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Virtuelle Ausstellung: Konstruierte Sprachen
Konstruierte Sprachen
Weltweit werden Tausende verschiedene sog. hereditäre Sprachen gesprochen. Die Schätzungen schwanken zwischen 3.000 und 10.000 je nachdem, wie Sprache definiert wird. Angesichts dieser Sprachenvielfalt scheint es erstaunlich, dass über die Jahrhunderte hinweg immer auch neue Sprachen bewusst und planmäßig erfunden wurden. Dabei ist zwischen sakralen und profanen zu unterscheiden.
Von Hildegard von Bingen (1089–1179) etwa ist eine Sprache überliefert, die vermutlich für das Gespräch mit Gott intendiert war.


Die Litterae ignotae [unbekannten Buchstaben] der Hildegard von Bingen.
Aus dem Riesencodex (um 1175/1190), Bl./Fol. 464 v°.
Hessische Landesbibliothek Wiesbaden


Bei den profanen Sprachen dienen einige der sozialen Kommunikation, andere haben spielerischen oder expressiven Charakter. Das „Klingonische“ aus dem „Star Trek“-Zyklus zum Beispiel sollte die narrative Authentizität der Science-Fiction-Welt dieser Filmserie erhöhen.


Ein wesentliches Motiv für die Neukonstruktion einer Sprache war häufig das Anliegen, die weltweite Kommunikation mit einer einzigen für alle zu lernenden Fremdsprache zu vereinfachen. Dieses Anliegen tritt besonders in solchen historischen Momenten in den Vordergrund, in denen sich der internationale Austausch intensiviert, da dann die Sprachenvielfalt als Hemmnis für eine rasche und einfache Verständigung empfunden wird. In der Sprachwissenschaft werden Sprachen dieser Art heute als „Plansprachen“ bezeichnet.


Die Ausstellung zeigt einleitend exemplarisch zwei gegensätzliche Versuche aus dem 17. Jahrhundert, das Problem der internationalen Verständigung effizient zu lösen.


Aktuelle Anlässe für die Ausstellung sind das 125-jährige Bestehen der Plansprache Esperanto sowie der 100. Todestag von Johann Martin Schleyer (1831–1912), der die Plansprache Volapük erfunden hat. Auf diesen beiden Sprachen und ihren jeweiligen soziohistorischen Kontexten liegt denn auch der thematische Schwerpunkt der Ausstellung.