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Deutsch-Polnisches Verfilmungsprojekt
Verbesserung der Zugänglichkeit und des Schutzes von Druckwerken im Schnittfeld polnischer und deutscher Kultur in polnischen Bibliotheken - Ein gemeinsames europäisches Erbe
Aufgrund der historischen Entwicklung befindet sich in polnischen Bibliotheken ein sehr umfangreicher Bestand wertvoller Drucke aus Druckorten, in denen die deutsch-polnischen Beziehungen durch Austausch, Kontakt und produktive Auseinandersetzung gekennzeichnet waren. Die dort gemachten kulturellen Erfahrungen sind für die Geschichte beider Völker wichtig und zukunftsweisend. Seit 1945 gehören solche Gebiete wie Schlesien, Ostpreußen und Pommern als eines über Jahrhunderte deutsch geprägten Kulturraums mit einer reichen Veröffentlichungstradition zum polnischen Staat.
 
Im Sinne einer Sicherung und besseren Nutzbarkeit dieser Bestände, vor allem alter Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts, deutscher und polnischer Zeitschriften aus der Zeit vor 1914 und von Judaica bis 1939, die für Polen, Deutsche und Juden ein gemeinsames kulturelles Erbe darstellen, wurden die wichtigsten Teile dieser Bestände maschinenlesbar katalogisiert und verfilmt. Die in deutschen und polnischen Bibliotheken verfügbaren Filmkopien sind der Forschung weltweit zugänglich.
 
Das Projekt wurde seit 1992 von der Robert-Bosch-Stiftung entwickelt und seit 1995 überwiegend von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit (SDPZ) finanziert. Die Robert-Bosch-Stiftung förderte, begleitet von einem deutsch-polnischen Koordinationsrat, die Verfilmung. Beteiligt waren die Nationalbibliothek Warschau, die Universitätsbibliothek Breslau, die Pommersche Bibliothek Stettin, die Universitätsbibliothek Posen und die Bibliothek der Akademie der Wissenschaften in Danzig.
Zur Sicherung und Erschließung der Druckbestände im Schnittfeld polnischer und deutscher Kultur wurde eine Prioritätenliste der Druckorte in Polen erstellt. An erster Stelle standen die Druckorte in Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen, deren erhaltene Drucke aus der Zeit von 1500 bis 1800 ohne Ausnahme und unabhängig von der Sprache der Texte verfilmt wurden. An zweiter Stelle kamen Druckorte aus Zentralpolen. Aus diesem Bereich (z.B. Krakau, Warschau, Posen) wurden deutschsprachige Drucke und solche, die inhaltlich einen deutsch-polnischen Bezug haben, verfilmt. Damit gibt es einen umfassenden Nachweis über dieses Schriftgut in polnischen Bibliotheken.
Zeitungen und Zeitschriften aus der Zeit bis 1914 sind eine wichtige und bisher aufgrund des schwierigen Zugangs zu wenig genutzte Quelle für die jüngere deutsch-polnische Geschichte. Bei den verfilmten deutschsprachigen und polnischen Periodica der beteiligten Bibliotheken handelt es sich um zum größten Teil bis dahin in der Zeitschriftendatenbank (für Deutschland) nicht nachgewiesene Raritäten.
 
Durch die Verfilmung und Katalogisierung der alten Drucke und Zeitungen besitzt die Nationalbibliothek Warschau einen aktuellen Nachweis. Die bisher verfilmten Bücher sind in einer Verbunddatenbank der vier beteiligten polnischen Bibliotheken recherchierbar:
Kopien der Filme wurden in den Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek übernommen und stehen der Wissenschaft zur Verfügung. Die entsprechenden Katalogaufnahmen wurden Anfang 2007 in den bayerischen Verbundkatalog eingespielt und sind sowohl im Gateway Bayern als auch im  Online-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek enthalten. (Ausnahme: Die Periodika sind noch nicht komplett nachgewiesen.)
 
Eine ausführliche Beschreibung des Projekts finden Sie in dem Aufsatz: Kaltwasser, Franz Georg; Weber, Hartmut: In Büchern manifestiert sich der geistige Austausch zwischen Polen und Deutschland: Bericht über ein deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt. In: ZfBB 50(2003)2, S. 78-88.