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Wolfram von Eschenbach: Willehalm
Cgm 193,III, fol. 1r
Cgm 193,III
Pergament, 8 Blätter,
Umkreis Quedlinburg/Halberstadt um 1270–1275
 
Das Epos Willehalm wurde von Wolfram von Eschenbach nach dem Parzival etwa in den Jahren 1210 – 1215 gedichtet. Die Quelle des unvollendet wirkenden Werkes ist Wolfram von Landgraf Hermann I. von Thüringen vermittelt worden. Es handelt sich dabei um ein in den Einzelheiten nicht bekanntes französisches Epos, „Aliscans“, das die Kriege Karls des Großen und seiner Nachfolger zum Inhalt hat.
 
Willehalm, Markgraf der Provence, ist von den Heiden gefangen genommen worden, entkommt aber mit Arabel, der Tochter des Sarazenenkönigs Terramer, die sich taufen lässt und als Gyburc Willehalms Frau wird. Die Sarazenen, die sich dafür rächen wollen, werden nach heftigen Kämpfen besiegt. Wolfram ergänzt das äußere Geschehen durch tiefe menschliche Züge.  
 
Das hier gezeigte Blatt (1r und 1v) ist eines von insgesamt zehn erhaltenen Fragmenten. Die Darstellungen nehmen fortlaufend neben der schmaleren, in regelmäßiger Textura geschriebenen inneren Textleiste den größeren äußeren Teil jeder Seite ein. Die rahmenlosen, meist in drei Reihen gesetzten Illustrationen sind ganz auf die Figuren konzentriert. Der Held des Epos ist durch einen goldenen Stern über seinem Kopf oder auf seinem Schild gekennzeichnet. 1r zeigt Willehalm mit seiner Mutter, mit der französischen Königin und mit Gyburc. Im Mittelteil zeigt die eingefügte Figur des Dichters durch die überkreuzten Arme die Fähigkeit, die vorher uneinigen Akteure zu einer gemeinsamen Haltung und Handlung zu bringen. Auf fol. 1v trauert Willehalm um seine gefallenen Gefährten. Im oberen Teil stellt der Dichter das Leid Willehalms dar, das so groß ist, dass selbst Heiden und Juden (links im Bild) sich erbarmen müssten.
 
Der Codex war mit ursprünglich 1300 Bildern „die wohl am reichsten illuminierte deutsche Handschrift des Mittelalters“. Möglicherweise wurde sie schon im 16. Jahrhundert zerschnitten und als Einbandmaterial verwendet.
 
 
Fächer: Deutsch, Geschichte+
 
Literatur:
  • Die deutschen Pergament-Handschriften Nr. 1-200 der Staatsbibliothek in München, beschrieben von Erich Petzet. München 1920;
  • 400 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1958;
  • Treasures of the Bavarian State Library. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1970;
  • Deutsche Literatur des Mittelalters. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 2003