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Freisinger Denkmäler

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Freisinger Denkmäler, Clm 6426
 
Freising, 2. Hälfte 10. Jahrhundert.
Pergament, I + 170 Bl., 25,5 x 20,5 cm.
Spätgotischer Holzdeckelband mit Lederüberzug (1958 restauriert). Provenienz: Domkapitel Freising.
 
Das „Missionshandbuch“ des Bischofs Abraham von Freising gehört zu den ehrwürdigsten und inhaltlich vielschichtigsten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek.
Es stellt ein einmaliges Denkmal der geistigen Kultur Bayerns in der späten Karolingerzeit und zugleich ein Zeugnis von immenser kultureller und nationaler Bedeutung für Slowenien dar.

Die schmucklose, von zahlreichen verschiedenen Händen in karolingischer Minuskel geschriebene Pergamenthandschrift ist größtenteils in Freising während der Amtszeit des Bischofs Abraham (957-994) entstanden. Sie enthält ein vielfältiges Corpus meist lateinischsprachiger homiletischer und liturgischer Textesowie einige Stücke aus dem weltlichen und dem Kirchenrecht. Besonders hervorzuheben sind mehrere authentische Predigten des Rather von Verona, die von den kulturellen Verbindungen zwischen Bayern und Oberitalien zeugen, sodann ein in unikaler Überlieferung erhaltener Judeneid und die ebenfalls nur hier erhaltenen Beschlüsse des bayerischen Landtags zu Ranshofen, die als erstes Territorialgesetz der deutschen Rechts- und Verfassungsgeschichte gelten. Kleinere griechische Textstücke gehören zu den seltenen Zeugnissen für die fortlebende Kenntnis dieser Sprache vor dem hohen Mittelalter.

Besondere Berühmtheit hat das Missionshandbuch des Bischofs Abraham durch die viel, bisweilen leider ohne Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts, erforschten slawischsprachigen Passagen erlangt. Auf insgesamt 9 der 338 Seiten (78rv, 158v-161v) befinden sich die sogenannten ,Freisinger Denkmäler’ (slowenisch ‚Brižinski spomeniki’), die nicht nur die mit Abstand frühesten Zeugnisse des Slowenischen und einer slawischen Sprache in lateinischer Schrift überhaupt sind, sondern zugleich eines der wichtigsten Dokumente der mittelalterlichen slawischen Kultur, der „Slavia christiana“. Wie die übrigen Texte des Codex entstanden sie im Zusammenhang mit der Missionstätigkeit des Bistums Freising, dessen Besitzungen sich auch auf Kärnten und Krain erstreckten. 

Die slawischen Textstücke beinhalten zwei Beichtformeln (Denkmal I und III) sowie eine Beichthomilie (Denkmal II). Das erste und das hier gezeigte dritte Freisinger Denkmal tragen deutliche Züge mündlicher Überlieferung, vermutlich da es sich um Texte handelt, die von den Gläubigen nachzusprechen waren. Das literarisch anspruchsvollste zweite Freisinger Denkmal hingegen läßt auf eine schriftsprachliche Vorlage schließen. Für alle drei Texte sind nicht erhaltene Übersetzungsvorlagen anzunehmen, über die in der Forschung jedoch keine Einigkeit besteht – in Betracht kommen althochdeutsche, eventuell aber auch anderssprachige, etwa im Patriarchat Aquileia, entstandene Texte (Aquileia spielte bei der westlichen Slawenmission ebenfalls eine wichtige Rolle). Zudem scheint es Beziehungen zu Texten der kyrillomethodianischen Mission zu geben.
 
Die Handschrift wurde vollständig digitalisiert und steht frei im Internet zur Verfügung:
Eine historisch-kritische elektronische Edition der "Freisinger Denkmäler" wurde von der Slowenischen Akademie der Wissenschaften erstellt:  http://nl.ijs.si/e-zrc/bs/index-en.html