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Orientalische und asiatische Handschriften
Koran aus Sevilla, Cod.arab. 1, fol. 129v und 130r
Durch den Ankauf der Bibliothek des Diplomaten und Orientalisten Johann Albrecht Widmanstetter kamen bereits bei der Gründung der Bibliothek ca. 200 orientalische Handschriften in arabischer, armenischer, hebräischer und syrischer Sprache in die Münchner Hofbibliothek. Von der Säkularisation profitierte die orientalische Sammlung nur von wenigen, dafür umso bedeutenderen Handschriften wie dem weltberühmten  Babylonischen Talmud.
 
Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche orientalische Handschriften durch Privatkäufe erworben, die für einschlägige Lehrstühle und deren Literaturbedarf erforderlich waren. Die spektakulärste Erwerbung war der Ankauf der Bibliothek Etienne Quatremeres, die 1.250 Handschriften aus dem Nahen Osten und aus Indien enthielt. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden auch Handschriften aus Ost- und Südostasien erworben. Durch Sammelankäufe wurde der Grundstock der angesehenen Sinica-Sammlung gelegt.
 
Die Sammlung wurde auch im 20. Jahrhundert kontinuierlich ausgebaut. Heute besitzt die Bibliothek ca.  18.200 orientalische und asiatische Handschriften in über 50 Sprachen. Zu ihnen zählen auch ca. 800 altsüdarabische Holzinschriften und  Hieroglyphen- und Keilschrifttexte. Die Beschreibstoffe sind ungewöhnlich vielfältig: Papyrus, Papier, Leder, Pergament, Palmblatt, Dluwang, Birkenrinde, Bambus, Holz, Stoff, Elfenbein, Knochen, Stein, Gold, Silber und andere Metalle
 
Besondere Beachtung verdienen die Prachtkorane unter den arabischen Handschriften, die persischen Miniaturhandschriften und Lackeinbände, die tibetischen Buchdeckel und die Handschriften der Völker Südostasiens (Shan, Yao u.a.). Die BSB verfügt mit ca. 2800 Yao-Handschriften über den bedeutendsten Bestand dieser Art in der westlichen Welt. Als eine der wenigen Bibliotheken außerhalb des Jemen ist die BSB im Besitz von 800 altsabäischen Holzinschriften, die erst in den letzten Jahren teilweise entziffert wurden. Bedeutsame Einzelstücke sind ein hebräisches Machsor, Kaswinis Kosmographie (1280), ein armenisches Evangeliar mit Miniaturen (1278) eine 83 m lange Rolle mit dem indischen Epos Mahabharata, eine tibetische Handschrift mit dem Daumenabdruck des 5. Dalai Lama, Gold- und Silberblätter aus Birma, ein buddhistisches Sutra aus der Tempyo-Periode Japans (8. Jh.) und ein Blau-Gold-Sutra aus der Heian-Periode aus dem 12. Jh. Unter den chinesischen Handschriften sind zweifellos die Dunhuang-Handschriften die wertvollsten, gefolgt von einer auf kaiserlichen Befehl angefertigten ming-zeitlichen Abschrift des Tang-Gesetzbuches aus der Hanlin-Akademie. Zu erwähnen sind auch verschiedene teils zweisprachige (manjurisch-chinesisch) Erlasse und Urkunden.