Japanisch

Genji kokagami, reich illustriert, entstanden zwischen 1673 und 1681 | © BSB/Cod.jap. 14
Genji kokagami, reich illustriert, entstanden zwischen 1673 und 1681 | © BSB/Cod.jap. 14

Allgemeines

Die japanische Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst rund 50 000 Titel in ca. 90 000 gedruckten Bänden und 100 Handschriften. Rund 1 000 Titel datieren auf die Vor-Meiji-Zeit (d. h. sind vor 1868 entstanden), darunter eine beachtliche Anzahl wertvoller Handschriften und bibliophiler Drucke. Daneben sind an der Bayerischen Staatsbibliothek in erheblichem Umfang auch japanologische Fachpublikationen in westlichen Sprachen vorhanden. Die Erwerbung aktueller japanischer Monographien musste die Bayerische Staatsbibliothek vor einigen Jahren aufgrund sinkender Etats einstellen.

Kataloge

Seit Abschluss der Retrokonversion der japanischen Kartenkataloge im Jahr 2013 sind die japanischen Titel im OPAC der Bayerischen Staatsbibliothek in Umschrift und Originalschrift recherchierbar. Zu einigen japanischen Handschriften finden sich im OPACplus/BSB-Katalog allerdings nur sehr knappe Angaben.

OPACplus/BSB-Katalog

Weitere Informationen finden sich in einigen Fällen im handschriftlichen Repertorium.
Handschriftliches Repertorium

Darüber hinaus ist die überwiegende Mehrzahl der Vor-Meiji-Titel (sowohl Handschriften als auch Drucke) ausführlich in zwei gedruckten Katalogbänden erschlossen:

Kraft, Eva: Japanische Handschriften und traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868. Teil 2. In München: Bayerische Staatsbibliothek, Deutsches Museum, Münchner Stadtmuseum, Puppentheatermuseum, Staatliches Museum für Völkerkunde, Universitätsbibliothek. Wiesbaden, 1986. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 27,2.

Kraft, Eva: Japanische Handschriften und traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868. Teil 5. In München: Neuerwerbungen der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden, 1994. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 27,5.

Geschichte der japanischen Sammlung

Der Aufbau der Sammlung begann systematisch erst in den 1950er Jahren. Ab dieser Zeit bezog die Bayerische Staatsbibliothek japanische Neuerscheinungen und Neuauflagen klassischer Texte direkt aus Japan. Inhaltlich konzentriert sich die Sammlung auf den geisteswissenschaftlichen Sektor mit einem Schwerpunkt auf religionswissenschaftlicher und volkskundlicher Literatur.

Neben Novitäten wurden u. a. durch mehrere Sammelkäufe bis heute außerdem rund 1 000 Werke erworben, die vor bzw. in der Meiji-Zeit entstanden sind:

Aus dem Besitz des Bamberger Apothekers Josef Schedel (1856 – 1943), der von 1886 bis 1897 in Yokohama lebte, gelangten 1947 etwa 60 japanische Werke in den Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek. Dabei handelte es sich überwiegend um späte Edo- (1603 – 1868) und frühe Meiji-Drucke (1868 – 1912).

Im Jahr 1972 wurden 190 Drucke der Vor-Meiji-Zeit von einem niederländischen Antiquariat angekauft, darunter zahlreiche Früh- und Erstdrucke von einflussreichen Vertretern der philosophisch-philologischen Kokugaku-Schule, wie z. B. Hirata Atsutane oder Motōri Norinaga. Unter den Illustratoren tauchen u. a. Hokusai mit 18 Ausgaben auf, deren Druckjahr meist noch in die Edo-Zeit fällt, sowie Hiroshige mit vier Titeln.

Ab 1986 kamen weitere rund 700 Altjaponica (in ca. 2 700 Bänden) hinzu, die überwiegend aus einer exzellenten japanischen Gelehrtenbibliothek stammten. Darunter befanden sich so herausragende Stücke wie eine zwischen 729 und 767 entstandene buddhistische Sutrenhandschrift (Cod.jap. 20) oder ein Ende 16./Anfang 17. Jahrhundert entstandener Altletterndruck (kokatsujiban), der zu den frühen illustrierten japanischen Letterndrucken zählt (4 L.jap. D 127).

Das zwischen 764 und 770 in Nara entstandene sogenannte Hyakumantō darani, ein Exemplar des ältesten japanischen Drucks | © BSB/L.jap. C 591
Das zwischen 764 und 770 in Nara entstandene sogenannte Hyakumantō darani, ein Exemplar des ältesten japanischen Drucks | © BSB/L.jap. C 591

Altjaponica

Die japanische Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek enthält rund 1 000 vor 1868 erschienene Handschriften und Drucke. Darunter befindet sich eine ganze Reihe von herausragenden Objekten:

Zu nennen ist hier allen voran ein Exemplar des ältesten japanischen Drucks. Es handelt sich um das zwischen 764 und 770 in Nara entstandene sogenannte Hyakumantō darani (L.jap. C 591), eine mit einem buddhistischen, magisch-religiösen Text (Dharani) bedruckte Papierrolle, die sich in einer geschnitzten Holzpagode befindet. Die japanische Kaiserin Shotoku (748 – 769) hatte den Druck von angeblich einer Million Rollen in Auftrag gegeben, von denen sich weltweit mehrere Exemplare erhalten haben. Sie galten als die ältesten erhaltenen Drucke der Welt, bis man in einer Pagode des Bulguksa-Tempels in Gyeongju (Südkorea) einen Druck desselben Textes aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts entdeckt hat.

Die japanische Sammlung beinhaltet einen weiteren sehr frühen Druck, einen sogenannten Kasuga-Druck des Kōfukuji-Tempels von Nara von 1227. Der Druck reproduziert sehr kunstfertig eine kräftige und regelmäßige Handschrift und ist deshalb nur schwer von einer Handschrift zu unterscheiden. Es handelt sich dabei wie bei allen frühen japanischen Drucken um einen buddhistischen Text, um ein Kapitel aus dem Prajñāpāramitā-Sutra (Cod.jap. 10).

Unter den frühen japanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek ragen mehrere Stücke heraus, u. a. eine buddhistische Sutrenhandschrift von 763 (Cod.jap. 20), eine prachtvolle Sutrenrolle von ca. 1150 – 1172 mit Goldschrift auf dunkelblauem Papier (Cod.jap. 13) oder zwei Sutrenrollen zur Ikonographie des Shingon-Buddhismus von ca. 1350 (Cod.jap. 12, Cod.jap. 15).

Prachtvolle Sutrenrolle von ca. 1150 – 1172 mit Goldschrift auf dunkelblauem Papier | © BSB/Cod.jap. 13
Prachtvolle Sutrenrolle von ca. 1150 – 1172 mit Goldschrift auf dunkelblauem Papier | © BSB/Cod.jap. 13
Genji kokagami, reich illustriert, entstanden zwischen 1673 und 1681 | © BSB/Cod.jap. 14
Genji kokagami, reich illustriert, entstanden zwischen 1673 und 1681 | © BSB/Cod.jap. 14
Um 1615 als Hochzeitsgeschenk für ein Mitglied der Tokugawa-Familie entstandene Prachthandschrift des Genji monogatari | © BSB/Cod.jap. 18
Um 1615 als Hochzeitsgeschenk für ein Mitglied der Tokugawa-Familie entstandene Prachthandschrift des Genji monogatari | © BSB/Cod.jap. 18
 

Ein besonderes Juwel ist die um 1615 als Hochzeitsgeschenk für ein Mitglied der Tokugawa-Familie entstandene Prachthandschrift des Genji monogatari (Cod.jap. 18). Die dunkelblauen Umschläge zeigen Szenen aus diesem berühmten Roman in Gold und Silber, der Text ist in eleganter Kalligraphie ausgeführt. Auch das zwischen 1673 und 1681 entstandene, reich illustrierte Genji kokagami, eine Kurzfassung des Genji monogatari, ist kunstvoll und sorgfältig ausgeführt (Cod.jap. 14).

Genji monogatari, 1615  (Cod.jap. 18)
Genji kokagami, 1673 – 1681  (Cod.jap. 14)

Weitere Besonderheiten sind u. a. ein Gozan-Druck (Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert, 4 L.jap. D 72), fünfzehn Altletterndrucke (u. a. 4 L.jap. E 52, 4 L.jap. C 54, 4 L.jap. I 23), darunter ein Saga-Druck von 1615 (L.jap. I 369), ein Jesuitendruck (kirishitanban) von 1599, gedruckt von kursiven sōsho-Lettern (Cod.jap. 5) oder eine 1671 gedruckte Weltkarte (Cod.jap. 4). Besondere Erwähnung verdienen darüber hinaus 44 reich und kunstvoll bebilderte Malerbücher der Edo-Zeit (1603 – 1868), die Gemälde berühmter Künstler in virtuosen Farbholzschnitten wiedergeben.

Shūeki dengi, 1625, Altletterndruck  (4 L.jap. C 54)
Tenshō-ki, 1610, Altletterndruck  (4 L.jap. I 23)
Bankoku sōzu (gedruckte Weltkarte), 1671  (Cod.jap. 4)

Die altjapanische Sammlung zeichnet sich nicht nur durch herausragende Einzelstücke, sondern auch durch ihre Ausgewogenheit aus. Sie bietet einen repräsentativen Querschnitt durch die edozeitliche Buchproduktion, die durch eine große inhaltliche Vielfalt gekennzeichnet und – im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten – auch sogenannte Volks- oder Gebrauchsliteratur umfasst, darunter Romane, Haiku-, Kanshi- und Waka-Sammlungen, Theaterstücke, Medizinhandbücher, Reiseführer oder Alltagsenzyklopädien. Exemplarisch genannt sei ein früher ukiyozōshi-Band von 1688 mit dem Titel „Nippon eitaigura“ (L.jap. I 335), Hokusais meisterhaft illustriertes „Yama mata yama“ (4 L.jap. K 255) oder der älteste Stadtatlas von Edo in zwei handkolorierten Bänden (4 L.jap. D 129).

Nippon eitaigura, 1688  (L.jap. I 335)
Yama mata yama, 1804  (4 L.jap. K 255)
Edo hōgaku anken zunkan (Stadtatlas von Edo), 1680  (4 L.jap. D 129)

Literatur

Dufey, Alfons: Die Japansammlung der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bonner Zeitschrift für Japanologie 3 (1981), S. 121-129.

Dufey, Alfons: Recent acquisitions of Japanese rare books in the Bayerische Staatsbibliothek. In: British Library occasional papers. London, 1990. S. 170-178.

Dufey, Alfons: Die ostasiatischen Altbestände der Bayerischen Staatsbibliothek. München, 1991.

Grönbold, Günter: Die orientalischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 68-84.

Kraft, Eva: Japanische Handschriften und traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868. Teil 2. In München: Bayerische Staatsbibliothek, Deutsches Museum, Münchner Stadtmuseum, Puppentheatermuseum, Staatliches Museum für Völkerkunde, Universitätsbibliothek. Wiesbaden, 1986. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 27,2.

Kraft, Eva: Japanische Handschriften und traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868. Teil 5. In München: Neuerwerbungen der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden, 1994. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 27,5

Meier, Franz Joseph: Aus der Geschichte der Asia-maior-Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek und ihrer Bearbeitung. In: Orientalisches aus Münchner Bibliotheken und Sammlungen. Wiesbaden, 1957. S. 39-59.

Rebhan, Helga: Ausstellungen orientalischer und asiatischer Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Griebel, Rolf; Ceynowa, Klaus (Hrsg.): Information, Innovation, Inspiration: 450 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. München: Saur, 2008. S. 639-665.

Rebhan, Helga: Orientalische und asiatische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Ceynowa, Klaus; Hermann, Martin (Hrsg.): Bibliotheken: Innovation aus Tradition: Rolf Griebel zum 65. Geburtstag. Berlin: De Gruyter Saur, 2014. S. 322-333. Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.1515/9783110310511 [Zugriff am 21.03.2016].

Streb, Inga: Die Geschichte vom Prinzen Genji: eine Prachtausgabe des Genji monogatari in der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Asia Intercultura Magazin 2 (2008), S. 8-14.

Tabery, Thomas; Holbach, Werner: Die Retrokonversion der Ostasienkataloge der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 59 (2012) 1, S. 12-19.

Walravens, Hartmut: „Josef Schedel, ein deutscher Apotheker und Sammler in Ostasien (1856-1943)“. In: Oriens Extremus 19 (1972), S. 223-230.

Ausstellungen

Dachs, Karl (Hrsg.): Erwerbungen aus drei Jahrzehnten: 1948 – 1978: Bayerische Staatsbibliothek: abendländische und orientalische Handschriften, Inkunabeln und seltene Drucke, Noten und Landkarten: Ausstellung April – Juli 1978. Wiesbaden: Reichert, 1978.

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Dachs, Karl (Hrsg.): Thesaurus librorum: 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek: Ausstellung München 18. August – 1. Oktober 1983 = 425 years Bavarian State Library: exhibition. Wiesbaden: Reichert, 1983.

Dufey, Alfons (Hrsg.): Kalligraphische japanische Werke der Bayerischen Staatsbibliothek: Ausstellung München 12. September bis 28. Oktober 1988. München: Bayerische Staatsbibliothek, 1988.

Dufey, Alfons; Hayashi, Kimiko; Laube, Johannes (Hrsg.): Alltag in Japan: Sehenswürdigkeiten der Edo-Zeit: Katalog zur Ausstellung Japanischer Holzdrucke des 17. bis 19. Jahrhunderts in der Bayerischen Staatsbibliothek München, 10. Oktober – 16. November 1995. Wiesbaden: Harrassowitz, 1995.

Grönbold, Günter: Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt = The words of the Buddha in the languages of the world: Tipitaka – Tripitaka – Dazangjing – Kanjur: eine Ausstellung aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek, München, 27. Januar – 20. März 2005. Mit einem Beitrag von Renate Stephan. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2005.

Noichl, Elisabeth (Hrsg.): Schrift-Stücke: Informationsträger aus fünf Jahrtausenden: eine Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs: München, 19. Juli – 20. September 2000. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns; Bayerische Staatsbibliothek, 2000.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Liebe, Götter und Dämonen: wertvolle asiatische Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek: Ausstellung 2. – 27. Januar 2008. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2007.

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