Pontifikale von Płock

Restitution am 15. April 2015 im polnischen Außenministerium | © Dr. Ludwig Unger/Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
Restitution am 15. April 2015 im polnischen Außenministerium: [v. l. n. r.] Piotr Libera (Bischof von Płock), Grzegorz Schetyna (polnischer Minister für Auswärtige Angelegenheiten), Dr. Klaus Ceynowa (Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek) und Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle | © Dr. Ludwig Unger/Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Im April 2015 restituierte die Bayerische Staatsbibliothek das sogenannte „Płocker Pontifikale“, eine mittelalterliche Pergamenthandschrift, an das etwa 100 Kilometer nordwestlich von Warschau gelegene Bistum Płock.

1973 hatte die Bayerische Staatsbibliothek die stark beschädigte Pergamenthandschrift mit falscher Provenienz und irriger Bezeichnung für 6.200 DM von einem Westberliner Antiquariat erworben. Dorthin war sie über das Zentralantiquariat der DDR gelangt. Die große Bedeutung und der wahre Ursprung der liturgischen Handschrift kamen erst in den Jahren nach dem Ankauf durch die Restaurierung am Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek und der näheren wissenschaftlichen Untersuchung des Objekts zutage. Es zeigte sich, dass die Handschrift wohl Mitte des 12. Jahrhunderts in Polen verfasst worden war. Bei ihr handelte es sich um das „Pontfikale von Płock“, das ursprünglich für die Erzdiözese Gnesen geschaffen und um 1250 an das Bistum Płock abgegeben worden war. Im Jahr 1941 wurde das Pontifikale zusammen mit der Bibliothek des Płocker Priesterseminars von den Nationalsozialisten geraubt und offenbar der Staats-und Universitätsbibliothek Königsberg übergeben.

Die wertvolle Handschrift beinhaltet die Sammlung jener liturgischen Handlungen, die ausschließlich dem Bischoff vorbehalten sind. Zudem gilt es bis heute als das einzig vollständige Pontifikale, das für zahlreiche der in ihm beschriebenen Handlungen und Riten, wie beispielsweise der österlichen Liturgie, den ersten Beleg auf polnischem Boden bringt. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Dokumente der frühen polnischen Kirchengeschichte.

Restitution am 15. April 2015 im polnischen Außenministerium: [v. l. n. r.] Piotr Libera und Dr. Klaus Ceynowa | © Dr. Ludwig Unger/Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
Restitution am 15. April 2015 im polnischen Außenministerium: [v. l. n. r.] Piotr Libera und Dr. Klaus Ceynowa | © Dr. Ludwig Unger/Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Frühere Bemühungen der polnischen Kirche um eine Restitution des Pontifkale waren zunächst ohne Erfolg geblieben, auch weil das Manuskript Teil der auf verschiedenen Ebenen geführten, deutsch-polnischen Verhandlungen zur Restitutionsfrage gewesen war. Bei der Rückgabe stützte sich die Bayerische Staatsbibliothek auf das Washingtoner Abkommen von 1998 und versuchte, in diesem Sinne eine „gerechte und faire Lösung“ herbeizuführen. Auch vor dem Hintergrund der enormen Bedeutung des Manuskripts für die polnische Kirche fiel die Entscheidung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst gemeinsam mit der Bayerischen Staatsbibliothek, das Pontifikale seinem rechtmäßigen Besitzer, der Płocker Diözese, zurückzugeben. Am 15. April 2015 erfolgte die feierliche Restitution der Handschrift im polnischen Außenministerium. Vertreten waren von polnischer Seite der Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Grzegorz Schetyna, und der Bischof von Płock, Piotr Libera, von deutscher Seite der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Rolf Nikel, Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle und der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, Dr. Klaus Ceynowa.

Das Pontifikale von Płock ist von der Bayerischen Staatsbibliothek vollständig digitalisiert und in ihren digitalen Sammlungen abrufbar.

Pontifikale von Płock in den Digitalen Sammlungen

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