Schatzhaus des kulturellen Erbes – der Bibliotheksbau und das Prachttreppenhaus

Der Bibliotheksbau

Einer der ersten Baupläne König Ludwigs I. galt einem repräsentativen Gebäude für seine Hof- und Staatsbibliothek. Als Bauplatz war zunächst das Areal gegenüber der Glyptothek am Königsplatz, heute Standort der Antikensammlung, ins Auge gefasst. Erst später kam die Lücke zwischen Kriegsministerium und Ludwigskirche an der damals nach dem Willen des Königs nach Norden wachsenden Prachtstraße, der Ludwigstraße, ins Gespräch. Die Planung wurde dem Architekten Friedrich von Gärtner übertragen und in den Jahren 1832 bis 1843 verwirklicht. Der langgestreckte, zwei Innenhöfe umschließende Bau an der Ludwigstraße ist mit 152 Metern Länge, 78 Metern Tiefe und 24 Metern Höhe der größte Blankziegelbau Deutschlands. Bei seiner Eröffnung galt er als fortschrittlichster deutscher Bibliotheksbau. 

Die Statuen

An der Freitreppe setzen die vier überlebensgroßen, von Ludwig von Schwanthaler entworfenen Steinfiguren – von den Münchnern liebevoll als „Die vier Heiligen Dreikönige“ betitelt – einen markanten Akzent. Es sind dies, von links nach rechts, der Begründer der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung, Thukydides, der Dichter der Ilias und Odyssee, Homer, der Philosoph und Lehrer Alexanders des Großen, Aristoteles, und der berühmteste Arzt der Antike, Hippokrates. In ihrer Gesamtheit verweisen sie auf die Vielfalt der Wissenschaften, deren Literatur die Königliche Hof- und Staatsbibliothek zu sammeln bestimmt war.

Der Erweiterungsbau

1966 wurden der Erweiterungsbau, entworfen von der Architektengemeinschaft Hans Döllgast, Sep Ruf und Helmut Kirsten, und der Ostflügel, von dem bei Kriegsende nur noch die Außenmauern gestanden hatten, fertiggestellt, und 1970 kam der Wiederaufbau mit der Eröffnung des im Krieg völlig zerstörten Südflügels endgültig zum Abschluss.

Der Erweiterungsbau auf einer Fläche von 59 x 42 x 22 Metern umfasst im Erdgeschoss die buchbearbeitenden Abteilungen Bestandsaufbau und Erschließung sowie Arbeitsplätze der Abteilung Benutzungsdienste, im ersten Obergeschoss den Allgemeinen Lesesaal mit mehr als 636 Plätzen, im Untergeschoss den Zeitschriftenlesesaal.

Das Treppenhaus

Das repräsentative Treppenhaus im Innern des Mittelbaus, dessen Benutzung der König sich allein vorbehielt, wurde mehrfach nachgeahmt. Seine Wirkung muss schier überwältigend gewesen sein. Aus der fensterlosen, seinerzeit dämmrigen Eingangshalle – seitlich davon lagen die Räume des Bayerischen Reichsarchivs – stieg der Ankömmling über die 54 Stufen der breiten Treppe hinauf in das helle Licht der Wissenschaft, beschirmt von dem imposanten, in ganzer Fläche freskierten und ornamentierten Gewölbe. Allegorien der Künste und Wissenschaften in den Stichkappen des Gewölbes, Darstellungen berühmter Gelehrter, aber auch Porträts des Architekten Friedrich von Gärtner und des seinerzeitigen Oberbibliothekars Philipp Lichtenthaler versinnbildlichten den Anspruch der königlichen Hof- und Staatsbibliothek, Wissenschaft, Religion und Kunst gleichermaßen in sich zu begreifen.


Das Video zeigt das Bibliotheksgebäude mit Erweiterungsbau, die Statuen am Eingang und das Prachttreppenhaus aus ungewohnter Perspektive.

https://www.youtube.com/watch?v=Bb-6jStBVUI
Schatzhaus des kulturellen Erbes
Top