der Zeit um 1575. Für die Bibliotheksgeschichte sehr aufschlussreich sind die Kataloge, die Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Neukatalogisierung nach dem säkularisationsbedingten Bestandszuwachs entstanden. Einige handschriftliche Kataloge wurden bis Anfang des 21. Jahrhunderts geführt.
  2. Bibliothekskataloge säkularisierter kirchlicher Einrichtungen. Die frühesten Kataloge bayerischer Klosterbibliotheken wurden dabei um 1600 auf Befehl Herzog Maximilians I. angelegt (Cbm Cat. 1 – 3). Ergänzt werden sie durch zahlreiche Einzelkataloge des 17. und 18. Jahrhunderts.
  3. Das Fach enthält auch Kataloge verschiedener anderer Bibliotheken, die vor allem um 1800 in der Hof- und Staatsbibliothek aufgingen, u. a. der Mannheimer Hofbibliothek, der Landschaftsbibliothek in München oder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
  4. Kataloge von Privatbibliotheken, die durch Schenkung oder Kauf an die Bayerische Staatsbibliothek gelangten (verschiedene bayerische Herrscher, Franz von Krenner, Maximilian von Montgelas).

Kellner, Stephan; Spethmann, Annemarie: Historische Kataloge der Bayerischen Staatsbibliothek München: Münchner Hofbibliothek und andere Provenienzen. Wiesbaden, 1996.

Digitalisierte Bibliothekskataloge Cbm Cat. 1 – 3:

Codices bavarici monacenses Catalogi (Cbm Cat.)

Arzneipflanzenbuch | © BSB/Cod.icon. 26
Arzneipflanzenbuch | © BSB/Cod.icon. 26
Johann Christian von Mannlich: Europäische Vögel, nach der Natur und dem Leben gemalt | © BSB/Cod.icon. 88
Johann Christian von Mannlich: Europäische Vögel, nach der Natur und dem Leben gemalt | © BSB/Cod.icon. 88
Kleinodienbuch der Herzogin Anna von Bayern | © BSB/Cod.icon. 429
Kleinodienbuch der Herzogin Anna von Bayern | © BSB/Cod.icon. 429
Philipp Apian: Vorzeichnungen für die Große Karte Bayerns von 1563. Teil 7: Vogelschauplan größeren Maßstabes von Bayern an der böhmischen Grenze, diese ist rot markiert | © BSB/Cod.icon. 142
Philipp Apian: Vorzeichnungen für die Große Karte Bayerns von 1563. Teil 7: Vogelschauplan größeren Maßstabes von Bayern an der böhmischen Grenze, diese ist rot markiert | © BSB/Cod.icon. 142

Codices iconographici

Die Sammlung der Codices iconographici ist genuin mit der Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek verbunden und dadurch, auch inhaltlich, mit Bayern. Die repräsentativen „Bilderbücher“ zu den Realien der profanen Welt waren beliebte Sammelobjekte der bayerischen Herrscher, die sie teils für den Bestand ihrer Hofbibliothek ankauften bzw. sie im 19. Jahrhundert aus der Schatzkammer in die Bibliothek übertragen ließen.

Weiterführende Informationen

Bayernrelevante Cod.icon.

Beispiele für bayernrelevante Codices sind:

Genealogie, Heraldik und höfischer Kontext

  • Wappenbuch deutscher Geschlechter des Augsburgers Nikolaus Bertschi († 1542)  (Cod.icon. 308)
  • Elegantes Turnierbuch von Hans Burgkmair d. J. nach den Vorlagen seines Vaters aus Augsburg, das in das Umfeld der Memorialpolitik Kaiser Maximilians I. gehört  (Cod.icon. 403, aus dem Besitz von Montgelas).
  • „Ars athletica“: Kompendium zur Fechtkunst des Paul Hektor Mair (1517 – 1579) von ca. 1550 aus Augsburg  (Cod.icon. 393(1 und Cod.icon. 393(2)
  • „Kleinodienbuch“ des Münchner Malers Hans Mielich (1516 – 1573), ein Bildinventar der Juwelen der Herzogin Anna von Bayer  (Cod.icon. 429)
  • 1000-jähriger Pfalz-Wittelsbacher Stammbaum  (Cod.icon. 388)
  • Handschrift des Fechtbuchs von Hals Thalhofer aus dem Jahre 1467  (Cod.icon. 394 a)

Geographie

  • Erdglobus (1576) des großen Geographen Philipp Apian (1531 – 1589) (Cod.icon. 129), der mit dem zugehörigen Himmelsglobus (Cod.icon. 186) des Jesuiten Heinrich Arboreus zur ersten Ausstattung der Hofbibliothek gehörte.
    Erdglobus als 3D-Objekt
    Himmelsglobus als 3D-Objekt
  • Vorzeichnungen für die erste mathematisch-astronomisch nach Längen und Breiten außerordentlich genau vermessene Bayern-Karte 1563 von Philipp Apian (Cod.icon. 142)
  • Topographische Ansichten Regensburgs von Georg Sigmund Rentz 1640 (Cod.icon 198)

Botanik und Zoographie

Recherche

Die Codices iconographici sind digitalisiert und in der Datenbank CodIcon Online erschlossen.

CodIcon Online

Übersicht der bayernrelevanten Cod.icon.  (in der Bayerischen Landesbibliothek Online)

Nachlässe von bayerischen Personen

Nachlass Paul Heyse (1830 – 1914): Urkunde zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Stockholm, 10. Dezember 1910 | © BSB/Heyse-Archiv V.105
Nachlass Paul Heyse (1830 – 1914): Urkunde zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur. Stockholm, 10. Dezember 1910 | © BSB/Heyse-Archiv V.105
Nachlass Leo von Klenze (1784 – 1864): Skizzenbuch Süditalien mit Sizilien. München, 1823/1824 | © BSB/Klenzeana II.2
Nachlass Leo von Klenze (1784 – 1864): Skizzenbuch Süditalien mit Sizilien. München, 1823/1824 | © BSB/Klenzeana II.2
Nachlässe Wittelbacher: Therese von Bayern (1850 – 1925). München, 1885 | © BSB/Thereseana 61.a
Nachlässe Wittelbacher: Therese von Bayern (1850 – 1925). München, 1885 | © BSB/Thereseana 61.a
 

Seit dem 19. Jahrhundert sammelt die Bayerische Staatsbibliothek gezielt Nachlässe von Gelehrten und Künstlern aus Bayern.

Vor allem Intellektuelle des 19. Jahrhunderts aus Münchner Kreisen wie der „Zwanglosen Gesellschaft“ oder den „Krokodilen“ sind zahlreich vertreten, als Beispiele seien genannt: Paul Heyse, Wilhelm von Kaulbach, Leo von Klenze, Hermann Lingg oder Emma Klingenfeld. Ein relevanter Bestand aus dem 20. Jahrhundert ist der Nachlass des Schriftstellers Heinz Piontek.

Es werden auch Nachlässe von Wittelsbachern aufbewahrt. Besonders interessant ist der Nachlass Therese von Bayerns, der Berichte und Bilder ihrer zahlreichen Forschungsreisen enthält. Auch der Nachlass Ludwigs I. befindet sich in der Staatsbibliothek. In ihm finden sich Autographen seiner eigenen Werke, Briefe und die nur mit Genehmigung einsehbaren Tagebücher.

Bedeutende Naturwissenschaftlernachlässe sind u. a. die Nachlässe des Botanikers und Forschungsreisenden Carl Friedrich Philipp von Martius, des Erfinders der Lithographie Alois Senefelder, des Japanforschers Philipp Franz von Siebold, des Chemikers Justus Liebig sowie der Gebrüder Schlagintweit.

Klassische Gelehrtennachlässe aus dem Umfeld der Münchner Universität sind u. a. der Nachlass des Historikers und Professors Johann Nepomuk Sepp (1816 – 1909, Seppiana). Er war Mitglied des Görreskreises und Verfasser von Schriften zur bayerischen Sagenwelt. Sein Nachlass enthält autobiographische Aufzeichnungen, Briefe und Manuskripte einzelner Werke.

Der Nachlass des Musikwissenschaftlers Adolf Sandberger (Ana 431) enthält Korrespondenz sowie Manuskripte und Materialien zu musikwissenschaftlichen Themen. Sandberger war Gründer der Gesellschaft, welche die Reihe „Denkmäler der Tonkunst in Bayern“ publizierte.

Der Literaturprofessor Hyazinth Holland sammelte aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern umfangreiche Materialien zu Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten und diente unter anderem König Ludwig II. als Berater in künstlerisch-ikonographischen Fragen (Hollandiana).

Einige wichtige der zahlreichen Historikernachlässe im Bestand der Staatsbibliothek sind unter anderen: die Nachlässe von Johannes Aventinus, Andreas Kraus, Karl Bosl, Michael Döberl, Karl Theodor von Heigl, Max Spindler und Guido von Görres.

Interessante Nachlässe von Bibliothekaren sind u. a. jene von Martin Schrettinger und Karl Halm. Der Nachlass von Johann Andreas Schmeller enthält Tagebücher und Forschungsmaterialien. Der Nachlass des Andreas Felix von Oefele ist eine Schatzgrube zu allen Gebieten der bayerischen Geschichte und enthält Grabinschriften, Wappen sowie Biographien zu Gelehrten.

Eine Besonderheit sind die Kloeckeliana: Der Nachlass des Richters und Heimatforschers Johann Joseph von Kloeckel (1773 – 1833) enthält landesgeschichtliche Quellenstoffe und Darstellungen zur Geschichte und Volkskunde Bayerns, vor allem der beiden Landgerichte Aibling und Rosenheim. Kloeckel versuchte eine systematische Erhebung über Land und Leute seines Amtsbezirks Rosenheim durchzuführen, indem er Fragebogen an die Pfarrer, Lehrer und Gemeindebeauftragte der Gemeinden ausgab. Johann Andreas Schmeller hat das Material für die Staatsbibliothek gekauft und geordnet.

Weiterführende Informationen

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