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Mentelin-Bibel
Rar. 285, fol. 400v
Rar. 285
Papier, 406 Blätter, Straßburg vor 1466,
Holzdeckelband mit Schweinslederüberzug
 
Seit der Erfindung des Buchdrucks erschienen vor Luthers Übersetzung etwa vierzehn deutschsprachige Drucke, deren erster von dem Straßburger Drucker Johann Mentelin herausgebracht wurde. Mentelin hatte 1477 das Straßburger Bürgerrecht erworben und sich dort als Buchmaler und Notar, später als Drucker und Buchhändler betätigt. Nicht weniger als 42 Drucke gingen zwischen 1460 und 1477 aus seiner Werkstatt hervor, darunter an erster Stelle eine lateinische Bibelausgabe. Als einziger Inkunabeldrucker publizierte er neben philosophischen, theologischen und klassischen Werken höfische Dichtungen des Mittelalters, etwa die Erstausgaben des Parzival. Ein Kontakt zu Gutenberg ist nicht nachweisbar.
 
Die Seite zeigt ein Kapitel aus der Geheimen Offenbarung des Johannes: „Johannes appocalipsis: „Und er zeygt mir den floß des lebentigen wassers leuchtent als ein cristall.“
Die handschriftliche Druckvorlage, die Mentelin benutzte, ist nicht erhalten. Sie basierte auf einer Übersetzung, die im Nürnberger Raum entstanden war. Durch Mentelins Werk bekam sie eine große Verbreitung. Alle gedruckten Vollbibeln vor Luther gehen auf dieses zurück. Die sprachliche Kraft Luthers verdrängte allerdings später alle älteren Drucke.
 
Die Mentelin-Bibel ist kleiner als die Gutenberg-Bibel. Wegen der Wahl einer kleinen rundgotischen Type umfasste sie nur 406 Seiten (Gutenberg: 643 Seiten) und war daher einbändig. Der Buchschmuck wurde von Hand ergänzt.
 
 
Fächer: Deutsch, Geschichte, Religionslehre
 
Literatur:
  • Thesaurus librorum, 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 1983;
  • Lebendiges Büchererbe. Säkularisation, Mediatisierung und die Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 2003