Erschließung und Digitalisierung von Einbänden als eigenständige Kunstobjekte

FörderungDeutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektdauer01.11.2014 – 31.10.2017
KontaktadressenProjektleitung und Projektkoordination:
Dr. Carolin Schreiber
carolin.schreiber@bsb-muenchen.de
Dr. Antonie Magen
antonie.magen@bsb-muenchen.de

Kunsthistorische Beschreibung westlicher Prachteinbände:
Dr. Karl-Georg Pfändtner
pfaendtner@bsb-muenchen.de

Kunsthistorische Beschreibung asiatischer Prachteinbände:
Samyo Rode
samyo.rode@bsb-muenchen.de

Einbände als plastische Kunstobjekte nehmen eine Sonderstellung zwischen den textorientierten Sammlungen der Bibliotheken und den objektbezogenen historischen Kunstsammlungen ein.  Im Rahmen des DFG-Projekts „Erschließung und Digitalisierung von Prachteinbänden als eigenständige Kunstobjekte“ werden anhand eines Corpus von circa 60 westlichen Metalleinbänden des Mittelalters und der Neuzeit sowie von circa 100 tibetischen Buchdeckeln aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek modellhaft modulare Standards der Beschreibung dieser eigenständigen Kunstobjekte entwickelt. Begleitend werden die Objekte in einem kamerabasierten Workflow unter Einbeziehung der Ergebnisse der Erschließung digitalisiert.

Tibetischer Buchdeckel | © BSB/Cod.tibet. 1005
Tibetischer Buchdeckel | © BSB/Cod.tibet. 1005

Tibetische Buchdeckel

Für Handschriften bedeutender religiöser Texte des Buddhismus wurde in Tibet und anderen Regionen Zentral- und Südasiens der Buchblock im Querformat (z. T. auf dem Beschreibstoff Birkenrinde oder Palmblatt) in ein Tuch gewickelt, zwischen Deckel gelegt und mit einem Gurt umwunden. Aus Respekt vor den heiligen Inhalten der Schriften wurden die Buchdeckel vielfach verziert. Auch zu zeremoniellen Anlässen wurden kunstvoll aus Holz geschnitzte oder in Kupferblech getriebene, teils vergoldete oder bemalte Einbände gefertigt, die im kulturellen und künstlerischen Erbe Tibets nahezu den gleichen Rang wie Thangkas (bemalte Rollbilder) oder Skulpturen einnehmen. Viele Deckel sind ohne die zugehörige Handschrift überliefert und werden so von Bibliotheken und Museen gesammelt. Auch lässt der Abnutzungsgrad mancher plastischer Elemente darauf schließen, dass die Buchdeckel selbst zum Kultobjekt wurden.

Während etwa die Hälfte des Bestands der Bayerischen Staatsbibliothek in Ausstellungskatalogen beschrieben wurde, sind die übrigen Deckel – abgesehen von Kurzeinträgen im Reper­torium der Codices orientales der Bayerischen Staatsbibliothek –  bis dato weder formal noch inhaltlich erschlossen worden. Ein geeigneter Erschließungsstandard, der in besonderem Maße auch der Ikonographie der tibetischen Buchdeckel Rechnung trägt, ist daher ebenso dringendes Desiderat wie überregionale spezialisierte digitale Nachweis- und Präsentationssysteme für diesen Objekttyp.

Übersicht der bereits fertiggstellten Objekte in den Digitalen Sammlungen

Reichenauer Evangeliar (Ausschnitt) | © BSB/Clm 4454
Reichenauer Evangeliar (Ausschnitt) | © BSB/Clm 4454

Westliche Prachteinbände in Gold- und Silberschmiedetechnik

Im Bereich der westlichen Prachteinbände weisen vor allem mit Edelsteinen, Gemmen, Perlen, Elfenbein oder Email auf getriebenem Gold oder Silber prachtvoll gestaltete Goldschmiedeeinbände Beziehungen zum klassischen Sammlungsgut der Museen auf. Sie zieren oftmals liturgische Handschriften und zählen zu den Spitzenstücken der plastischen Kunst der Zeit. Eine Besonderheit dieser Kunstgattung und eine Herausforderung für deren Beschreibung ist die Einbeziehung anderer und teils deutlich älterer Kunstobjekte als Spolien, die aus dem ursprünglichen Zusammenhang entnommen, teilweise zerlegt und in den neu gestalteten Buchdeckel prominent eingearbeitet wurden. Zudem wurden an den Objekten im Laufe der Zeit immer wieder massive Eingriffe vorgenommen, die zum Teil als restauratorische Maßnahmen verstanden wurden. Diese Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte gilt es, ebenfalls adäquat zu dokumentieren.

Übersicht der bereits fertiggstellten Objekte in den Digitalen Sammlungen

Projektpublikationen

Pfändtner, Karl-Georg; Schreiber, Carolin: Das DFG-Projekt „Erschließung und Digitalisierung von Prachteinbänden als eigenständige Kunstobjekte an der BSB München“ – ein Zwischenbericht. In: Einbandforschung 39 (2016), 6–24.

Pfändtner, Karl-Georg: Neue Erkenntnisse zum Einband des Evangeliars Otto III. In: Codices Manuscripti & Impressi 105 (2016), 1–8.

Allscher, Thorsten: Mikroskopische und spektroskopische Untersuchungen der Prachteinbände von mittelalterlichen Evangelienbüchern aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek. Vortrag Archäometrie und Denkmalpflege 2016, Jahrestagung an der Georg-August-Universität Göttingen 28. September – 01. Oktober 2016. In: Metalla, Sonderheft 8 (2016), 61–63.

Mindermann, Simon; Allscher, Thorsten: An investigation of the Tibetan book covers from the collections of the Bayerische Staatsbibliothek Munich by FTIR and Raman spectroscopy. 11th Infrared and Raman Users Group Conference, 05. – 07. November 2014, Museum of Fine Arts, Boston.

Schreiber, Carolin: Beschreibungsstandards für Prachteinbände – Bericht aus einem DFG-Projekt. Vortrag eingereicht zum 106. Deutschen Bibliothekartag (30. Mai – 02. Juni 2017).

Allscher, Thorsten: Extreme Close-up: Neuer Blick auf Prachteinbände: Materialwissenschaft und Kunsttechnologie an der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bayerische Staatszeitung: (2017-01-20)

Workshops

  • Fachgespräch zum Teilprojekt „Tibetische Buchdeckel“ im Rahmen des DFG-Projekts „Erschließung und Digitalisierung von Prachteinbänden als eigenständige Kunstobjekte“, 10. Juni 2016, Bayerische Staatsbibliothek.
    Programm des Fachgesprächs am 10. Juni 2016  (PDF, 375 KB)
  • Fachgespräch zum Teilprojekt „Westliche Prachteinbände“ im Rahmen des DFG-Projekts „Erschließung und Digitalisierung von Prachteinbänden als eigenständige Kunstobjekte“, 25. November 2016, Bayerische Staatsbibliothek.
    Programm des Fachgesprächs am 25. November 2016  (PDF, 91 KB)
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