Die „Handschrift“ (eine Übersetzung des lat. manu scriptum) als Bezeichnung für ein konkretes Buch ist die häufigste Überlieferungsform für Literatur bis zur Erfindung des Buchdrucks. Seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert trat an die Stelle der Buchrolle (lat. volumen) allmählich der aus gefalteten Blättern bestehende Codex. Die aus dem Lateinischen stammende Bezeichnung codex für Handschrift bedeutete ursprünglich nur den aus Holz gefertigten Deckel des Buches, wurde aber in einer Bedeutungserweiterung auch für das Ganze des Buches verwendet.
Die Handschrift war nicht an ein bestimmtes Material gebunden. Verwendet wurde Papyrus, Baumrinde, Leinen oder Pergament. Mit dem Bau der ersten Papiermühlen in Spanien (Ende des 11. Jahrhunderts) und in Oberitalien (Mitte des 13. Jahrhunderts) verlor das Pergament als Beschreibstoff mehr und mehr an Bedeutung und das in China im 1. Jahrhundert v. Chr. erfundene Papier wurde immer häufiger verwendet. Dies war Voraussetzung für eine gesteigerte Handschriftenproduktion im späten Mittelalter.
Die Handschrift war nicht an ein bestimmtes Material gebunden. Verwendet wurde Papyrus, Baumrinde, Leinen oder Pergament. Mit dem Bau der ersten Papiermühlen in Spanien (Ende des 11. Jahrhunderts) und in Oberitalien (Mitte des 13. Jahrhunderts) verlor das Pergament als Beschreibstoff mehr und mehr an Bedeutung und das in China im 1. Jahrhundert v. Chr. erfundene Papier wurde immer häufiger verwendet. Dies war Voraussetzung für eine gesteigerte Handschriftenproduktion im späten Mittelalter.
Die Skriptorien (Schreibstuben) der Klöster waren zunächst bevorzugte Orte der Produktion, es folgten die Kathedralschulen und im 13. Jahrhundert die Universitäten. Noch blieb aber das Schreiben eine Kompetenz einer kleinen Schicht, vor allem von Klerikern. Thomas von Aquin etwa schrieb seine Werke mit eigener Hand. Im Spätmittelalter kamen gewerbsmäßig betriebene Schreibstuben hinzu mit einer bereits erkennbaren arbeitsteiligen Produktion.
Eine Handschrift konnte ein einzelnes Werk (Einzelhandschrift) oder eine Textsammlung (Sammelhandschrift) umfassen. Neben dem Schreiber war der Buchmaler an der Herstellung beteiligt. Die Blätter wurden meist ein- oder zweispaltig, seltener dreispaltig beschrieben.
Die Buchmalerei (Illuminierung) bestand entweder aus transparenten oder deckenden Farben oder aus Schmuckformen, die mit einer Feder gezeichnet wurden. Rezept- oder Malbücher sind dazu seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. überliefert. Die grundsätzliche Technik hat sich bis ins 16. Jahrhundert nicht verändert. Die Tradition hatte ein solches Gewicht, dass noch die Inkunabeldrucke das Aussehen illuminierter Handschriften übernahmen. Die Malerei konnte rein dekorativen Charakter haben, aber auch der Hervorhebung wichtiger Passagen dienen oder einen bedeutenden Inhalt visuell eingehender vermitteln. Literarische und historische Werke boten Möglichkeiten zu narrativen Miniaturenzyklen, in wissenschaftlichen Monographien dienten die Buchmalereien hauptsächlich der Veranschaulichung. Die Bibel spielte in diesem Rahmen eine eigene Rolle, da sie einem besonderen Textverständnis unterstand. Sie wurde im Auftrag der Kirche, kirchlicher Körperschaften oder auch privater Gläubiger als verehrungswürdige Präsenz des Wortes Gottes kostbar illuminiert. So konnten Bibeln zu Pretiosen von Klöstern, Herrscherhäusern oder bibliophilen Privatpersonen aus dem Adel oder Bürgertum werden.
Die Gliederung der Texte erfolgte durch einen besonderen Dekor, durch rote und/oder blaue Initialen, wichtige Einschnitte wurden durch große und zum Teil mit reichen Illustrationen versehene Zierinitialen (nachweisbar ab 600 n. Chr.) hervorgehoben. Die schließlich ganzseitig gestaltete Illustration ist eine Erfindung der insularen (angloschottischen) Mönche. Auch durchgehende Illustrationszyklen kommen schon im 13. Jahrhundert vor. So ist das Lehrgedicht "Der welsche Gast", mit 120 Bildern parallel zum Text gestaltet. Ein großes Bildprogramm ist in den Handschriften des Sachsenspiegels von Eike von Repgow aus dem 14. Jahrhundert gestaltet. Ähnliches gilt für die nur teilweise erhaltene Willehalm-Handschrift.
Durch den Buchdruck verloren die Buch-Handschriften etwa um 1480 ihre zentrale Bedeutung als Textmedium. Für Landes-, Stadt- und Pfarrchroniken blieben sie aber noch bis ins 19. Jahrhundert hinein wichtiger Überlieferungsträger, für private Aufzeichnungen sind sie es noch bis heute.
Literatur (in Auswahl):
- Wattenbach, Wilhelm: Das Schriftwesen im Mittelalter. 4. Aufl. Graz 1958;
- Alexander, Jonathan James Graham: Initialen aus großen Handschriften. München 1978;
- Rautenberg, Ursula (Hsg.): Reclams Sachlexikon des Buches. 2.,verb. Auflage. Stuttgart 2003;
- Bischoff, Bernhard: Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters. 3. Aufl. Berlin 2004;
- Jakobi-Mirwald, Christine: Das mittelalterliche Buch. Stuttgart 2004;
- Meid, Volker: Das Reclam-Buch der deutschen Literatur, Stuttgart 2004.

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