Wilhelm Olschewski

Rosa Luxemburg: Koalitionspolitik oder Klassenkampf? (Titelblatt) | © BSB
Rosa Luxemburg: Koalitionspolitik oder Klassenkampf? (Titelblatt) | © BSB
Detail: Besitzstempel „Wilh. Olschewski“ | © BSB
Detail: Besitzstempel „Wilh. Olschewski“ | © BSB

In der 1922 in Berlin erschienenen Ausgabe von Rosa Luxemburgs „Koalitionspolitik oder Klassenkampf?“ fand sich der Besitzstempel Wilh. Olschewski. Er weist auf zwei Münchner Widerstandskämpfer hin, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Besitzstempel Wilh. Olschewski  (Digitale Version)

Wilhelm Olschewski sen. wurde 1871 geboren, er war von Beruf Kaufmann und Offizier im Ersten Weltkrieg. 1918 nahm er an der Novemberrevolution teil, dafür wurde er ein Jahr später zu sieben Jahren Festungshaft verurteilt. 1924 vorzeitig entlassen, trat Olschewski in die KPD ein, deren Führung ihn jedoch 1929 wegen nicht parteikonformer Einstellung ausschloss. Er näherte sich daraufhin dem nicht parteimäßig organisierten Kreis um Beppo Römer und dessen Zeitschrift „Der Aufbruch“ an.

Bereits am 7. März 1933 wurde Olschewski für drei Monate in „Schutzhaft“ genommen. Auch sein Sohn Wilhelm Olschewski jun. (*1902) kam aufgrund seiner KPD-Mitgliedschaft von Juni bis Oktober 1933 in „Schutzhaft“. 1939 wurde Wilhelm Olschewski sen. im Widerstand aktiv. Gemeinsam mit seinem Sohn sammelte er einen Kreis von kommunistischen Gegnern der Nationalsozialisten um sich, die sogenannte Hartwimmer-Olschewski-Gruppe. Sie wurde jedoch von der Gestapo infiltriert. Im Februar und März 1942 wurden mindestens 43 Personen – darunter Vater und Sohn Olschewski – festgenommen. Wilhelm Olschewski sen. wurde noch in der Untersuchungshaft im Münchner Gefängnis Stadelheim am 30. April 1943 ermordet. Seinen Sohn verurteilte der Volksgerichtshof in Berlin im Jahr darauf zum Tod, das Urteil wurde am 28. Juni 1944 vollzogen. Auch gegen die übrigen Mitglieder der Gruppe gingen die Nationalsozialisten äußerst hart und grausam vor.

Das Buch ist wohl 1942 konfisziert worden. Nach Kriegsende stellte es die amerikanische Militärregierung dem neu gegründeten „Radio München“ zur Verfügung. Dessen Bestände gingen 1949 teilweise als Schenkung an die Bayerische Staatsbibliothek.

Radio München  (Eintrag im Historischen Lexikon Bayerns)

Der am 4. Juli 2017 restituierte Titel ist digitalisiert und wird, ergänzt um Angaben zur Provenienz, weiter im OPACplus/BSB-Katalog angezeigt.

Rosa Luxemburgs: Koalitionspolitik oder Klassenkampf?  (Anzeige im OPACplus/BSB-Katalog)
Rosa Luxemburgs: Koalitionspolitik oder Klassenkampf?  (Digitale Version)

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