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Virtuelle Ausstellung: Konstruierte Sprachen (17)
Parkstadt Esperanto in Gräfelfing
Am 8. Juni 1912 gründete sich in München der Verein Propagandabund Parkstadt Esperanto e.V., der am 1. Juli des gleichen Jahres ins Vereinsregister eingetragen wurde. Ein Jahr später hatte der Verein lt. Bericht über das Jahr 1912 bereits viele Tausende von Mitgliedern.

Ziel des Vereins war die Förderung der Interessen der Esperanto-Bewegung, insbesondere aber der Bau der Parkurbo Esperanto, einer städtebaulich am Konzept der Gartenstadt orientierten Siedlung. Die Besonderheit des Projekts lag in der Festlegung, dass zum Erwerb eines Hauses nur Familien berechtigt waren, von denen mindestens ein Mitglied ein Jahr lang Esperantist war.

Die Siedlung sollte auf einem eine Million Quadratmeter großen Gelände in Gräfelfing errichtet werden. Den Baugrund stellte der Bankier Schuler, Hauptaktionär der Terraingesellschaft Gräfelfing, bereit. Der Plan des Münchener Architekten Fritz Sievers sah etwa 500 Einfamilienhäuser, eine Kirche, ein Geschäftszentrum, ein Theater für Aufführungen in Esperanto, ein Kasino, eine Bibliothek, ein Restaurant an der Würm und Parkanlagen vor. Dem Autor des Esperanto, L. Zamenhof, sollte eine Statue gewidmet werden. Im Sommer sollte die Siedlung als Kurort zum Treffpunkt für Esperantisten werden. Auch eine Schule für Kinder, die in den Ferien Esperanto lernen wollen, war geplant.
Für die Verkehrsanbindung nach München war eine Trambahn-Linie vorgesehen.

Zur Finanzierung der Gemeinschaftsgebäude wurde eine internationale Lotterie ausgerichtet, als Hauptgewinn ein Einfamilienhaus ausgelobt, angesetzt mit einem Marktwert von 25.000 Mark. Aus steuerrechtlichen Gründen musste die Lotterie auf Vereinsmitglieder beschränkt werden. Deswegen warb die Propaganda Ligo Parkurbo Esperanto weltweit in Esperanto-Zeitschriften um Mitglieder.

Nach einem Artikel in der Zeitschrift Esperanto vom August 1912 war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Viertel der Baugrundstücke verkauft.

Bis heute konnte nicht genau geklärt werden, warum das Projekt gegen Ende des Jahres 1913 aufgegeben wurde.

3-D Animation zur Parkstadt Esperanto in Gräfelfing

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