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Libri selecti: Künstlerbücher
Kasimir Malewitsch L.sel. III 26
Libri selecti: Malerbücher, Pressendrucke und Künstlerpublikationen
 
Das Sammeln von Malerbüchern und Pressendrucken steht in der unmittelbaren bibliophilen Tradition der Münchner Hofbibliothek. Seit ihrer Gründung 1558 haben die Wittelsbacher neben prachtvoll illuminierten Handschriften reich illustrierte gedruckte Bücher gesammelt.
 
Die seit 1997 von Dr. Béatrice Hernad betreute Sammlung ist heute sehr breit gefächert. Sie hat den enzyklopädischen Anspruch der Gründungszeit der Bibliothek behalten: Gesammelt werden von Künstlern und Graphikern illustrierte Bücher, darunter Malerbücher, Pressendrucke und Künstlerpublikationen – Künstlerbücher, Künstlerzeitschriften, Künstlerzeitungen, Auflagenobjekte, Multiples, Foto-Editionen, Grafiken, Grafische Arbeiten, Ephemera, Künstlerschallplatten, Audio-Kassetten, CDs, Film-/Video-Editionen, Multimedia-Editionen, bis hin zu Zines (oder Graphzines) – und dies so international wie möglich. Die ganze Vielfalt der zeitgenössischen Kunst bis zum heutigen Jahr wird anhand dieser Werke dokumentiert.
 
Gruppiert sind sie in der Regel im Fach Libri selecti (L.sel.), in den Signaturengruppen L.sel. I und L.sel. III (für die besonders wertvollen Stücke). Als Teile des musealen Bestands der Bibliothek werden die Libri selecti in den Magazinen der Handschriftenabteilung aufbewahrt. Die Sammlung zählte im April 2013 insgesamt 11 341 im Katalog nachgewiesene Titel, davon 790 L.sel. III. Die Anzahl der Bände ist wesentlich höher, da Zeitschriften, Serien und mehrbändige Werke als ein Titel gelten. Zusammen mit den Werken, die unter anderen Signaturengruppen zu finden sind, sind es mindestens etwa 13 000 Titel.
 
Aus verschiedenen Gründen finden sich Malerbücher, Pressendrucke und Künstlerpublikationen im Bestand der Bibliothek auch in anderen Signaturengruppen, z.B. Chalcographa, Rariora, in der Reserve, sogar unter Remota.
 
Geschichte der Sammlung
 
Die Sammlung wurde in drei Etappen aufgebaut. 1915 wurde das Fach Libri selecti neu geschaffen als Antwort auf die Erneuerung der Buchkunst in England im späten 19. Jahrhundert. Es zerfiel in die Abteilungen L.sel. I für Werke mit bedeutsamer Ausstattung und L.sel. II für Bücher mit besonders bemerkenswerten Einbänden. 1923 kam L.sel. III hinzu für maschinengeschriebene vervielfältigte Werke in kleiner Auflage (eine Folge der wirtschaftlichen Krise). Zahlreiche, schon vorhandene Bücher wurden damals umsigniert und kamen zu L.sel. I. Erworben wurden überwiegend deutsche Titel, vor allem die Ausgaben der Münchner Luxuspressen.
 
Die Sammlung erlitt schwere Verluste am Ende des 2. Weltkrieges. Im Herbst 1943 wurden die Libri Selecti in das neue Schloss des Fürsten Thurn und Taxis in Garatshausen am Starnberger See evakuiert. Bis Mai 1945 waren die Bestände unversehrt geblieben. Dann wurden sie systematisch geplündert. Weit über ein Drittel der Werke verschwand. Zahlreiche gerettete Bücher waren durch Herausreißen von Bildtafeln, Blättern usw. beschädigt, nur ein verhältnismäßig geringer Teil konnte heil in die Bibliothek wieder zurückkehren.
 
Der große Neuanfang fand 1958 statt. Anlässlich des 400jährigen Jubiläums der Bibliothek gelang es dem Generaldirektor Dr. Gustav Hofmann eine große Summe zum Aufbau der Sammlung von bayerischen Industriellen zu erhalten. Bis 1962 kamen weitere Gelder sowie einige große Werke hinzu. Die Fächer Libri selecti II und III wurden aufgelöst. L.sel. II wurde aufgegeben, L.sel. III wurde kurz darauf mit den teuren Malerbüchern belegt. Mit der Erwerbung wurde damals der Direktor des bayerischen Zentralkataloges, Dr. Eberhard Semrau, betraut. Zu den Schwerpunkten gehörten unter anderem deutsche Pressendrucke und Werke des Expressionismus, sowie die großen französischen Malerbücher.
 
Die nächste wichtige Periode begann 1972. Es handelt sich dabei um einen regelrechten Wendepunkt in der Geschichte der Sammlung. Die Bestände der Sammlung wurden in die Handschriftenabteilung integriert, Dr. Karl Dachs und Dr. Elmar Hertrich übernahmen die Fortführung. Bis Mitte der 1990er Jahre haben sie die Sammlung in jede erdenkliche Richtung systematisch weiter aufgebaut und ihre heutige Erscheinung stark geprägt. Besonders wichtig war die Erweiterung auf die im Kontext der zeitgenössischen Kunst in der 1950er/60er entstandenen Künstlerpublikationen.
 
Folgende Künstler sind z.B. in der Sammlung vertreten:
 
A wie
 
Marina Abramovic
 
B wie
 
John Baldessari, Georg Baselitz, Max Beckmann, Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Georges Braque, George Brecht, André Breton
 
C wie
 
Sophie Calle, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Chuck Close
 
D wie
 
Salvador Dali, Hanne Darboven, Tacita Dean, Jean Dubuffet, Marcel Duchamp, Jimmie Durham
 
E wie
 
Henriette van Egten, Max Ernst
 
F wie
 
Robert Filliou, Ian Hamilton Finlay, Sam Francis, Hamish Fulton
 
G wie
 
Isa Genzken, Paul-Armand Gette, Alberto Giacometti
 
H wie
 
Keith Haring, Helen Mayer Harrison und Newton Harrison, Arturo Herrera, David Hockney, Rebecca Horn
 
I wie
 
Dorothy Iannone, Iliazd (Ilia Zdanevitch)
 
J wie
 
Ann Veronica Jannssens, Jasper Johns, Asger Jorn
 
K wie
 
Wassily Kandinsky, Anish Kapoor, Mike Kelley, Ernst-Ludwig Kirchner, Anselm Kiefer, Alison Knowles, Oskar Kokoschka, Jannis Kounellis
 
L wie
 
Jean Le Gac, Fernand Léger, El Lissitzky, Richard Long, Markus Lüpertz
 
M wie
 
George Maciunas, René Magritte, Kasimir Malewitsch, Henri Matisse, Josiah McElheny, Annette Messager, Joan Miró, Robert Motherwell, Dave Muller, Matt Mullican
 
N wie
 
Hermann Nitsch
 
O wie
 
Yoko Ono, Gabriel Orozca
 
P wie
 
Pablo Palazuelo, Eduardo Paolozzi, Carlos Pazos, A.R. Penck, Giuseppe Penone, Raymond Pettibon, Pablo Picasso
 
R wie
 
Robert Rauschenberg, Man Ray, Gerhard Richter, Pipilotti Rist, Dieter Rot
 
S wie
 
Juliao Sarmento, Tomas Schmit, Thomas Schütte, Kurt Schwitters, Jimmy Shaw, Daniel Spoerri, Kiki Smith, Hiroshi Sugimoto
 
T wie
 
Antoni Tàpies, Roland Topor
 
V wie
 
Ben Vautier, Jan Voss, Wolf Vostell, Herman de Vries
 
W wie
 
Andy Warhol, Lawrence Weiner
 
Ausstellungskataloge
 
Béatrice Hernad und Karin von Maur, Papiergesänge. Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert, Künstlerbücher, Malerbücher und Pressendrucke aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek München. Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskataloge 60. München 1992
 
John E. Bowlt und Béatrice Hernad, Aus vollem Halse. Russische Buchillustration und Typographie 1900 – 1930 aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek München. Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskataloge 61. München 1993
 
Links
 
Münchner Sammlung
 
 
Nachweis
 
Alle Werke sind über den  allgemeinen Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek recherchierbar. Bei zu vielen Treffern empfiehlt sich eine Einschränkung der Suche mit: "*L.sel.*"