Schnellzugriff


Bereichsmenü

Ordnung der Handschriften
Johann Andreas Schmeller
Ordnung der Handschriften
 
Die heute gebräuchliche Zählung der Handschriften geht auf den von 1829 bis 1852 an der Hof- und Staatsbibliothek tätigen Bibliothekar Johann Andreas Schmeller (1785-1852) zurück. Er versuchte – soweit dies 30 Jahre nach der Hauptwelle der Säkularisation noch möglich war – für die lateinischen Handschriften die Bestände der ehemaligen Klosterbibliotheken aus ihren historischen Katalogen zu rekonstruieren und stellte die Handschriften dann in einer Nummernreihe als Codices latini monacenses (Clm) nach dem Alphabet der Provenienzen auf. Auch für Handschriften in anderen Sprachen wurden eigene Fächer eingerichtet (so z.B. Cgm Codices germanici monacenses für die deutschen und Cod.graec. für die griechischen Handschriften).
 
Allerdings gelang es Schmeller nicht, dieses Verfahren komplett auf den  Bestand der lateinischen Handschriften anzuwenden. Die Codices latini der alten Hofbibliothek behielten die von Ignaz Hardt 1806 eingeführten und von Schmeller fortgesetzten Nummern 1-698 bzw. 701-947a (später fortgeführt bis 967) bei. Die Nummern 1001-2500 wurden für die bayerischen Handschriften der Hofbibliothek bestimmt. Diese – vorher als Codices bavarici 1-1329 bezeichnet – wurden zu Codd. latini durch Hinzufügung der Zahl 1000, so dass also Cod.bavar. 1 zum Clm 1001 und Cod.bavar. 1329 zum Clm 2329 wurde; die Nummern 2330-2500 blieben unbesetzt. Die Bavarici latini blieben also nach wie vor zusammen und erhielten bei ihren Herkunftsorten nur einen Rückweis. Als Codices incertae bzw. diversae originis wurden unter dem Zeichen der Unbekannten (ZZ) mehrere tausend Handschriften eingereiht, deren Herkunft Schmeller nicht mehr hatte feststellen können (Clm 23001-26279).
 
Der Bereich von Clm 2501 bis 22502 enthält also die seit 1802/03 säkularisierten bzw. mediatisierten Bestände in alphabetischer Folge: Cod. Ab. (Karmeliterbibliothek Abensberg) wurde zu Clm 2501, Cod. Ab. 25 – die letzte Abensberger Handschrift – wurde Clm 2525. Schmeller richtete seine Nummernfolge so ein, dass wenigstens die letzte Ziffer der Latinus-Signatur mit der entsprechenden Ziffer der ehemaligen ‚Kloster-Signatur’ übereinstimmte, was er neu durch Lücken in der Zahlenfolge erreichte. So fängt die auf Abensberg im Alphabet folgende Bibliothek Aldersbach nicht mit 2526 an, sondern mit 2531. Bei kleineren Bibliotheken wurde in Zehnerschritten neu begonnen, bei größeren Sammlungen fing Schmeller gern mit einer runden Zahl an, z.B. bei St. Emmeram mit Nr. 14000, obwohl die letzte vorausgehende Handschrift vom Regensburger Stift Niedermünster die Nr. 13601 trägt.
 
Die Clm-Nummerierung findet sich in den gedruckten Katalogen von Karl Halm an erster Stelle, die Provenienzsignatur in Klammern dahinter, z.B. Clm 18150 (= Teg. 150). Diese – von Schmeller nur interimistisch gedachten – Signaturen in einer gesonderten  Konkordanz nachzuweisen ist nach wie vor sinnvoll, da sie in der älteren Literatur sowie in den Quellenausgaben der Monumenta Germaniae historica (MGH) bis weit ins späte 19. Jahrhundert hinein Verwendung fanden.
 
Im Bereich der  deutschsprachigen Handschriften stellen die Signaturen Cgm 1-5154 den Altbestand und die Neuerwerbungen aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts – also der Zeit Schmellers – dar. Im Gegensatz zu den lateinischen Handschriften wurden die deutschen nicht nach Provenienzgruppen, sondern nach formalen oder inhaltlichen Prinzipien in durchgehender Reihe aufgestellt: so umfassen die ersten 200 Nummern ausschließlich Pergament-Handschriften, die Signaturen Cgm 201-1499 den Anfang des 19. Jahrhunderts vorhandenen Bestand, darunter – überwiegend als Säkularisationsgut – viele mittelalterliche Handschriften. Der Bereich von Cgm 1501-3587 beinhaltet die deutschsprachigen Codices bavarici (ehemals Cod.bav. 1501-3587), der Bestand ab Cgm 3601 bis 5154 bildet die nach Formaten aufgestellten Reste des Altbestandes und Neuerwerbungen unter Schmeller, ab Cgm 5155 erscheinen die späteren Neuerwerbungen in fortlaufender Folge.