Schedelsche Weltchronik
Rar. 287
366 Blätter, Nürnbert 1493,
Holzschnitte von Michael Wohlgemut und Wilhelm Pleydenwurff
Holzschnitte von Michael Wohlgemut und Wilhelm Pleydenwurff
Bei dem „wohl ehrgeizigste(n) Buchunternehmen der Inkunabelzeit“ (B. Wagner) wirkten mehrere Nürnberger Bürger als Geldgeber, Künstler, Literaten oder Drucker mit. Hartmann Schedel selbst übernahm die Textgestaltung, bei der er zum großen Teil auf ältere Werke zurückgriff. Die Illustrationen fertigten die berühmten Kunsthandwerker Michael Wohlgemut und Wilhelm Pleydenwurff. Unter der Leitung von Anton Koberger benötigten für die über 1800 Illustrationen 100 Setzer und Drucker an 18 Pressen fünfzehn Monate. Die lateinische Edition verbreitete sich in ganz Europa. 800 Exemplare haben sich bis heute noch erhalten.
In der Bayerischen Staatsbibliothek befindet sich das wichtigste Exemplar, das Handexemplar von Hartmann Schedel. Darin klebte der Humanist zahlreiche Miniaturen, Holzschnitte und Kupferstiche ein und sorgte so für ihre Erhaltung.
Im 15. Jahrhundert bildete sich die Geographie zu einer eigenständigen Wissenschaft heraus. Ein Grund dafür war die Neuentdeckung der Werke des Ptolemäus. Um 1400 war eine Handschrift, eine Anleitung zur Herstellung geographischer Karten, nach Florenz gebracht worden. Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurden die Werke des 63 v. Chr. geborenen Griechen Strabo wieder entdeckt. 1470 wurde seine „Geographie“ gedruckt. Sie hatte jedoch nur geringen Einfluss auf Deutschland.
Die Wende zur Neuzeit war eine Zeit großer Entdeckungen: 1487 – 88 war die Südspitze Afrikas von Bartholomeu Diaz umfahren worden. 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Kuba und Haiti. Dazu kamen Entdeckungsreisen von Amerigo Vespucci und Vasco da Gama. 1482 brachte der Ulmer Lienhart Holl eine lateinische Ausgabe des Ptolemäus heraus, die erste außerhalb Italiens. 1513 wurde diese „Geographie“ durch die zeitgenössischen Erkenntnisse erweitert. Die in der Abbildung 2 gezeigte Weltkarte (mit den drei damals bekannten Weltteilen) geht auf ptolemäische Tradition zurück und ist in der Weltchronik entsprechend der chronologischen Abfolge im zweiten Weltalter, nämlich in der Genesis bei der Verteilung der Welt unter die Söhne Noahs platziert. Das Bild spiegelt das große Interesse Schedels für Geographie wider, wie es auch aus den vielen Titeln seiner großen Bibliothek erkennbar ist. Antike und mittelalterliche Verfasser, Reise- und Entdeckungsberichte fanden Platz in seiner Handschriften- und Inkunabelsammlung. Der Text lässt offen, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist.
Fächer: Geographie, Geschichte, Kunst, Religionslehre
Literatur:
- Treasures of the Bavarian State Library. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1970;
- Thesaurus librorum. 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 1983;
- Kulturkosmos der Renaissance. Die Gründung der Bayerischen Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 2008
- Als die Lettern laufen lernten. Medienwandel im 15. Jahrhundert. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 2009
Thematische Übersicht:
Die Graphiksammlung Hartmann Schedels



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