Südasiatische Sprachen

Singhalesische Handschrift | © BSB/Cod.singh. 39
Singhalesische Handschrift | © BSB/Cod.singh. 39

Überblick

Die südasiatische Sammlung umfasst mehr als 25 000 Druckschriften sowie etwa 2 600 (vornehmlich indische) Handschriften in den Sprachen Bengali, Chakma, Gujarati, Hindi, Kannada, Lepcha, Malayalam, Marathi, Nepali, Oriya, Pali, Panjabi, Rajastani, Sanskrit, Sindhi, Singhalesisch, Tamil, Telugu und Urdu.

Inhaltliche Schwerpunkte

Die Sekundärliteratur in westeuropäischen Sprachen wird breit gefächert erworben. Inhaltliche Sammlungsschwerpunkte sind die geisteswissenschaftlichen Fächer Philosophie, Religion, Geschichte, Archäologie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Volkskunde, Architektur und Kunst sowie klassische Texteditionen.

Handschriften

Die Orient- und Asienabteilung betreut die südasiatischen Handschriften fachlich (Ankauf, Fachinformation, Führungen, Ausstellungen), während die Abteilung Handschriften und Alte Drucke diese verwaltet und für deren Benutzung zuständig ist. Die südasiatischen Handschriften sind im Lesesaal Handschriften Alte Drucke zu benützen. In der Gegenwart sind die bestimmenden Faktoren der Erwerbungspolitik für südasiatische Handschriften die wissenschaftliche Relevanz von Texten und der ästhetisch-museale Aspekt.

Unter den ca. 2 600 südasiatischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek bilden jene in Sanskrit (662), Singhalesisch (536), Tamil (486) und Malayalam (353) die größten Gruppen. Bestände von beachtlicher Größe bestehen mit den Fonds für Oriya (143), Nepali (119), Urdu (107), Hindi (78) und Rajasthani (44). Handschriften geringerer Menge liegen in den Sprachen Bengali (21), Kannada (19), Panjabi (17), Sindhi (14), Chakma (5), Gujarati, Pali sowie Telugu (jeweils 3), Einzelstücke in Lepcha und Marathi vor. Diese aus Indien, Sri Lanka und Nepal stammenden Handschriften sind in einer Vielzahl von südasiatischen, aus der Brahmi-Schrift hervorgegangenen Schriftsystemen auf unterschiedlichen Beschreibstoffen verfasst worden. Neben Papierhandschriften besitzt die Bayerische Staatsbibliothek eine große Anzahl von mit dem metallischen Stilus geritzten Palmblatthandschriften, darunter mehrere hundert in den dravidischen Sprachen Südindiens.

Handschriftenkataloge

Bengalisch

  • [Cod.beng. 1 – 3]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.

Hindi

Kannada

  • [Cod.Kann. 1]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.

Malayalam

  • [Cod.Malayal. 2 – 10]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.

Nepali

  • [Cod.nepal. 78, 81, 82]
    Grönbold, Günter: Tibetische Buchdeckel der Bayerischen Staatsbibliothek
    München, 1991.

Panjabi

Sanskrit

  • [Cod.sanscr. 414, 420 – 423, 431, 433 – 440, 443, 446, 447]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.
  • [Cod.sanscr. 417, 424, 425, 432, 445, 449 – 458, 462 – 468]
    Indische Handschriften 9
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1990.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,9.
  • [Cod.sanscr. 423, 425, 540, 543, 600]
    Grönbold, Günter: Tibetische Buchdeckel der Bayerischen Staatsbibliothek
    München, 1991.
  • [Sanskrit – Sammlung Haug]
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften aus dem Nachlasse des Professor Dr. Martin Haug in München.
    München: Ackermann, 1876.

Singhalesisch

  • [Cod.singh. 10 und 16]
    Bechert, Heinz; Bidoli, Maria: Singhalesische Handschriften 1
    Wiesbaden: Steiner, 1969.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 22,1.
  • [Cod.singh. 51 – 55]
    Bechert, Heinz: Singhalesische Handschriften 2
    Stuttgart: Steiner, 1997.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 22,2.

Tamil

  • [Cod.tam. 1 – 3, 5 – 10, 12]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.
  • [Cod.tam. 12]
    Indische Handschriften 9
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1990.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,9.

Telugu

  • [Cod.Telugu 1 – 2]
    Indische Handschriften 7
    Klaus Ludwig Janert unter Mitarbeit von N. Narasimhan Poti
    Stuttgart: Steiner, 1985.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 2,7.

Urdu

  • [Cod.Urdu 1 – 5]
    Urdu-Handschriften
    beschrieben von S. Mujahid Hussain Zaidi
    Wiesbaden: Steiner, 1973. passim.
    Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 25.
Bhāgavatapurāna | © BSB/Cod.sanscr. 655
Bhāgavatapurāna | © BSB/Cod.sanscr. 655

Geschichte

Die vornehmlich in der Devanāgarī-Schrift verfassten Sanskrithandschriften waren in Einzelstücken unter anderem bereits im Jahre 1858 durch den Ankauf der Bücher- und Handschriftensammlung des französischen Orientalisten Etienne-Marc Quatremère (1782 – 1857) in die Bibliothek gelangt. Den größten Zuwachs brachte das Jahr 1877, als der Nachlass des Münchner Indologen Martin Haug (1827 – 1876), von 1868 bis 1876 erster Inhaber des neueingerichteten Lehrstuhls für Sanskrit und vergleichende Sprachwissenschaft an der hiesigen Universität, erworben werden konnte. Haug hatte eine reichhaltige Sammlung (darunter 343 Sanskrit-Handschriften) während seiner Zeit am Poona College, wo er von 1859 bis 1866 als Professor für Sanskrit wirkte, zusammengetragen (Verkaufsprospekt unter: Cat. 282 da).

Für die Katalogisierung eines Großteils dieser Handschriften konnte der emeritierte Bonner Indologe Theodor Aufrecht (1822 – 1907) gewonnen werden, der die Arbeiten am Katalog (Cod.sanscr. 1 bis 286) kurz vor seinem Tode soweit zum Abschluss gebracht hatte, dass die Endfassung 1909 posthum erscheinen konnte. Neben dem Hallenser Indologen Richard Schmidt (1866 – 1939) hatte sich insbesondere der Würzburger Sanskritist Julius Jolly (1849 – 1932) um die Drucklegung von Aufrechts Katalog verdient gemacht. Von letzterem erwarb die Hof- und Staatsbibliothek 1907 eine weitere Sammlung von 127 Sanskrit-Handschriften (Cod.sanscr. 287 bis 413, darunter zahlreiche für Jolly angefertigte Abschriften von seltenen Textzeugen, die noch bis 1910 aus Indien eintrafen), deren Beschreibung er selbst übernahm, so dass der Katalogband bereits 1912 erscheinen konnte.
Katalog für Cod.sanscr. 1 bis 286 von Theodor Aufrecht
Katalog für Cod.sanscr. 287 bis 413 von Julius Jolly

Durch weitere Ankäufe, insbesondere seit den 1980er Jahren, konnte die Sammlung stetig erweitert werden; und zwar nicht nur durch Stücke aus Indien, sondern auch durch den Erwerb diverser Sanskrit-Handschriften nepalesischer Provenienz (Cod.sanscr. 473 bis 491 und Cod.sanscr. 508 bis 538). Eine Rarität stellen die im Jahre 1995 auf dem Antiquariatsmarkt erstandenen indischen, in Gupta-Schrift verfassten Kupfertafelurkunden dar, von denen sich einige auf die Zeit der indischen Maitraka-Dynastie (5. bis 8. Jahrhundert) datieren lassen (z. B. Cod.sanscr. 649, eine vom Herrscher Dhruvasena II. um das Jahr 640 ausgestellte Urkunde).
Von Dhruvasena II. um das Jahr 640 ausgestellte Urkunde  (Cod.sanscr. 649)

Neben den Handschriften besitzt die Bibliothek eine große Anzahl von in Sanskrit verfassten, gedruckten Publikationen aus Indien, die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart erworben wurden.

Literatur

Reismüller, Georg: Hundert Jahre Bayerische Staatsbibliothek im Dienste der Wissenschaft vom Orient. In: Die Bayerische Staatsbibliothek in den letzten hundert Jahren. München, 1932. S. 25-30.

Grönbold, Günter: Die orientalischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 68-84.

Grönbold, Günter: Knochen, Stein und Elfenbein: ungewöhnliche Textträger in Bibliotheken. In: Bibliotheksforum Bayern 14 (1986), S. 122-136.

Rebhan, Helga: Ausstellungen orientalischer und asiatischer Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Griebel, Rolf; Ceynowa, Klaus (Hrsg.): Information, Innovation, Inspiration: 450 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. München: Saur, 2008. S. 639-665.

Rebhan, Helga: Asian Manuscripts in the Bavarian State Library, Munich. In: IIAS Newsletter 46 (2008), S. 38.

Rebhan, Helga: Liebe, Götter und Dämonen: wertvolle asiatische Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 1 (2008), S. 23-27.

Rebhan, Helga: Orientalische und asiatische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Ceynowa, Klaus; Hermann, Martin (Hrsg.): Bibliotheken: Innovation aus Tradition: Rolf Griebel zum 65. Geburtstag. Berlin: De Gruyter Saur, 2014. S. 322-333. Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.1515/9783110310511 [Zugriff am 21.03.2016].

Ausstellungen

Dachs, Karl (Hrsg.): Erwerbungen aus drei Jahrzehnten: 1948 – 1978: Bayerische Staatsbibliothek: abendländische und orientalische Handschriften, Inkunabeln und seltene Drucke, Noten und Landkarten: Ausstellung April – Juli 1978. Wiesbaden: Reichert, 1978.

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Dachs, Karl (Hrsg.): Thesaurus librorum: 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek: Ausstellung München 18. August – 1. Oktober 1983 = 425 years Bavarian State Library: exhibition. Wiesbaden: Reichert, 1983.

Noichl, Elisabeth (Hrsg.): Schrift-Stücke: Informationsträger aus fünf Jahrtausenden: eine Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs: München, 19. Juli – 20. September 2000. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns; Bayerische Staatsbibliothek, 2000.

Grönbold, Günter: Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt = The words of the Buddha in the languages of the world: Tipitaka – Tripitaka – Dazangjing – Kanjur: eine Ausstellung aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek, München, 27. Januar – 20. März 2005. Mit einem Beitrag von Renate Stephan. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2005.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Liebe, Götter und Dämonen: wertvolle asiatische Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek: Ausstellung 2. – 27. Januar 2008. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2007.

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