Persisch

Kamāl-ad-Dīn Ḥusain Gāzargāhī: Maǧālis al-ʿuššāq. Persien, Schiras, 3. Viertel des 16. Jahrhunderts | © BSB/Cod.pers. 460
Kamāl-ad-Dīn Ḥusain Gāzargāhī: Maǧālis al-ʿuššāq. Persien, Schiras, 3. Viertel des 16. Jahrhunderts | © BSB/Cod.pers. 460

Im Überblick

Die Sammlung persischer Literatur der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst ca. 17 500 Drucke (1821 – 2015), ca. 550 persische Handschriften, ca. 150 abgeschlossene und laufende Periodika (Zeitschriften und Jahrbücher) und ca. 50 Karten. Der jährliche Neuzugang beträgt derzeit ca. 300 Bände.

Inhaltliche Schwerpunkte

Die inhaltlichen Sammlungsschwerpunkte im 19. und 20. Jahrhundert lagen auf historischem und religionsgeschichtlichem Gebiet. Titel zur Geschichte Irans und des schiitischen Islams bilden die größten Bestände. Daneben gibt es umfängliche Fonds zu den Gebieten Sprache und Literatur, Architektur, Kunst, Archäologie, Geographie, Politik, Soziologie und Musik. Zur Sammlung zählen auch – in geringem Umfang – persischsprachige Publikationen aus Indien (19. Jahrhundert) und Afghanistan.

Veröffentlichungen zu Iran in westlichen und osteuropäischen Sprachen werden breit gefächert erworben.

Handschriften

Die Orient- und Asienabteilung betreut die persischen Handschriften fachlich (Ankauf, Fachinformation, Führungen, Ausstellungen), während die Abteilung Handschriften und Alte Drucke diese verwaltet und für deren Benutzung zuständig ist. Die orientalischen Handschriften können ausschließlich im Lesesaal Handschriften und Alte Drucke eingesehen werden.

Kataloge

Katalog für gedruckte Bücher, Zeitschriften und Karten

Die gedruckten Bücher, Zeitschriften und Karten können im OPACplus/BSB-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek recherchiert werden.

OPACplus/BSB-Katalog

Handschriftenkataloge

Zurzeit werden Kurzbeschreibungen aller persischen Handschriften in den OPACplus/BSB-Katalog eingearbeitet.

Ausführlichere Beschreibungen bieten diese Kataloge:

  • [Cod.pers. 372 – 509 (Auswahl)]
    Götz, Manfred: Islamische Handschriften. Teil 2: Persische und türkische Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Stuttgart: Steiner, 2015. Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland. 37,2.

Ab dem Erwerbungsjahr 2009 sind Neuerwerbungen unter der Signatur Cod.pers. im OPACplus/BSB-Katalog zu finden.

OPACplus/BSB-Katalog

Geschichte der persischen Sammlung

Handschriften

16. – 18. Jahrhundert

Das erste Buch in persischer Sprache, das in die Münchner Hofbibliothek gelangte, war eine Handschrift mit der Gedichtsammlung (Diwan) des aus Zentralasien stammenden Dichters Kamâl Ḫuǧandī († 1400) (Cod.pers. 84). Sie stammt aus der Bibliothek des Diplomaten und Gelehrten Johann Albrecht Widmannstetter (1506 – 1557), dessen Büchersammlung den Grundstock der Münchner Hofbibliothek bildete. In den darauffolgenden 250 Jahren sind Handschriften aus Iran (seit 1935 die offizielle Bezeichnung dieses Landes) in persischer Sprache nur sporadisch in die herzogliche Bibliothek gelangt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren 12 persische Handschriften zusammengekommen. Auf diesen kleinen Bestand wurde der Indologe Othmar Frank (1770 – 1840) aufmerksam und er veröffentlichte 1814 einen Katalog, in dem er diese 12 persischen Handschriften ausführlich beschrieb, sie auszugsweise übersetzte und in originalen Textauszügen der Fachwelt präsentierte. Diese Veröffentlichung Franks ist der erste Katalog von orientalischen bzw. islamischen Handschriften der Münchner Hofbibliothek respektive der Bayerischen Staatsbibliothek überhaupt.

Die Requirierungen der Säkularisation (1803) brachten, was persische Handschriften anbelangt, nur einen Diwan des berühmten persischen Dichters Ḥāfiẓ aus dem oberbayerischen Kloster Seeon in die Hofbibliothek (dem Kloster Seeon hatte man diese Gedichtsammlung als Koran verkauft). Eine äußerst wertvolle persische Bilderhandschrift erhielt die Hofbibliothek im Gefolge des Wiener Kongresses (1814 – 1815) von der französischen Nationalbibliothek übereignet. Sie stammte ursprünglich aus der Türkenbeute und war während der napoleonischen Okkupation von einem französischen Beamten in einer Salzburger Bibliothek requiriert worden. Es handelt sich um eine Handschrift, die fünf illustrierte Werke des Dichters Niẓāmī vereint.

Niẓāmī Ganǧawī, Ilyās Ibn-Yūsuf: Ḫamsa. Iran, 1501.  (Cod.pers. 21)

19. – 21. Jahrhundert

Die Möglichkeit, persische Handschriften zu erwerben, bot sich in Deutschland sehr viel seltener, als dies bei arabischen oder türkischen Handschriften der Fall war. Die kommerziellen und diplomatischen Beziehungen zu diesem mittelöstlichen Staat haben sich relativ spät entwickelt und die Transport- und Kommunikationswege zu Wasser und zu Land – häufig via Istanbul – waren lang und beschwerlich. Wenn sich jedoch eine Gelegenheit bot, wurde nicht gezögert. So erwarb die Hofbibliothek 1831 beispielsweise eine Handschrift von Firdausis Königsbuch (Šāhnāma) aus der Bibliothek des Grafen Josef von Schwachheim, der als habsburgischer Gesandter einige Jahre (1754 – 1762) in der osmanischen Hauptstadt residiert hatte (Cod.pers. 8).

Firdausī: Šāhnāma (Königsbuch)  (Cod.pers. 8)

Doch erst der Ankauf der Bibliothek des französischen Orientalisten Etienne-Marc Quatremère (1782 – 1857) mit ihren großen Beständen an islamischen Handschriften und Drucken machte 1858 aus einem guten Dutzend persischer Handschriften einen veritablen Fond: 269 persische Handschriften kamen jetzt aus der Quatremére'schen Sammlung hinzu. In den folgenden Jahrzehnten konnte dieser Bestand hin und wieder erweitert werden. Vom ehemaligen Leibarzt des ägyptischen Vizekönigs, Franz Pruner (1808 – 1882), erwarb die Hofbibliothek 24 persische Handschriften, aus der Bibliothek des polnisch-russischen Orientalisten und Turkologen Anton Osipovič Muchlinskij (1808 – 1877) wurden acht persische Handschriften gekauft, so dass die Sammlung zum Ende des 19. Jahrhunderts 371 persische Handschriften zählte. Die beiden Weltkriege führten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Stagnation. Verbesserte Erwerbungsmöglichkeiten (u. a. Auktionen) und Schenkungen – darunter 13 persische Handschriften aus der Bibliothek des Orientalisten und Bibliothekars Emil Gratzl (1877 – 1957) – ließen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Zahl der persischen Handschriften auf über 500 ansteigen.

Weitere herausragende Handschriften aus der persischen Sammlung:

Firdausī: Šāhnāma. Iran, 1560 – 1750.  (Cod.pers. 10)
Firdausī: Šāhnāma. Iran, nach 1500?  (Cod.pers. 15)
 ♦   Maktabī Šīrāzī: Lailī wa Maǧnūn. Šīrāz?, 1514.  (Cod.pers. 101)
Saʿdī: Gulistān. Iran (Kazwīn?), 1579.  (Cod.pers. 336)
Mīr Ḥusainī Harawī: Zād al-musāfarāt (Sufischer Traktat in Gedichtform). Iran, 943 [hiǧrī] = [1536/1537]  (Cod.pers. 462)
Album mit Kalligraphien und Miniaturen. Iran, ca. 1802 – 1807.  (Cod.pers. 132)
Gūlistān va Bustān. Iran (Qazwīn?), 1579.  (Cod.pers. 506)

Persische Drucke 17. – 20. Jahrhundert

Die ersten Drucke in persischer Sprache

Die ersten mit arabischen Drucktypen gedruckten Bücher in persischer Sprache sind in Europa erschienen. Es handelt sich um zwei religiöse Traktate aus der Feder des spanischen Jesuiten und Indien-Missionars Jerónimo Javier (1549 – 1617), eine „Geschichte Christi“ und eine „Geschichte des Heiligen Petrus“:

Javier, Jerónimo: Dāstān-i Masīḥ = Historia Christi persice conscripta. Lugduni Batavorum [Leiden]: Ex Officina Elseviriana, 1639.  (Res/4 A.or. 2418)

Javier, Jerónimo: Dāstān-i San Pīdrū = Historia S. Petri persice conscripta. Lugdunum Batavorum [Leiden]: Officina Elseviriana, 1639.  (Res/4 A.or. 2418)

Bis zum nächsten Druck in persischer Sprache vergingen mehr als hundert Jahre. Erst 1742 konnte der ungarische Renegat und osmanische Diplomat, İbrahim Müteferrika (1674 – 1745), Hasan Şuʿuris persisch-türkisches Wörterbuch in seiner Istanbuler Druckerei erscheinen lassen. Es war Müteferrikas 17. und letzter Druck und der erste persische Druck innerhalb des islamischen Kulturkreises:

Hasan Şuʿûri: Ferheng-i Şuʿûri [Nevâl ül-fudalâ ve lisân ül-ʿacem]. Kostantınîye: Dâr üt-Tıbâat il-Maʿmûre, 1155 [hicrî] = [1742].  (2 Bände: Res/2 A.or. 367-1 und Res/2 A.or. 367-2)

Der persische Buchdruck in Indien

Da unter der Moguldynastie in Indien das Persische als Hofsprache eingeführt worden war, gab es in Indien viele persischsprachige Muslime, darunter auch viele Adlige, die im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben eine wichtige Rolle spielten. So verwundert ist es nicht, dass der britische Amtsarzt Francis Balfour (ca. 1740 – 1815) es 1781 für zweckmäßig hielt, einen persisch-englischen Briefsteller in Kalkutta drucken zu lassen. Diese Musterbriefsammlung ist der Erstdruck in persischer Sprache auf dem indischen Subkontinent:

Harikaṇa: Inšā-i Harkaran = The forms of Herkern [Harikaran] corrected from a variety of manuscripts, supplied with the distinguishing marks of construction / and translated into English, with an index of Arabic words explained, and arranged under their proper roots by Francis Balfour. Calcutta: Printed by Charles Wilkins, 1781.  (4 A.or. 2150)

Der persische Buchdruck in Indien, vor allem derjenige im Steindruckverfahren, entwickelte im 19. Jahrhundert eine große Dynamik und zeitigte hunderte von Drucken. Es waren damals vor allem diese persischen Drucke aus Indien, die der westlichen Kultur einen Eindruck vom persischen Geistesleben vermittelten. Auch in die Münchner Hofbibliothek kamen im 19. Jahrhundert fast alle persischen Drucke aus Indien, nur sehr wenige aus Iran. Der Grund dafür lag im enormen technischen Entwicklungsdefizit Irans, das auch im Bereich des Buchdrucks seinen Niederschlag gefunden hatte.

Steindrucke aus Indien:
Ein Koransteindruck mit arabischem Korantext, Urdu-Interlinearübersetzung und persischer Paraphrase auf dem Rand:

Qurʾān. Calcutta, 1837.  (1. Band: 4 A.or. 418)

Die Ḫamsa („Pentalogie“) des wortgewaltigen persischen Dichters Niẓāmī erschien 1849 in Bombay:

Niẓāmī Ganǧawī, Ilyās Ibn-Yūsuf: Ḫamsa-i Niẓāmī. Bumbaʾī [Bombay]: Maṭbaʿa-i Faḍl-ad-Dīn, [1849] = 1265 [hiǧrī].  (4 A.or. 3858)

Eine Geschichte Kaschmirs aus Lahore mit dem Titel „Rosengarten von Kaschmir“:

Kripā-Rāma: Gulzār-i Kašmīr. Lāhaur: Maṭbaʿ-i Kūh-i Nūr, 1870.  (2 A.or. 263 h)

Der frühe persische Typendruck in Iran

Zwar hatte es auch in Iran verschiedentlich Versuche gegeben, den Buchdruck in persischer Sprache einzuführen. Sie waren jedoch alle gescheitert. Erst die Anstrengungen des kadscharischen Kronprinzen ʿAbbās Mīrzā (1789 – 1833), Gouverneur der Provinz Aserbaidschan, führten dazu, dass schließlich 1817 in Täbris eine Druckerei mit persischen – das heißt, arabischen Drucktypen – eingerichtet und erstmals ein Buch in persischer Sprache gedruckt werden konnte (Qāʾimmaqām Farahānī: Risāla-i ǧihādīya). Freilich war die Auflage so gering, dass keine Exemplare in westliche Bibliotheken gelangt sind (Faksimileausgabe Qum [Ghom] 2014).

Der 3. persische Frühdruck (Typendruck) aus der Druckerei des Mīrzā Ǧaʿfar in Täbris ist Saʿdīs Lehrgedicht „Rosengarten“:

Saʿdī: Gulistān. Tabrīz: Mīrzā Ǧaʿfar, 1821.  (A.or. 3876)

Ein Auszug aus Maftūn Dunbulīs Kadscharengeschichte zählt ebenfalls zu den iranisch-persischen Frühdrucken (Typendrucken) aus Täbris:

ʿAbd-ar-Razzāq Maftūn Dunbulī: Maʾāṯīr-i sulṭānīya. Tabrīz: Dār al-Inṭibāʿ, 1241 [hiǧrī] = [1826].  (A.or. 3356)

Nachdem 1824 auf Befehl Fatḥ ʿAlī Šāhs (regierte 1797 – 1837) der Täbriser Drucker Mīrzā Zain-al-ʿĀbidīn nach Teheran übergesiedelt war, erlebte hier der frühe persische Typendruck eine überaus ergiebige Phase. Im Laufe von 14 Jahren erschienen 15 religiöse Werke in ca. 30 Ausgaben. Nachhaltig gefördert wurde der Teheraner Buchdruck in dieser Zeit vom einflussreichen Hofbeamten Manūčihr Ḫān Gurǧī Muʿtamid-ad-Daula († 1847). Nach ihm nennt man die zu seiner Zeit erschienenen Typendrucke Muʿtamidī-Drucke. In Teheran nahm Mīrzā Zayn al-ʿĀbidīn sofort die Arbeit an einem äußerst ambitionierten Projekt auf: Der Drucklegung des umfänglichen Werkes Ḥayāt al-qulūb („Das Leben der Herzen“) von Muḥammad Bāqir Maǧlisī (1627 – 1699). Es handelt sich um den ersten zweibändigen iranisch-persischen Druck. Die beiden Bände enthalten Lebensbeschreibungen der islamischen Propheten und die schiitische Lehre von den zwölf Imamen. Beide Bände haben auf ihren ersten und dritten Seiten jeweils Holzschnittvignetten mit dem Emblem der Kadscharendynastie: Löwe mit dahinter aufgehender Sonne. Während die Vignettenmedaillons des ersten Bandes den Namenszug Fatḥ ʿAlī Šāhs bzw. den Buchtitel enthalten, sind sie im zweiten Band leer.

Maǧlisī, Muḥammad Bāqir Ibn-Muḥammad Taqī: Ḥayāt al-qulūb. Ṭihrān: Zain-al-ʿĀbidīn Tabrīzī, 1824 – 1825] = 1240 – 1241 [hiǧrī].  (2 Bände: 2 A.or. 259-1 und 2 A.or. 259-2)

Liebes- und Abenteuergeschichte vom Prinzen Šīrūya (illustrierter Steindruck). Teheran, 1855 | © BSB/4 A.or. 2223
Liebes- und Abenteuergeschichte vom Prinzen Šīrūya (illustrierter Steindruck). Teheran, 1855 | © BSB/4 A.or. 2223
Mīrzā Sanglāḫ Ḫurāsānī: Biographisches Wörterbuch berühmter Kalligraphen | © BSB/2 A.or. 504 i
Mīrzā Sanglāḫ Ḫurāsānī: Biographisches Wörterbuch berühmter Kalligraphen | © BSB/2 A.or. 504 i

Lithographische Druckverfahren im 19. Jahrhundert

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auch das lithographische Druckverfahren in Täbris, Isfahan und Teheran eingeführt und schon nach wenigen Jahren dominierte es den gesamten iranischen Buchmarkt. Die mit der neuen Drucktechnik hergestellten Bücher entsprachen weit mehr den ästhetischen Ansprüchen der Leserschaft als Typendrucke. Mit dem Steindruckverfahren konnte man zudem die charakteristischen Merkmale von Handschriften sehr viel besser nachvollziehen und auch Illustrationen konnten damit leicht hergestellt werden.

Ein früher Steindruck aus Teheran ist auch die Ausgabe der Ḫamsa (Pentalogie) des persischen Dichters Niẓāmī. Die wenigen geplanten Illustrationen – sie sollten hier noch von Hand ausgeführt werden – fehlen in diesem Exemplar:

Niẓāmī Ganǧawī, Ilyās Ibn-Yūsuf: Kitāb-i Ḫamsa-i Niẓāmī-i Tafrišī. Tihrān, [1845] = 1261 [hiǧrī].  (Res/2 A.or. 270)

Zu den iranisch-persischen Inkunabeln aus Teheran gehört auch ein kleinformatiges, bebildertes Kinderbuch mit dem Titel „Heldenbuch“. Es ist eine Geschichte iranischer Herrscher in vorislamischer und islamischer Zeit. Sein Verfasser war der Kadscharenprinz Ǧalāl-ad-Dīn Mīrzā, der 55. (!) Sohn des iranischen Herrschers Fatḥ-ʿAlī Šāh.

Ǧalāl-ad-Dīn Mīrzā: Nāma-i ḫusrawān. Ṭihrān: Dar Kārḫāna-i Ustād Muḥammad Taqī, 1285 [hiǧrī] = 1848.  (81.90479)

Das umfangreichste Einzelwerk der persischen Literatur, Firdausīs Königsbuch (Šāhnāma), ist sieben Mal als illustrierter Steindruck erschienen. Nachdem 1845 und 1849 in Bombay zwei Ausgaben veröffentlicht worden waren, unternahm es der Teheraner Kaufmann Ḥāǧǧī Muḥammad Ḥusain, eine Ausgabe in der iranischen Hauptstadt selbst herauszubringen. Der Druck, ausgeführt von ʿAbd-al-Muḥammad Rāzī, nahm mehr als ein Jahr in Anspruch und konnte schließlich im November 1850 abgeschlossen werden. Die enthaltenen 60 Abbildungen stammen vom produktivsten iranischen Steindruckillustrator, dem Aserbaidschaner Mīrzā ʿAlī-Qulī Ḫūʾī. Wenngleich seine Illustrationen vornehmlich am traditionellen Bildprogramm der Šāhnāma-Handschriften ausgerichtet sind, so ging er doch bei der Darstellung des Gesichtsausdruckes von Personen neue Wege. Das Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek stammt aus der Bibliothek Quatremère.

Firdausī: Šāhnāma-i Firdausī-i Ṭūsī. Tihrān: Ḥāǧǧī ʿAbd-al-Muḥammad Rāzī, [1850] = 1267 [hiǧrī].  (2 A.or. 249)

Die anonyme Liebes- und Abenteuergeschichte vom Prinzen Šīrūya erschien acht Mal als illustrierter Steindruck. Die vierte Ausgabe ist 1855 in Teheran erschienen:

Kitāb-i Šīrūya-i nāmdār. Tihrān, [1855] = 1272 [hiǧrī].  (4 A.or. 2223)

Einen Meilenstein in der iranischen Druck- und Medizingeschichte bildet das von ʿAlī Ḫān Ibn-Zain-al-ʿĀbidīn Hamadānī verfasste Anatomielehrbuch, das – auf russisches Papier gedruckt – mit dem Titel „Edelsteine der Anatomie“ erschienen ist.

Alī Ḫān Ibn-Zain-al-ʿĀbidīn Hamadānī: Ǧawāhir at-tašrīḥ. 2. Auflage. Tihrān, [1889] = 1306 [hiǧrī].  (4 81.11592)

Besonders beliebt war der Steindruck bei den schiitischen Theologen in den vier letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Hunderte von islamisch-schiitischen Traktaten wurden großformatig lithographiert – zumeist jedoch in der Theologensprache Arabisch.

Diese beiden islamisch-schiitischen Drucke sind typisch für die theologischen Traktate des 19. Jahrhunderts. Die zahlreichen Randglossen wurden aus den Handschriften in die gedruckten Versionen übernommen.

Eine typisch schiitisch-heterodoxe Sicht auf das Leben des frühislamischen Heiligen Salmān al-Fārisī bietet das in dieser Steindruckausgabe veröffentlichte arabische Werk:

Ṭabarsī, Ḥusain Taqī an-Nūrī: Nafas ar-Raḥmān fī faḍāʾil Salmān. Tihrān?, [1868] = 1285 [hiǧrī].  (4 A.or. 866)

Dieses Sammelwerk mit den Lebensbeschreibungen der 12 schiitischen Imame in arabischer Sprache war ebenfalls nur für Theologen bestimmt:

Sibṭ-Ibn-al-Ǧauzī, Yūsuf Ibn-Qiz-Uġlū: Taḏkirat ḫawāṣṣ al-umma fī maʿrifat al-aʾimma. Tihrān, [1870] = 1287 [hiǧrī].  (2 A.or. 303 d)

In persischer Sprache verfasste Mīrzā Sanglāḫ Ḫurāsānī sein zweibändiges biographisches Wörterbuch berühmter Kalligraphen. Auch bedeutende osmanische Kalligraphen finden darin Erwähnung. Veröffentlicht wurde es in Täbris.

Sanglāḫ Ḫurāsānī, Mīrzā: Taḏkirat al-ḫaṭṭāṭīn. Tabrīz, 1291 – 1295 [hiǧrī] = [1874-1878].  (2 A.or. 504 i)

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein blieb der Steindruck in Iran ein beliebtes Verfahren für die Buchherstellung. Unter den beiden Pahlewi-Herrschern Reza Schah (regierte 1925 – 1941) und Mohammed Reza (regierte 1941 – 1979) wurde die Reform des iranischen Buchwesens nach westlichem Vorbild forciert, so dass Bücher und Zeitschriften, die im Typendruck- und im modernen Flachdruckverfahren (Offset) hergestellt wurden, auch in Iran zur Norm wurden.

Der Kauf von Büchern iranischer Verlage und Behörden war auch im 20. Jahrhundert bis zum Ende der 60er Jahre nicht einfach. Erst ab 1970 konnte in der Bayerischen Staatsbibliothek systematisch und mit einem breiten Erwerbungsprofil Literatur aus Iran gekauft werden. Zumeist war die Buchhandlung Harrassowitz in Wiesbaden der Lieferant. Sie bot auch in großem Umfang persische Antiquaria an, so dass die bestehenden Erwerbungslücken in den 1970er und 1980er Jahren geschlossen werden konnten.

Die Jahre nach der sogenannten Islamischen Revolution (1979) brachten erneut eine mehrjährige Unterbrechung. Nach ca. fünf Jahren normalisierten sich die Verhältnisse und es war wieder möglich, regelmäßig wissenschaftlich relevante Neuerscheinungen von iranischen und exiliranischen Verlagen zu kaufen.

Auch in Iran sind in den letzten 20 Jahren zahlreiche Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute neu gegründet worden. Sie führten zu einem enormen Anstieg wissenschaftlicher Publikationen. Die Bayerische Staatsbibliothek erwirbt momentan hauptsächlich Bücher und Zeitschriften aus den Bereichen Geschichte, Islam, Literatur und Kunst. Elektronische Publikationen (E-Books) spielen auf dem iranischen Buchmarkt derzeit noch keine Rolle.

Literatur

Striedl, Hans: Die Bücherei des Orientalisten Johann Albrecht Widmanstetter. In: Kissling, Hans J. (Hrsg.): Serta Monacensia: Festschrift Franz Babinger. Leiden: Brill, 1952. S. 200-244.

Grönbold, Günter: Die orientalischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981), S. 68-84.

Rebhan, Helga: The Bavarian State Library in Munich. In: Gierlichs, Joachim; Hagedorn, Annette (Hrsg.): Islamic Art in Germany. Mainz am Rhein: Zabern, 2004. S. 157-160.

Rebhan, Helga: Die Bayerische Staatsbibliothek in München (BSB). In: Gierlichs, Joachim; Hagedorn, Annette (Hrsg.): Islamische Kunst in Deutschland. Mainz am Rhein: Zabern, 2004. S. 157-160.

Rebhan, Helga: Ausstellungen orientalischer und asiatischer Bestände der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Griebel, Rolf; Ceynowa, Klaus (Hrsg.): Information, Innovation, Inspiration: 450 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. München: Saur, 2008. S. 639-665.

Rebhan, Helga: Die Bibliothek Johann Albrecht Widmanstetters. In: Schmid, Alois (Hrsg.): Die Anfänge der Münchener Hofbibliothek unter Albrecht V. München: Beck, 2009. S. 112-131.

Rebhan, Helga: Die Wunder der Schöpfung: Ausstellung von Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek aus dem islamischen Kulturkreis vom 16. September bis 5. Dezember 2010. In: Bibliotheksmagazin (2010) 3, S. 61-64.

Ceynowa, Klaus; Rebhan, Helga; Tabery, Thomas: Orientalische Prachthandschriften auf iPad und iPhone: Neue App der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Bibliotheksforum Bayern 5 (2011), S. 180-183.

Rebhan, Helga: Emil Gratzl als Orientalist. In: Haller, Klaus; Kempf, Klaus (Hrsg.): Sammeln und Erwerben an der Bayerischen Staatsbibliothek: In memoriam Emil Gratzl (1877 – 1957). Wiesbaden: Harrassowitz, 2011. S. 79-82.

Rebhan, Helga: Eine Erbschaft, eine Schenkung und Auktionen: Handschriften-Neuerwerbungen für die Orient- und Asienabteilung. In: Bibliotheksmagazin (2013) 1, S. 3-9.

Rebhan, Helga: 500 Jahre arabischer Buchdruck. In: Bibliotheksmagazin (2014) 3, S. 34-40.

Rebhan, Helga: Orientalische und asiatische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek. In: Ceynowa, Klaus; Hermann, Martin (Hrsg.): Bibliotheken: Innovation aus Tradition: Rolf Griebel zum 65. Geburtstag. Berlin: De Gruyter Saur, 2014. S. 322-333. Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.1515/9783110310511 [Zugriff am 21.03.2016].

Ausstellungen

Gratzl, Emil: Katalog der Ausstellung von Handschriften aus dem Islamischen Kulturkreis im Fürstensaal der k. Hof- u. Staatsbibliothek. München, 1910.

Dachs, Karl (Hrsg.): Erwerbungen aus drei Jahrzehnten: 1948 – 1978: Bayerische Staatsbibliothek: abendländische und orientalische Handschriften, Inkunabeln und seltene Drucke, Noten und Landkarten: Ausstellung April – Juli 1978. Wiesbaden: Reichert, 1978.

Dachs, Karl (Hrsg.): Das Buch im Orient: Handschriften und kostbare Drucke aus zwei Jahrtausenden: Ausstellung, 16. November 1982 – 5. Februar 1983. Wiesbaden: Reichert, 1982.

Dachs, Karl (Hrsg.): Thesaurus librorum: 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek: Ausstellung München 18. August – 1. Oktober 1983 = 425 years Bavarian State Library: exhibition. Wiesbaden: Reichert, 1983.

Rebhan, Helga; Riesterer, Winfried: Prachtkorane aus tausend Jahren: Handschriften aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek München: Ausstellung 7. Oktober – 28. November 1998. München: Bayerische Staatsbibliothek, 1998.

Noichl, Elisabeth (Hrsg.): Schrift-Stücke: Informationsträger aus fünf Jahrtausenden: eine Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs: München, 19. Juli – 20. September 2000. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns; Bayerische Staatsbibliothek, 2000.

Kreiser, Klaus (Hrsg.): The beginnings of printing in the Near and Middle East: jews, christians and muslims. Wiesbaden: Harrassowitz, 2001.

Hanebutt-Benz, Eva; Glass, Dagmar; Roper, Geoffrey (Hrsg.): Middle Eastern languages and the print revolution = Sprachen des Nahen Ostens und die Druckrevolution: a cross-cultural encounter: a catalogue and companion to the exhibition: Gutenberg Museum Mainz. Westhofen: WVA-Verlag Skulima, 2002.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Wertvolle orientalische Handschriften und seltene Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek = Precious Oriental manuscripts and rare printed books of the Bavarian State Library: 26th MELCOM International Conference, 24 – 26 May 2004: Ausstellung 24.05. – 18.06.2004. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2004.

Fabian, Claudia (Hrsg.): Kulturkosmos der Renaissance: die Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek: Katalog der Ausstellung zum 450-jährigen Jubiläum 7. März bis 1. Juni 2008 ... Wiesbaden: Harrassowitz, 2008.

Rebhan, Helga (Hrsg.): Die Wunder der Schöpfung = The wonders of creation: Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek aus dem islamischen Kulturkreis = Manuscripts oft the Bavarian State Library from the Islamic world: Ausstellung 16. September bis 5. Dezember 2010. Wiesbaden: Harrassowitz, 2010.

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