Über die Sammlung

Musiksammlung | © BSB/H.-R. Schulz
Musiksammlung | © BSB/H.-R. Schulz

Überblick

Die Musiksammlung zählt hinsichtlich des Umfangs und der Qualität ihrer historischen Bestände sowie des traditionell breiten Erwerbungsprofils zu den international führenden Musikbibliotheken. In ihren Magazinen befinden sich gegenwärtig rund 455 000 Notendrucke, 72 000 Musikhandschriften, 330 Nachlässe, 93 000 Musik-Tonträger und 164 000 Musikbücher und Musikzeitschriften.

Bestandsgeschichte

Musikalien der Hofbibliothek und der Bayerischen Hofkapelle

Die historischen Grundbestände der Musikabteilung gehen zurück auf die Musikalien der Hofbibliothek und der Bayerischen Hofkapelle, die im 16. Jahrhundert europäischen Rang besaß. Es ist sehr ungewöhnlich, dass die bayerischen Herzöge schon damals gezielt musikalische Quellen für ihre Hofbibliothek sammelten, unabhängig vom Aufführungsmaterial, das die Hofkapelle benötigte. Auf diese Weise wurden die Grundlagen dafür geschaffen, dass die Bayerische Staatsbibliothek heute überaus reiche Bestände aus dem 16. Jahrhundert besitzt (z. B. mehr als 1 400 Notendrucke).

Im 17. und 18. Jahrhundert wuchsen die Musikalien der Hofkapelle jedoch wesentlich stärker als diejenigen der Hofbibliothek. Kern dieser Kapellbestände sind die insgesamt 75 erhaltenen Chorbuch-Manuskripte im Folio-Format: eine im In- und Ausland einzigartige Sammlung, die 1523 unter Ludwig Senfl begonnen wurde und unter Orlando di Lasso ihren Gipfel erreichte. Hiervon zu unterscheiden sind die kostbaren Handschriften, die zum persönlichen Besitz der bayerischen Herzöge und Kurfürsten gehörten.

Gründung einer eigenen Musikalischen Abteilung

Aufgrund der Bestandserweiterung durch Erwerbung und Eingliederung von umfangreichen Musiksammlungen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im 1843 fertiggestellten Bibliotheksgebäude an der Ludwigstraße 1857 eine eigene „Musikalische Abteilung“ gegründet, deren Konservator Julius Joseph Maier die handschriftlichen und gedruckten Bestände in Katalogen vertieft erschloss, die bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mustergültig waren. Maier initiierte auch die kontinuierliche Erwerbung und Ergänzung historischer und zeitgenössischer Musikhandschriften und der neu erscheinenden Notendrucke und Bücher über Musik. In dieser Zeit gelangten z. B. das Chorbuch des Magisters Nikolaus Leopold sowie die Nachlässe von Joseph Rheinberger und Franz Lachner in die Bibliothek. Zentrale Sammlungen mit historischem Aufführungsmaterial der Münchener Hofmusik kamen in zwei großen Abgaben ins Haus: 1860 die Orchester- und Kirchenmusik der Hofmusik-Intendanz, 1922 der Grundstock des historischen Aufführungsmaterials aus dem Hof- und Nationaltheater in München.

Sondersammelgebiet Musikwissenschaft, Nachlässe und Sammlungen

Mit der Einrichtung des Sondersammelgebietes Musikwissenschaft im Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Jahre 1949 und der daraus resultierenden Verpflichtung zur überregionalen Literaturversorgung wurde die Erwerbung der Notendrucke und der Literatur über Musik auf die außereuropäischen Länder ausgedehnt. Gleichzeitig begann der gezielte Aufbau der Tonträgersammlung. Einen starken Aufschwung nahmen die Bestandsergänzungen bei älteren Notendrucken sowie die Sammlung von Nachlässen und Musikhandschriften. Erwähnt seien hier nur die zahlreichen Musikautographen von Max Reger, Richard Strauss, Hans Pfitzner und Gustav Mahler, einzelne Werke z. B. von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Robert Schumann sowie die Nachlässe von Günter Bialas, Hugo Distler, Werner Egk, Wolfgang Fortner, Karl Amadeus Hartmann, Felix Mottl, Carl Orff und Ermanno Wolf-Ferrari.

Im Januar 2014 wurde das Sondersammelgebiet durch den Fachinformationsdienst (FID) Musikwissenschaft mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft abgelöst. Die 2004 gegründete, kooperative Virtuelle Fachbibliothek Musikwissenschaft (ViFaMusik) wird zum Fachportal für das FID Musikwissenschaft ausgebaut.

Erwerbungen

Bei den laufenden Erwerbungen werden Notendrucke und Musikhandschriften, Musiktonträger, Literatur über Musik, Musikzeitschriften und elektronische Medien als besondere Sammelschwerpunkte gepflegt. 

Sondersammelgebiet Musikwissenschaft

Zugleich betreute die Bayerische Staatsbibliothek von 1949 bis 2013 im Auftrag und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft das Sondersammelgebiet Musikwissenschaft. Im Rahmen dieses Unternehmens erhielt sie laufend erhebliche Fördermittel, um Literatur über Musik, Musikzeitschriften sowie musikalische Gesamtausgaben, Denkmälerreihen, sonstige wissenschaftlich-kritische Editionen und eine breite Auswahl von anderen Notendrucken des Auslands mit größtmöglicher Vollständigkeit zu erwerben. Seit 1865 gibt es eine Ablieferungspflicht für Notendrucke, die in Bayern erschienen sind. Musiktonträger unterliegen dagegen bis heute dieser Regelung nicht.

Die Bibliothek wendet im Gegenzug erhebliche Eigenmittel für neue und ältere Drucke, Musikhandschriften und Nachlässe auf, damit die gewachsenen Schwerpunkte gezielt fortgeführt werden. Bei der Musica practica verfolgt sie das Ziel, den breiten, international repräsentativen Bestand kontinuierlich weiter auszubauen. Dabei haben Partituren den Vorrang vor Stimmenmaterial. Dieses Erwerbungsprofil bezieht sich auf die professionelle Kunstmusik weltweit. Jazz und populäre Musik werden in exemplarischer Auswahl gesammelt, soweit zuverlässige, umfangreichere Ausgaben vorliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Bibliothek als erste wissenschaftliche Musiksammlung der Bundesrepublik aus eigenen Mitteln eine Musik-Phonothek als klingende Dokumentation zur Musikgeschichte und Musikethnologie aufgebaut. Sie ist für alle wissenschaftlichen Spezialarbeiten zugänglich.

Sammlung Deutscher Drucke

Seit 1990 hat die Bayerische Staatsbibliothek in dem kooperativen Erwerbungsprogramm „Sammlung Deutscher Drucke“ für Notendrucke das Zeitsegment 1450 bis 1800 übernommen. Bei Büchern über Musik umfasst das Sammelspektrum Publikationen des 15. und 16. Jahrhunderts.

Fachinformationsdienst Musikwissenschaft

Im Januar 2014 wurde das Sondersammelgebiet durch den Fachinformationsdienst (FID) Musikwissenschaft mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft abgelöst. Das FID-Programm räumt der Erwerbung und Bereitstellung fachlich relevanter digitaler Medien (Datenbanken, E-Books, E-Zeitschriften, primäre Online-Ausgaben von Musiknoten) eine Vorrangstellung ein. Der Bestandsaufbau der konventionellen Medien (z. B. Notendrucke, Bücher, Zeitschriften) und der Tonträger wird auch künftig kontinuierlich fortgesetzt.

Elektronische Medien und digitale Sammlungen

Ein umfassender Erwerbungsbereich des FID Musikwissenschaft liegt in der Lizenzierung und Bereitstellung elektronischer Medien. Die Vielfalt an Datenbanken und Volltextangeboten (Bücher, Zeitschriften, Noten, Audiosammlungen) wird seit 2004 in der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaft (ViFaMusik) gebündelt angeboten. Sie wird bis 2016 durch die Einrichtung von neuen Modulen (z. B. Dokumentenserver, Themenportale) zum Fachportal für den FID Musikwissenschaft ausgebaut.

Darüber hinaus bietet die bibliothekseigene digitale Bibliothek des Münchener Digitalisierungszentrums unter dem Punkt „Digitale Sammlungen: Notendrucke, Musikhandschriften, Libretti und Literatur über Musik“ eine zusammenfassende Liste aller musikbezogenen digitalen Sammlungen von Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek.

Virtuelle Fachbibliothek Musikwissenschaft (ViFaMusik)
Digitale Sammlungen: Notendrucke, Musikhandschriften, Libretti und Literatur über Musik

Mikroformen

Die Mikroformsammlung der Musikabteilung umfasst einen beträchtlichen, bislang relativ unbekannten Fundus an kommerziellen Mikroverfilmungen von Beständen anderer Bibliotheken.

Hierzu zählen Verfilmungen von Musikhandschriften zahlreicher britischer Bibliotheken, allen voran der British Library, deren englische Musikhandschriften bis circa 1900, die kontinentaleuropäischen bis circa 1820 auf über 600 Filmrollen vorliegen. Tausende europäische Musikhandschriften des ehemaligen portugiesischen Hofes, jetzt in der Biblioteca da Ajuda in Lissabon, können ebenfalls auf Mikrofilm in der Bayerischen Staatsbibliothek eingesehen werden. Gleiches gilt für die Verfilmungen von Musikhandschriften deutscher Bibliotheken in Augsburg, Berlin, Frankfurt am Main und Leipzig.

Im Bereich der Notendrucke bilden neben den Werken britischer Komponisten bis 1800 aus der British Library die durchaus international orientierten Sammlungen holländischer und belgischer Bibliotheken bis circa 1820 einen Schwerpunkt.

Auch über 200 mikroverfilmte Musikzeitschriften besitzt die Bayerische Staatsbibliothek. Besonders erwähnenswert sind hier die amerikanischen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die russischen des frühen 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleine und größere Sammlungen von Interesse, z. B. technische Zeichnungen von Musikinstrumenten, die Schatz-Sammlung mit über 12 000 Opernlibretti aus der Library of Congress in Washington/DC, Notenblätter jüdischer Musik aus der Russischen Nationalbibliothek Sankt Petersburg und der Vernadsky-Bibliothek in Kiev oder die Sammlung der Musikbibliothek der Universität Michigan in Ann Arbor mit Werken europäischer und amerikanischer Komponistinnen des späten 18. bis frühen 20. Jahrhunderts.

Einen Überblick über diese reichhaltigen, mit besonderer Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgebauten Bestände bietet das „Verzeichnis der Mikroformen zur Musikwissenschaft in der Bayerischen Staatsbibliothek“. Dort finden sich alle notwendigen Signaturen und gegebenenfalls nähere Angaben zur Erschließung der einzelnen Sammlungen. Damit steht Forschung und Lehre, aber auch allen anderen interessierten Personen ein stets aktuelles Hilfsmittel zur Verfügung, um auch diese Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek zu finden und zu benutzen.

Verzeichnis der Mikroformen zur Musikwissenschaft in der Bayerischen Staatsbibliothek

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