Systematische Sichtung NS-raubgutverdächtiger Zugänge nach 1945

FörderungDeutsches Zentrum Kulturgutverluste
Projektdauer01.08.2016 – 31.07.2018
Kontaktadressens-raubgut@bsb-muenchen.de
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Logo


Seit 2003 sucht die Bayerische Staatsbibliothek in ihren Beständen systematisch nach NS-Raubgut. Bis 2016 ermittelte und restituierte das Projektteam Bücher und Handschriften, die zwischen 1933 und 1945 von ihren Eigentümern unter Druck verkauft oder von NS-Organisationen wie der Geheimen Staatspolizei beschlagnahmt und weiterverteilt wurden.

Weiterführende Informationen zur NS-Raubgutforschung an der Bayerischen Staatsbibliothek

HJ-Angehörige bei der Abschlussprüfung an der Adolf-Hitler-Schule, Ordensburg Sonthofen, am 23. März 1942 | © BSB/Bildarchiv
HJ-Angehörige bei der Abschlussprüfung an der Adolf-Hitler-Schule, Ordensburg Sonthofen, am 23. März 1942 | © BSB/Bildarchiv
Die NS-Ordensburg Sonthofen auf einer Fotografie von 1940 | © BSB/Bildarchiv
Die NS-Ordensburg Sonthofen auf einer Fotografie von 1940 | © BSB/Bildarchiv

Bestand „Sonthofen“

In einem Nachfolgeprojekt widmet sich die NS-Raubgutforschung der Bayerischen Staatsbibliothek seit August 2016 nun den Zugängen nach 1945. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem größten raubgutverdächtigen Nachkriegsbestand der Bayerischen Staatsbibliothek: dem sogenannten Bestand „Sonthofen“. Dabei handelt es sich um die ca. 40 000 Titel umfassende Bibliothek der ehemaligen NS-Ordensburg Sonthofen sowie um weitere kriegsbedingt dorthin ausgelagerte Bestände anderer NS-Institutionen. Nach 1945 wurde diese Sammlung von den US-Behörden übernommen und 1948 an die Bayerische Staatsbibliothek übergeben. Die Titel wurden sukzessive in den Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek eingearbeitet und können im Projekt mittels handschriftlicher Listen lediglich einzeln recherchiert und anschließend einer Autopsie unterzogen werden. Die Sammlung „Sonthofen“ umfasst hauptsächlich zeitgenössische Lehr- und Sachbücher aber auch ausländische Literatur, politische und religiöse Schriften sowie einige seltene kunsthistorische Werke.

Stichprobe ergibt Raubgutanteil von rund 1,7 %

In einer vorab durchgeführten Stichprobe in 2 000 Titeln konnten innerhalb des Sonthofen-Bestands Buchbestände mehrerer Adolf-Hitler-Schulen, der „Akademie für Deutsches Recht“ in München sowie des SS-Ahnenerbes identifiziert werden. Zudem lässt sich auch die Auslagerung privater Bibliotheken nach Sonthofen nachweisen.

Die Stichprobe ergab, dass der Anteil an Raubgut im Bestand „Sonthofen“ mit rund 1,7 % des Gesamtbestands (16 von 961 Titeln) ähnlich hoch ist wie bei den Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1945.

Erforschung der Nachkriegsbestände ist Grundlagenarbeit

Aufgrund der Stichprobe kann sicher davon ausgegangen werden, dass der Bestand „Sonthofen“ weitere Fälle von NS-Raubgut enthält. Nun ist eine systematische Durchsicht des Bestands notwendig. Damit leistet die Bayerische Staatsbibliothek Grundlagenarbeit in der Raubgutforschung: Zu den nach Kriegsende von den US-Amerikanern übernommenen Bibliotheken aus NS-Institutionen ist bisher kaum geforscht worden. Das Projekt ist auch deshalb relevant, weil Bücher dieser Provenienz sich auch in anderen deutschen und ausländischen Bibliotheken befinden.

Ausführliche Informationen zur NS-Raubgutforschung an der Bayerischen Staatsbibliothek finden Sie unter:

http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/ns-raubgut

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