Archiv Einzeldarstellung
18.10.04
Reichenauer Buchmalerei
Memory of the World - Gedächtnis der Menschheit wurde 1992 von der UNESCO ins Leben gerufen. Ziel dieses Programms ist es, historisch und kulturell bedeutsame Dokumente weltweit zugänglich zu machen und vor Vergessen oder Zerstörung zu bewahren. Das Register des Weltdokumentenerbes umfasst gegenwärtig 91 Dokumente aus 45 Ländern, darunter seit Ende 2003 zehn illuminierte Handschriften von der Klosterinsel Reichenau im Bodensee, die selbst im Jahr 2000 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Die Codices repräsentieren in herausragender Weise die ottonische Buchmalerei Deutschlands. Sie wurden wegen ihrer Stellung im Skriptorium, ihrer künstlerischen Neuerungen im Buchschmuck und den Darstellungsthemen der Miniaturen und ihrer Aussagekraft für die religiöse, politische und kulturgeschichtliche Situation ihrer Zeit ausgewählt. Sie stehen auch vertretend für jede weitere ottonische Handschrift der Reichenau.
Die Benediktinerabtei Reichenau besaß im 10. und 11. Jahrhundert die wohl größte und einflussreichste europäische Malschule. In ihrer Hauptblütezeit zwischen etwa 970 und 1010/20 entstanden dort im Auftrag der höchsten Kreise der damaligen Gesellschaft - Reichsbischöfe, Könige und Kaiser - eine Reihe meist liturgischer Prachthandschriften.
Mit lebhafter künstlerischer Phantasie und innovativer Kraft schufen Mönche große Kunstwerke, deren Schönheit und Vollkommenheit noch heute faszinieren. Als Inspirationsquellen dienten ihnen sowohl die karolingische Buchmalerei der Hofschule Karls des Großen als auch altchristliche und byzantinische Vorlagen. Die Forschung ordnet die Codices in Gruppen, die nach Schreibern, Künstlern oder Auftraggebern benannt sind.
Der Eburnant-Gruppe ist der Gero-Codex (Darmstadt), die älteste der zehn Handschriften zuzuordnen. Er wurde laut Widmung für den Kölner Erzbischof Gero gemalt und ist in seiner Rankenornamentik der St. Galler Buchmalerei verpflichtet.
Der Ruodprecht-Gruppe zugeschrieben sind als bedeutendste Handschriften der Egbert-Psalter (Cividale) und das Evangelistar aus der Abtei Poussay (Paris).
Der Egbert-Codex (Trier) wurde wie der Egbert-Psalter für den Erzbischof Egbert von Trier geschaffen. Er enthält 51 Miniaturen zu den Evangelien und damit wahrscheinlich den ersten geschlossenen Bilderzyklus zum Neuen Testament.
Die frühesten Werke der Liuthar-Gruppe sind fast gleichzeitig zu datieren. Ihr gehören die Prachthandschriften an, die die höchste Blüte der Reichenauer Malschule darstellen. Das Evangeliar Ottos III. (Aachen) stellt alle Bilder auf Goldgrund dar - eine epochale Neuerung in der abendländischen Buchmalerei. Der Daniel-Kommentar und die Bamberger Apokalypse (Bamberg) weisen erstaunliche Bildschöpfungen auf. Zu den kostbarsten Werken, die Kaiser Heinrich II. dem Bamberger Dom schenkte, zählen vermutlich die drei Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Evangeliar Ottos III. mit Prachteinband und luxuriöser Ausstattung wurde im Auftrag des Kaisers angefertigt. Es weist neben einer doppelseitigen Huldigung der Provinzen an den thronenden Kaiser u.a. einen chronologisch angelegten Bilderzyklus zum Leben Christi (29 hochformatige ganzseitige Miniaturen auf Goldgrund) auf. Als Hochleistung der Reichenauer Buchmalerei gelten die Darstellungen der vier "visionären" Evangelisten.
Das Evangeliar aus dem Bamberger Dom zeichnet sich durch ikonographische Besonderheiten aus, z.B. die Darstellung Christi im Lebensbaum umgeben von den Evangelistensymbolen und den Paradiesflüssen. In den Kanontafeln erscheinen die Tierkreiszeichen - eine ungewöhnliche, für die Malerei der Reichenau einmalige Verbindung. Das Perikopenbuch Heinrichs II. zeigt neben dem Widmungsbild, der Krönung Heinrichs und seiner Gemahlin Kunigunde durch Christus, einen Zyklus von 23 Miniaturen zum Neuen Testament. Besonders in den zweiseitigen Darstellungen kommen die monumentalen, ausdrucksstarken Figuren zur Geltung.
Der Ruodprecht-Gruppe zugeschrieben sind als bedeutendste Handschriften der Egbert-Psalter (Cividale) und das Evangelistar aus der Abtei Poussay (Paris).
Der Egbert-Codex (Trier) wurde wie der Egbert-Psalter für den Erzbischof Egbert von Trier geschaffen. Er enthält 51 Miniaturen zu den Evangelien und damit wahrscheinlich den ersten geschlossenen Bilderzyklus zum Neuen Testament.
Die frühesten Werke der Liuthar-Gruppe sind fast gleichzeitig zu datieren. Ihr gehören die Prachthandschriften an, die die höchste Blüte der Reichenauer Malschule darstellen. Das Evangeliar Ottos III. (Aachen) stellt alle Bilder auf Goldgrund dar - eine epochale Neuerung in der abendländischen Buchmalerei. Der Daniel-Kommentar und die Bamberger Apokalypse (Bamberg) weisen erstaunliche Bildschöpfungen auf. Zu den kostbarsten Werken, die Kaiser Heinrich II. dem Bamberger Dom schenkte, zählen vermutlich die drei Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Evangeliar Ottos III. mit Prachteinband und luxuriöser Ausstattung wurde im Auftrag des Kaisers angefertigt. Es weist neben einer doppelseitigen Huldigung der Provinzen an den thronenden Kaiser u.a. einen chronologisch angelegten Bilderzyklus zum Leben Christi (29 hochformatige ganzseitige Miniaturen auf Goldgrund) auf. Als Hochleistung der Reichenauer Buchmalerei gelten die Darstellungen der vier "visionären" Evangelisten.
Das Evangeliar aus dem Bamberger Dom zeichnet sich durch ikonographische Besonderheiten aus, z.B. die Darstellung Christi im Lebensbaum umgeben von den Evangelistensymbolen und den Paradiesflüssen. In den Kanontafeln erscheinen die Tierkreiszeichen - eine ungewöhnliche, für die Malerei der Reichenau einmalige Verbindung. Das Perikopenbuch Heinrichs II. zeigt neben dem Widmungsbild, der Krönung Heinrichs und seiner Gemahlin Kunigunde durch Christus, einen Zyklus von 23 Miniaturen zum Neuen Testament. Besonders in den zweiseitigen Darstellungen kommen die monumentalen, ausdrucksstarken Figuren zur Geltung.
Aachen (Domkapitel) | Evangeliar Ottos III. |
Bamberg (Staatsbibliothek) | Daniel-Kommentar (und Hohes Lied) Bamberger Apokalypse (und Evangelistar) |
Cividale del Friuli (Museo Archeologico Nazionale) | Egbert-Psalter |
Darmstadt (Hessische Landes- und Hochschulbibliothek) | Gero-Codex |
München (Bayerische Staatsbibliothek) | Evangeliar Ottos III. Perikopenbuch Heinrichs II. Evangeliar aus dem Bamberger Dom |
Paris (Bibliothèque nationale de France) | Evangelistar aus der Abtei Poussay |
Trier (Stadtbibliothek) | Egbert-Codex |
Anlässlich des Eintrags in das UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes zeigt die Bayerische Staatsbibliothek die zehn Handschriften in einer Faksimile- und Fotoausstellung. Als Höhepunkt werden die in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrten drei Originalcodices mit ihren Prachteinbänden aus Gold, Edelsteinen und Elfenbein in der Schatzkammer ausgestellt. Die Faksimile- und Fotoausstellung wird im Jahr 2005 auch auf der Insel Reichenau gezeigt.
Kontakt
Fachliche Fragen an
Dr. Béatrice Hernad
Tel.: 089/28638-2260, Fax: -2266
hernad@bsb-muenchen.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Dr. Manfred Hank | Peter Schnitzlein | |
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Die Ausstellung wird unterstützt vom Faksimile-Verlag, Luzern


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