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Virtuelle Ausstellung: Konstruierte Sprachen (10)
Lazar Markovič Zamenhof (1859-1917): der Autor des Esperanto
Der spätere Warschauer Augenarzt L. Zamenhof wurde 1859 als erstes Kind einer jüdischen Familie in Białystok geboren. Zwei Drittel der Einwohner seiner Geburtsstadt waren Juden; sie sprachen fast ausschließlich Jiddisch. Außerdem lebten in Białystok Polen, Russen und Deutsche.
In einem 1896 in Esperanto veröffentlichten Brief an Nikolai Borowko (1863-1913), den Autor der ersten originalsprachlichen Erzählung in Esperanto (1892), begründete Zamenhof, warum er die zunächst lingvo internacia [international] genannte Sprache geschaffen hatte:

Ein empfindsamer Charakter fühlt in einer solchen Stadt mehr als irgendwo sonst das schwere Unglück der Sprachenvielfalt und wird bei jedem Schritt aufs neue davon überzeugt, dass die Verschiedenheit der Sprachen als einziger oder doch zumindest hauptsächlicher Grund für die Spaltung der menschlichen Familie in feindliche Teile angesehen werden muss.

Zitiert nach Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Gerlingen 1988, S. 13.


Zamenhof hoffte also, durch seine Sprachkonstruktion zumindest eine Konfliktursache zwischen verschiedensprachigen Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten überwinden zu helfen.
Symbolisch drückte er das durch das Pseudonym aus, unter dem er das erste Lehrbuch (1887) veröffentlichte:
Dr. Esperanto [Der Hoffende]. Daraus ist der Name für die Sprache selbst geworden.


Zamenhof in seinem Arbeitszimmer Dzikastraße in Warschau (um 1910).
Plansprachensammlung Haupenthal


Zamenhof beanspruchte keine Urheberrechte für Esperanto. Zeitlebens engagierte er sich für dessen Verbreitung als Herausgeber, Übersetzer und Kongressredner. 1959 erklärte ihn das Exekutivkomitee der UNESCO zu one of the great personages of mankind [einer der großen Persönlichkeiten der Menschheit].

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