Serbischer Psalter
Serbischer Psalter, Cod. slav. 4
Die Einzigartigkeit der Handschrift machen in erster Linie die 148 häufig ganzseitigen Miniaturen aus, die seit dem Ende des letzten Jahrhunderts Gegenstand der Forschung sind. Sie stehen einerseits in der Tradition byzantinischer Psalmenillustrationen, aber auch Psalmenauslegungungen, andererseits sind sie deutlich von der Ikonographie der Kirchenmalerei Serbiens beeinflusst. Für die meisten Miniaturen gibt es Parallelen in der byzantinischen und slawischen Tradition der Psalterillustration; einige Miniaturen haben lediglich in einem etwas älteren bulgarischen Psalter (Tomić-Psalter, Moskau) Entsprechungen, andere wiederum sind nur in dieser einen Handschrift bezeugt. Diese Tatsache wird als Indiz dafür gewertet, daß der Serbische Psalter in einer Zeit entstand, da ein kanonischer Illustrationstypus für die Psalmen nicht mehr existierte bzw. keine uneingeschränkte Gültigkeit hatte.
Die Sprache des Psalters ist das Kirchenslawische serbischer Redaktion, die Schrift eine alte kyrillische Unziale. Lediglich die rot geschriebenen Bildlegenden, die offenbar von einem zweiten Schreiber stammen, sind, da sie keinen biblisch-liturgischen Text darstellen, sprachlich wie paläographisch weniger gehoben: ihr Slawisch trägt deutlich mehr volkssprachliche (serbische) Züge, die Schrift ist die kleinere Halbunziale. Die Forschung hat gezeigt, dass es sich bei den Psalmentexten teils um Übersetzungen direkt aus verschiedenen griechisch-byzantinischen Originalen, teils um Übernahmen aus slawischen Vorlagen handelt.
Die aufgeschlagenen Seiten zeigen Psalm 88,13 („Ob deinem Namen jauchzen Tabor auf und Hermon“) mit einem Bild der Verklärung („prěobraženie“) – eine Verbindung, die in slawischen und griechischen Psalmenkommentaren sehr häufig ist. Die Ikonographie ist typisch für die spätbyzantinische Kunst: Auf zerklüfteten Bergen steht Christus in einer Mandorla mit den adorierenden Propheten Elias, der seine unbedeckten Hände ausstreckt, und Moses, der sich mit verhüllten Händen neigt. Am Fuße des mittleren Berges bezeugen die drei Apostel Petrus (links) und Jakobus (rechts), die ihr Gesicht vor den Strahlen der göttlichen Glorie schützen, sowie Johannes, der kopfüber zu Boden gestürzt ist, das Geschehen.
Serbien, Ende 14. Jahrhundert. Papier, 1+231 Bl., 28 x 19,5 cm. Holzdeckelband mit Lederüberzug von 1629 (1974 restauriert).
Provenienz: Benediktinerkloster St. Emmeram in Regensburg.
Provenienz: Benediktinerkloster St. Emmeram in Regensburg.
Der ‚Serbische Psalter’ gilt als das Hauptwerk der Buchmalerei aus dem mittelalterlichen Serbien. Er stellt ein singuläres Zeugnis serbischer, von Orthodoxie und byzantinischer Bildungstradition geprägter Kultur dar, zu einer Zeit, als diese durch die sich ausdehnende osmanische Herrschaft in ihrer Existenz bedroht wurde. Die Handschrift wurde vermutlich für den serbischen Fürsten Lazar, der in der entscheidenden Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Türken 1389 den Tod fand, oder für seinen Sohn Stefan Lazarević (gest. 1427) geschaffen. Im 15. Jh. befand sie sich im Besitz der serbischen Fürstenfamilie Branković, im 17. Jh. im Kloster Pribina Glava in der Fruška Gora (Sirmien). Im Zuge der Türkenkriege gelangte sie in den Besitz von Wolfgang Heinrich von Gemell zu Flischbach, der den Codex 1689 dem Kloster Gotteszell im Bayerischen Wald schenkte, von wo er 1782 nach St. Emmeram in Regensburg gelangte.
Die Einzigartigkeit der Handschrift machen in erster Linie die 148 häufig ganzseitigen Miniaturen aus, die seit dem Ende des letzten Jahrhunderts Gegenstand der Forschung sind. Sie stehen einerseits in der Tradition byzantinischer Psalmenillustrationen, aber auch Psalmenauslegungungen, andererseits sind sie deutlich von der Ikonographie der Kirchenmalerei Serbiens beeinflusst. Für die meisten Miniaturen gibt es Parallelen in der byzantinischen und slawischen Tradition der Psalterillustration; einige Miniaturen haben lediglich in einem etwas älteren bulgarischen Psalter (Tomić-Psalter, Moskau) Entsprechungen, andere wiederum sind nur in dieser einen Handschrift bezeugt. Diese Tatsache wird als Indiz dafür gewertet, daß der Serbische Psalter in einer Zeit entstand, da ein kanonischer Illustrationstypus für die Psalmen nicht mehr existierte bzw. keine uneingeschränkte Gültigkeit hatte.
Die Sprache des Psalters ist das Kirchenslawische serbischer Redaktion, die Schrift eine alte kyrillische Unziale. Lediglich die rot geschriebenen Bildlegenden, die offenbar von einem zweiten Schreiber stammen, sind, da sie keinen biblisch-liturgischen Text darstellen, sprachlich wie paläographisch weniger gehoben: ihr Slawisch trägt deutlich mehr volkssprachliche (serbische) Züge, die Schrift ist die kleinere Halbunziale. Die Forschung hat gezeigt, dass es sich bei den Psalmentexten teils um Übersetzungen direkt aus verschiedenen griechisch-byzantinischen Originalen, teils um Übernahmen aus slawischen Vorlagen handelt.
Die aufgeschlagenen Seiten zeigen Psalm 88,13 („Ob deinem Namen jauchzen Tabor auf und Hermon“) mit einem Bild der Verklärung („prěobraženie“) – eine Verbindung, die in slawischen und griechischen Psalmenkommentaren sehr häufig ist. Die Ikonographie ist typisch für die spätbyzantinische Kunst: Auf zerklüfteten Bergen steht Christus in einer Mandorla mit den adorierenden Propheten Elias, der seine unbedeckten Hände ausstreckt, und Moses, der sich mit verhüllten Händen neigt. Am Fuße des mittleren Berges bezeugen die drei Apostel Petrus (links) und Jakobus (rechts), die ihr Gesicht vor den Strahlen der göttlichen Glorie schützen, sowie Johannes, der kopfüber zu Boden gestürzt ist, das Geschehen.



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