Professor Dr. Rudolf Cohen [Dritter von links] im Beisein von Freunden sowie Mitarbeitern der Bayerischen Staatsbibliothek im Projekt NS-Raubgut bei der Restitution am 13. März 2018 | © BSB/T. Dimitriadis

Provenienzforschung an der Bayerischen Staatsbibliothek

Die Bayerische Staatsbibliothek erforscht seit 2003 die Provenienzen ihrer Bestände gezielt im Hinblick auf NS-Raubgut. Sie arbeitet hier im Sinn der Gemeinsamen Erklärung des Bundes, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, die die Washingtoner Erklärung vom Dezember 1998 umsetzt. Die Bayerische Staatsbibliothek gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des 2015 auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst eingerichteten Forschungsverbunds Provenienzforschung Bayern (FPB). Dieser dient der Vernetzung sowie dem Austausch der staatlichen Institutionen, die sich mit Provenienzforschung befassen.

Bislang wurden circa 65 000 Bände, die die Bayerische Staatsbibliothek zwischen 1933 und 1945 erwarb, einer Überprüfung unterzogen. Bei rund einem Prozent der überprüften Bücher besteht der Verdacht, dass es sich um NS-Raubgut handelt. Die anschließenden intensiven Recherchen zu den einzelnen Titeln und ihren rechtmäßigen Eigentümern sind weitgehend abgeschlossen. Derzeit untersucht die Bayerische Staatsbibliothek systematisch die zwischen 1933 und 1945 getätigten Erwerbungen im Bereich der lateinischen Handschriften und der Musikalien, sowie circa 36 000 Bände aus der Ordensburg Sonthofen, die die US-amerikanische Militärregierung der Bayerischen Staatsbibliothek nach 1945 übergab. Wie Stichproben ergaben, befindet sich unter ihnen auch NS-Raubgut, das – neben jüdischen Eigentümern – unter anderem auch Gewerkschaften oder Freimaurer-Logen entzogen worden war.

Die Bayerische Staatsbibliothek möchte NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut den Geschädigten bzw. deren Erben und Rechtsnachfolgern restituieren und dafür eine „gerechte und faire Lösung“ herbeiführen. Der Kurzfilm zeigt an einem konkreten Beispiel, wie eine Buchrestitution inklusive der davor geschalteten wissenschaftlichen Recherchen abläuft.

 

Virtuelle Ausstellung
NS-Raubgutforschung an der Bayerischen Staatsbibliothek

https://www.youtube.com/watch?v=T637F9IJZBA
Kurzfilm „Der Fall Alexander Dünkelsbühler”

 

Bildnachweis Headerbild:
Professor Dr. Rudolf Cohen [Dritter von links] im Beisein von Freunden sowie Mitarbeitern der Bayerischen Staatsbibliothek im Projekt NS-Raubgut bei der Restitution am 13. März 2018 | © BSB/T. Dimitriadis

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