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Treppenhaus
Das Treppenhaus vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg
Das Treppenhaus im Innern des Mittelbaus
 
Das repräsentative Treppenhaus im Innern des Mittelbaus, dessen Benützung der König sich allein vorbehielt, wurde mehrfach nachgeahmt. Seine Wirkung muss schier überwältigend gewesen sein. Aus der fensterlosen, seinerzeit dämmrigen Eingangshalle – seitlich davon lagen die Räume des Bayerischen Reichsarchivs – stieg der Ankömmling über die 54 Stufen der breiten Treppe hinauf in das helle Licht der Wissenschaft, beschirmt von dem imposanten, in ganzer Fläche freskierten und ornamentierten Gewölbe. Allegorien der Künste und Wissenschaften in den Stichkappen des Gewölbes, Darstellungen berühmter Gelehrter, aber auch Porträts des Architekten Friedrich von Gärtner und des seinerzeitigen Oberbibliothekars Philipp Lichtenthaler versinnbildlichten den Anspruch der königlichen Hof- und Staatsbibliothek, Wissenschaft, Religion und Kunst gleichermaßen in sich zu begreifen. 
 
An die große Treppe schloss sich im ersten Obergeschoß unmittelbar die Buchausleihe an. Der Rückteil des Gebäudes beherbergte den allgemeinen Lesesaal, den Katalograum, das "Journalzimmer" und die Büros der Mitarbeiter. In der Südwestecke war der Handschriftenlesesaal untergebracht. Bei der sonstigen Raumanordnung dominierte das Prinzip der Bücheraufstellung in fachlich gegliederten Büchersälen mit Galerien und Wandregalen. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Nordflügel ein erster moderner, vom Erdgeschoß bis unters Dach reichender Magazintrakt eingezogen. 
 
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wiederholt von Bomben getroffen. Großen Schaden verursachte bereits die erste Attacke in der Nacht vom 9. zum 10. März 1943, als Phosphorbomben den Mittelbau in Brand setzten, der Wind das Großfeuer weiter anfachte, und etwa ein Fünftel des Buchbestandes verbrannte. 1944 wurde, nach weiteren Angriffen, der Benützungsbetrieb eingestellt; im Mai 1945 war der Bau praktisch eine Ruine. 
 
Schon bald nach Kriegsende begann unter der Leitung der renommierten Architekten Hans Döllgast und Sep Ruf der Wiederaufbau. Das Treppenhaus stellte man karg und schmucklos wieder her. Der obere Treppenabsatz wurde dabei um zwei Fensterachsen verlängert, so dass er heute vier Bogenfelder mehr aufweist. Das Gewölbe blieb einfarbig weiß; Fensterbögen und Wandflächen wurden schlicht braunrot gestrichen. Selbst in dieser Form aber beeindruckte das Treppenhaus noch immer. 
 
Seit dem Jahr 2003 bemühten sich die Förderer und Freunde der Bayerischen Staatsbibliothek um eine Wiederherstellung zumindest der 22 Fensterbögen und der östlichen Schildwand des Treppenhauses im Sinne Friedrich von Gärtners. 2005 wurde ein Musterfenster angelegt, und dessen werbende Kraft half, die nötigen Spendenmittel zusammenzubringen. Im März 2007 begannen die Arbeiten; im Oktober waren die 22 Fensterbögen und die Schildwand vollendet. 
 
Vom ästhetischen Konzept der Erbauer ist damit ein gutes Teil zurückgewonnen, das Gewölbe freilich bleibt − vorerst? − weiß. An ihm scheiden sich die Geister. Die einen warnen davor, den Bogen zu überspannen, und raten, das Gewölbe zu lassen, wie es ist; die anderen hoffen, dass die Pracht der Fensterbögen und der Stirnwand den Wunsch laut werden lässt, auch das Gewölbe in einer dem Gärtnerschen Entwurf nahekommenden Form und Farbigkeit zu restaurieren. Die Frage kann getrost der Zukunft überlassen bleiben. Freuen wir uns mit der Bayerischen Staatsbibliothek über die Glanzlichter, die die wiedererstandenen Fensterbögen und die Stirnwand in ihrem Hause setzen. 
 
Die Wiederherstellung der Fenster und der Schildwand ermöglichten
Dr. Michael Albert  (Buch)
Prof. Dr. Roland Berger  (Binärcode)
Familie Dr. Andreas Biagosch (Herodot) 
Charlotte und Nikolaus von Bomhard (Goethe)
Manfred Dierig (Galilei)
Christopher Marcus Dürrmeier (Calderon)
Hanns-Jörg Dürrmeier (Corneille)
Förderer und Freunde der Bayerischen Staatsbibliothek e.V.   (Schriftrolle)
Christian Geissler (Johannes von Müller)
Fritz Haberl (Schiller)
Karl Alexander Haeusgen (Dante)
Dr. Clemens Haindl (Vergil)
Ana Maria, Stefan und Julian Heyd (Kepler)
Dr. Dirk Ippen (Platon)
Axel und Cornelia Müller-Vivil (Tacitus)
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Aktiengesellschaft in München (Schildwand)
Ingeborg Pleischl (Linné)
Robert Salzl (Camões)
Prof. Dr. Max Michael Schlereth (Shakespeare)
Stefan Schörghuber (Newton)
Dr. Martin Steinmeyer (Kopernikus)
Stiftung Straßenkunst der Stadtsparkasse München  (Notenblatt)
Dr. Dietrich und Gudrun Wolf  (Tycho Brahe)