Die Osteuropa-Bestände reichen in die Gründerzeit der Bibliothek zurück. Bereits in der Sammlung Widmanstetter befanden sich einige Slavica: ein serbisch- kirchenslawisches Psalterium von 1546, das alttschechische "Wörterbuch" von Sigismundus Gelenius von 1537 und das religiöse Epos "Judith" von Marko Marulić von 1522. Zum wertvollen Altbestand gehören ferner einige Tübinger und Wittenberger Drucke kroatischer und slowenischer Reformatoren.
Die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts war auch für die Entwicklung der Osteuropa-Bestände von großer Bedeutung. Zu dieser Zeit gelangten nicht nur lateinische Werke zur Geographie und Geschichte Osteuropas in die Bibliothek, sondern auch einige wertvolle slawische Handschriften. Genannt seien hier wenigstens ein umfangreicher Codex, der u.a. die bisher älteste slawische Handschrift der Welt in lateinischer Schrift, die sogenannten
Abgesehen von diesen Kostbarkeiten bilden die Slavica, verglichen etwa mit der Fülle italienischer und französischer Literatur, lange Zeit eher eine bescheidene Gruppe. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte die Bibliothek planmäßig Werke zur slawischen Philologie und zur Geschichte Osteuropas. Verstärkt hat sich diese Aktivität noch, als die Bibliothek im Zusammenhang mit der Gründung des Lehrstuhls für Slawische Philologie an der Universität München 1911 ein slawisches Referat einrichtete. Von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war auch der Osteuropa-Bestand stark betroffen, vor allem bei den Akademieschriften und dem Fach "Turcica", in dem sich große Teile der historischen und geographischen Literatur Südosteuropas befanden.
In der Nachkriegszeit wurden die Verluste des Jahres 1943 vor allem im Bereich der Akademieschriften mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft weitgehend durch Wiederbeschaffung oder Kopien behoben. Die seit den 60er Jahren rasant steigende Buchproduktion in den ost- ostmittel- und südosteuropäischen Ländern ließ den Bestand schnell anwachsen, so dass er 2005 einen Umfang von 890.000 Bänden erreicht hat. In den vergangenen Jahren werden auch zunehmend elektronische Medien erworben.

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