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Weltkarte aus Hartmann Schedels Weltchronik
Rar. 287, fol.12v und 13r
Rar. 287
von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff
 
Im 15. Jahrhundert bildete sich die Geographie zu einer eigenständigen Wissenschaft heraus. Ein Grund dafür war die Neuentdeckung der Werke des Ptolemäus. Um 1400 war eine Handschrift, eine Anleitung zur Herstellung geographischer Karten, nach Florenz gebracht worden. Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurden die Werke des 63 v. Chr. geborenen Griechen Strabo wieder entdeckt. 1470 wurde seine „Geographie“ gedruckt. Sie hatte jedoch nur geringen Einfluss auf Deutschland.
 
Die Wende zur Neuzeit war eine Zeit großer Entdeckungen: 1487 – 88 war die Südspitze Afrikas von Bartholomeu Diaz umfahren worden. 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Kuba und Haiti. Dazu kamen Entdeckungsreisen von Amerigo Vespucci und Vasco da Gama. 1482 brachte der Ulmer Lienhart Holl eine lateinische Ausgabe des Ptolemäus heraus, die erste außerhalb Italiens. 1513 wurde diese „Geographie“ durch die zeitgenössischen Erkenntnisse erweitert. Die im Bild gezeigte Weltkarte (mit den drei damals bekannten Weltteilen) geht auf ptolemäische Tradition zurück und ist in der Weltchronik entsprechend der chronologischen Abfolge im zweiten Weltalter, nämlich in der Genesis bei der Verteilung der Welt unter die Söhne Noahs platziert. Das Bild spiegelt das große Interesse Schedels für Geographie wider, wie es auch aus den vielen Titeln seiner großen Bibliothek erkennbar ist. Antike und mittelalterliche Verfasser, Reise- und Entdeckungsberichte fanden Platz in seiner Handschriften- und Inkunabelsammlung. Der Text lässt offen, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist. 


Fächer: Geographie, Geschichte
 
Literatur:
  • Die Graphiksammlung des Humanisten Hartmann Schedel. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1990;
  • Kulturkosmos der Renaissance. Die Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 2008