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Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung

 
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Das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) der Bayerischen Staatsbibliothek ist ein international renommiertes Kompetenzzentrum für die Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes und steht seit nunmehr 60 Jahren für die konsequente Verbindung von praktischer Restaurierung und anwendungsorientierter Forschung zu Techniken und Materialien. Im Rahmen der institutionalisierten Kooperation der Bayerischen Staatsbibliothek und der Technischen Universität München ist das IBR für den Studienschwerpunkt „Buch und Papier“ des Bachelor- und des konsekutiven Masterstudiengangs „Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft“ verantwortlich. Darüber hinaus arbeitet das IBR aktiv in zahlreichen nationalen und internationalen Fachgremien.

Holzdeckelteile werden mit Carbonstäbchen wieder verbunden
Holzdeckelteile werden mit Carbonstäbchen wieder verbunden
Die zentrale Aufgabe des IBR ist die Erhaltung des wertvollen schriftlichen Kulturerbes der staatlichen wissenschaftlichen Bibliotheken durch Präventive Konservierung und Restaurierung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Bewahrung und Erhaltung der in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrten einzigartigen Bestände an Handschriften, Inkunabeln, alten Drucken, historischen Karten und Notendrucken sowie Nachlässen und Autographen, Bestände, die zu den bedeutendsten und größten Sammlungen der Welt zählen und besonders hohe Ansprüche an die Restaurierung/Konservierung stellen.
 
Weiterhin erbringt das IBR Beratungs- und Dienstleistungen für die staatlichen Bibliotheken in Bayern mit wertvollen historischen Beständen, insbesondere für die regionalen Staatlichen Bibliotheken und die Universitätsbibliotheken mit wertvollen historischen Beständen. Das IBR übernimmt die Konzeption und Vergabe von Restaurierungen und berät die Bibliotheken zu Bestandserhaltung, Präventiver Konservierung und Notfallplanung.

 
Restaurierung
Das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) betreut die wertvollen und einzigartigen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek und anderer bayerischer Bibliotheken. Die Restaurierungsprojekte gelten daher vor allem mittelalterlichen Handschriften, Inkunabeln, seltenen Drucken, Musikhandschriften und historischen Notendrucken, Atlanten und Karten sowie Nachlässen bedeutender Persönlichkeiten. Doch auch verschiedenartige Objekte aus anderen Kulturkreisen, beispielsweise Palmblatthandschriften, werden restauriert und konserviert. Eine fachgerechte Restaurierung dieser einzigartigen Objekte setzt ein umfangreiches Fachwissen über geeignete Methoden der Restaurierung und zur Restaurierungsethik voraus.

Stabilisierung von Malschicht mit Hausenblasenleim
Stabilisierung von Malschicht mit Hausenblasenleim
Bücher sind im Gegensatz zu den meisten anderen musealen Objekten immer einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt, da man ein Buch nicht nur von außen betrachten möchte, sondern sein Inhalt mit dem Text und der künstlerischen Ausstattung im Zentrum des Interesses steht. Das Restaurierungskonzept für ein Buch muss also immer die Konservierung mit dem Ziel der weiteren Benutzbarkeit des Buches verbinden. Daher muss vor jeder Restaurierung überlegt werden, welche Maßnahmen sich im konkreten Fall eignen.
Bei mittelalterlicher Buchmalerei zum Beispiel können im Lauf der Jahrhunderte verschiedene Schadensbilder an der Malschicht entstehen. Risse, Ausbrüche oder Abrieb bedrohen die prachtvoll gestalteten Seiten. Die Ursachen für diese Schadensbilder können in der Maltechnik, den Materialien sowie in äußeren Einflüssen liegen. Zur Sicherung der Malschicht werden unter dem Mikroskop zunächst Stabilitätstests durch minimales Berühren der Farbschollen mit einem sehr feinen Pinsel durchgeführt. Bei labilen Farbschollen wird das Festigungsmittel Hausenblasenleim mit einem Pinsel appliziert, während es bei pudernden Flächen als Aerosol zerstäubt aufgebracht wird.

Verschiedene gefärbte Fasern bilden die Grundlage für eine optimale Papierergänzung
Verschiedene gefärbte Fasern bilden die Grundlage für eine optimale Papierergänzung
Das IBR hat verschiedenste Restaurierungstechniken für Papier, Pergament, sowie bei Tinten- und Farbschaden erforscht und weiterentwickelt. So können heute Fehlstellen im Papier wieder unauffällig ergänzt werden. Dafür wird zum einen die Farbe des zu restaurierenden Papiers exakt bestimmt, zum anderen die Fehlstelle genau vermessen. Aus den Farbwerten, der Dicke des zu ergänzenden Papiers und der exakten Fläche der Fehlstelle lässt sich eine genaue Rezeptur errechnen, nach der man aus verschiedensten gefärbten Fasern eine perfekte Ergänzung des Papiers herstellen kann.





Buchseiten mit Tintenschaden werden mit einem acrylatbeschichteten Japanpapier laminiert
Buchseiten mit Tintenschaden werden mit einem acrylatbeschichteten Japanpapier laminiert
Ein weiteres weit verbreitetes Schadensbild bei Handschriften und kolorierten Seiten ist ein Abbau des Pergaments oder Papiers durch Metallionen und Säure in Tinten und Farben. Besonders betroffen sind Schriften, die mit Eisengallustinte geschrieben, und Malereien, die mit kupferhaltigen Pigmenten ausgeführt wurden. Die betroffenen Partien werden brüchig und es kommt zum Substanzverlust, während die Schadstoffe immer weiter in noch unbeschädigte Bereiche vordringen. Da Feuchtigkeit den Abbau nur noch beschleunigen würde, wurde am IBR ein Verfahren entwickelt, bei dem betroffene Bereiche mit einem acrylatbeschichteten, hauchdünnen Japanpapier laminiert werden. Bei diesem Verfahren wird ein weiterer Feuchtigkeitseintrag vermieden und die verlustgefährdeten Bereiche sind gesichert. Zur Schonung des Originals kann im Anschluss an die Restaurierung ein Digitalisat für die weitere Benutzung erstellt werden.


Digitalisierung
Für die Digitalisierung von Prachteinbänden werden individuelle Kissen angefertigt
Für die Digitalisierung von Prachteinbänden werden individuelle Kissen angefertigt
Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) und dem  Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) der Bayerischen Staatbibliothek ermöglicht die Digitalisierung der wertvollen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek unter den konservatorisch besten Bedingungen.
Nicht nur Handschriften, auch viele historische Druckwerke oder besondere Buchformen aus aller Welt benötigen eine intensive Betreuung durch die Restauratoren des IBR. Daher führen Restauratoren im Vorfeld eines Digitalisierungsprojekts eine konservatorische Prüfung zum Erhaltungszustand jedes einzelnen Objekts durch und legen die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung fest, etwa eine vorherige Restaurierung.



Ausstellungen
Buchstützen werden individuell an das Buch und die Ausstellungssituation angepasst
Buchstützen werden individuell an das Buch und die Ausstellungssituation angepasst
Auch im Vorfeld von Ausstellungen werden die Handschriften und Druckwerke durch die Restauratoren des IBR auf ihren Zustand geprüft. Um Schäden während der Ausstellungsdauer zu vermeiden, werden für die Exponate individuelle Buchstützen angefertigt, welche die Größe des Buches und den maximalen Öffnungswinkel berücksichtigen.
Restauratoren sorgen als Kuriere für den sicheren Transport der Bücher und überprüfen vor Ort die Einhaltung aller konservatorischen Aspekte wie die Beleuchtung mit maximal 50 Lux und die optimalen klimatischen Bedingungen, um jeglichen Schaden von den Exponaten abzuwenden.





Forschung
Berührungslose Infrarotspektroskopie ermöglicht die Untersuchung von empfindlichen Oberflächen
Berührungslose Infrarotspektroskopie ermöglicht die Untersuchung von empfindlichen Oberflächen
Der hohe restaurierungsethische Anspruch des IBR an eine minimalinvasive, nachhaltige und möglichst reversible Restaurierung verlangt eine kontinuierliche Weiter- und Neuentwicklung von Techniken, immer basierend auf den neuesten Erkenntnissen aus den Material- und Konservierungswissenschaften. Daher werden am IBR stetig neue Methoden der Restaurierung entwickelt, erprobt und nach positiver Evaluierung auch angewendet. Mechanische und chemische Analysen sowie künstliche Alterung gehören zu den Standardverfahren in der Evaluation.
Immer stärker treten auch kunsttechnologische und kunsthistorische Fragen in den Vordergrund, denen sich das IBR mit moderner Analytik - ohne Berührung und Probennahmen am Objekt - stellt. UV/Vis-, Infrarot- und Raman-Spektroskopie, Röntgenfluoreszenz und Polarisationsmikroskopie sind die eingesetzten Methoden, wenn es darum geht, Farbmittel, Mineralien, Metalle und Kunststoffe zu identifizieren.


Restauratorenausbildung im Masterstudium „Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft“, Studienschwerpunkt „Buch und Papier“
Das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) bildet im Studienschwerpunkt „Buch und Papier“ des konsekutiven Masterstudiengangs „Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft“ auf der Grundlage einer institutionellen  Kooperation zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek und der Technischen Universität München Restauratoren aus. Voraussetzung für das Studium dieses Schwerpunkts ist ein B.A.-Abschluss im Bereich Grafik, Archiv- und Bibliotheksgut.
 
Der Masterstudiengang „Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft“ an der Technischen Universität München reagiert mit seinem wissenschaftlich fundierten und praxisorientierten Lehrangebot auf die heutigen beruflichen Herausforderungen. Die enge Kooperation zwischen Technischer Universität und Bayerischer Staatsbibliothek ermöglicht den Studierenden in einem deutschlandweit einzigartigen Masterprogramm, sowohl von den interdisziplinären Möglichkeiten am Restaurierungscampus München als auch von den jahrzehntelangen Erfahrungen am Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung zu profitieren.


Mitarbeit in nationalen und internationalen Fachgremien
Das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) arbeitet aktiv in zahlreichen nationalen und internationalen Fachgremien mit, z.B. im Wissenschaftlichen Beirat „Brandfolgenmanagement“ an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, in der Arbeitsgemeinschaft Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksverbands e.V. (DBV), im Technical Committee 346 „Conservation of Cultural Heritage“ am Europäischen Komitee für Normung (CEN) sowie in der Sektion „Preservation and Conservation“ der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA).


Beratung, Kontakt
Das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung (IBR) berät zu Fragen der Restaurierung und Konservierung historischer Bücher. Sollten Sie Fragen zur Restaurierung und Konservierung von alten Büchern haben oder interessieren Sie sich für das Masterstudium „Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft“ mit dem Studienschwerpunkt „Buch und Papier“, können Sie sich einfach über das  Kontaktformular der Bayerischen Staatsbibliothek an das IBR wenden.