Geschichte der orientalischen Sammlung
Bei ihrer Gründung besaß die Hofbibliothek durch die Bestände Widmanstetters und Fuggers eine der bedeutendsten Orientalia-Sammlungen. Während im 17. und 18. die Sammlung nur in geringem Ausmaß erweitert wurde, erfuhr sie im 19. Jahrhundert durch die Säkularisation der bayerischen Klöster, die Verlegung der Mannheimer Hofbibliothek nach München und Privatankäufe einen erheblichen Zuwachs. Mit der Säkularisation gelangten orientalische Handschriften und Drucke in die Bibliothek, darunter der weltberühmte
Babylonische Talmud. Aus der Mannheimer Hofbibliothek kamen ca. 560 wertvolle hebräische und jiddische Drucke in die Bibliothek. Mit dem Aufkommen der modernen Orientwissenschaften wurde die orientalische Sammlung seit der Mitte des 19. Jh. in großem Umfang ausgebaut. Die spektakulärste Erwerbung war 1858 der Ankauf der Bibliothek des französischen Orientalisten Étienne Quatremère, die 1250 islamische Handschriften und zahlreiche orientalische Drucke umfasste. Weitere bedeutende Ankäufe waren im 19. Jahrhundert die Sammlungen des Orientalisten Marcus Joseph Müller, des Indologen Martin Haug, des Jemen-Reisenden Giuseppe Caprotti sowie der Indologen Julius Jolly und Ernst Trumpp. Im 20. Jahrhundert wurde die Sammlung kontinuierlich erweitert und konnte bis auf die orientalischen Bibeln größtenteils den zweiten Weltkrieg unversehrt überstehen. Im letzten Drittel des 20. Jhs. ergänzten bedeutende Erwerbungen, insbesondere prachtvolle Koranhandschriften den orientalischen Bestand.

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