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Perikopenbuch Heinrichs II.
Clm 4452, fol. 2r
Clm 4452
 
Der Codex gehört ohne Zweifel zu den berühmtesten Werken des Mittelalters. Kaiser Heinrich II. schenkte es dem Bamberger Dom. Die Prachthandschrift verdankt ihren Ruhm den reichen Ausschmückungen mit den hervorragenden Malereien der Liuthar – Gruppe des Klosters auf der Reichenau, „des bedeutendsten und produktivsten Kunstzentrums seiner Zeit“ (R. Kahsnitz). Der Prachteinband steigert die Preziosität des Werkes. Der Vorderdeckel vereint mit der Elfenbeintafel aus der Hofschule Karls des Kahlen, einem der besten Arbeiten der Liuthar-Gruppe um 870, den Emailplättchen aus Konstantinopel und den Edelsteinen und Perlen einige der schönsten Werke der karolingischen, byzantinischen und ottonischen Kunst.
 
Schon vor der Säkularisation schätzte man dieses Werk hoch. Bereits 1723 beschrieben die Jesuiten, die die Acta Sanctorum herausgaben, das Perikopenbuch.
 
Die Abbildung zeigt die Krönung Heinrichs und seiner Gemahlin Kunigunde durch Christus. Das Bild ist in zwei Bereiche geteilt: In der oberen Bildhälfte krönt Christus Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus, die Patrone des Bamberger Doms, präsentieren das Paar dem Herrn des Alls. In der unteren Bildhälfte überragen drei weibliche Personifikationen sechs kleinere Halbfiguren. Die mittlere Person wird als Roma oder Italia gedeutet, zu ihren Seiten Gallia und Germania. Die sechs kleineren Figuren stellen wohl die sechs Herzogtümer Bayerns dar: Bayern, Schwaben, Franken, Sachsen, Nieder- und Oberlothringen. Sie bringen, wie die Inschrift zeigt, den Census, die Steuer, dar. Die Inschrift über der Krönung lautet: „Tractando iustum discernite semper honestum/ utile conveniat consultum legis ut optat"
 
Das zweite Bild stellt die Geburt Christi dar. Die Mitte des Bildes nimmt das ganz in Windeln eingewickelte Kind ein. Zu beiden Seiten huldigen Joseph und Maria,die auf ihrem Lager im Wochen-bett liegt. Unterhalb des Christuskinds erscheint ein Engel; das Symbol des Evangelisten Matthäus. Links oben ist die Stadt Bethlehem zu sehen, der Ort des heiligen Geschehens. Zwei Engel am oberen rechten Rand huldigen dem Erlöser mit ausgestreckten Armen. Ochs und Esel sind Repräsentanten des Judentums und Heidentums.
 
Fächer: Geschichte, Kunst, Religionslehre
 
Literatur:
  • Halm, Karl (Hsg.): Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Regiae Monacensis. Bd. III. Catalogus codicum latinorum. Teil II: Clm 2501-5250. München 1894;
  • 400 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 1958;
  • Thesaurus librorum. 425 Jahre Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Wiesbaden 1983;
  • Zierde für ewige Zeit. Das Perikopenbuch Heinrichs II. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. Frankfurt a. M. 1994;
  • Prachteinbände 870 – 1685. Schätze aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 2001;
  • Lebendiges Büchererbe. Säkularisation, Mediatisierung und die Bayerische Staatsbibliothek. Ausstellungskatalog der Bayerischen Staatsbibliothek. München 2003