Archiv Einzeldarstellung
22.03.02
Ausstellung der Ottheinrich-Bibel in München und Neuburg an der Donau
Die Ottheinrich-Bibel ist die erste illustrierte Handschrift eines deutschen Neuen Testaments, entstanden um 1430, fast hundert Jahre vor der als Markstein geltenden Bibelübersetzung Luthers. Sie ist benannt nach Ottheinrich, Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg, später Kurfürst in Heidelberg, der die Handschrift im 16. Jahrhundert fertig ausmalen ließ. Anlässlich der Faksimilierung des ersten, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrten Teils der Bibel, zeigen die Bayerische Staatsbibliothek und die Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau Blätter der Originalhandschrift.
Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559), Regent im Fürstentum Pfalz-Neuburg, später Kurfürst in Heidelberg, war einer der bedeutendsten deutschen Büchersammler. Mit seinem Namen ist die reich illustrierte, ungewöhnlich große Handschrift eines Neuen Testaments in deutscher Sprache verbunden. Den ersten Teil dieser Ottheinrich-Bibel hat der Faksimile Verlag Luzern jetzt in einer Faksimile-Ausgabe vorgelegt. Aus diesem Anlass werden von der Bayerischen Staatsbibliothek und der Staatlichen Bibliothek Neuburg an der Donau mehrere Blätter der Originalhandschrift ausgestellt.
Die Ottheinrich-Bibel ist die erste illustrierte Handschrift eines deutschen Neuen Testaments. Sie wurde um 1430 in Bayern in Auftrag gegeben und geschrieben, fast hundert Jahre vor der Bibelübersetzung Luthers. In Regensburg wurde sie reich mit Initialen und Bildern ausgeschmückt. Die aufwendigen Malereien in Gold und kostbaren Farben, mit der Nachahmung von wertvollen Stoffen, Perlenstickereien und Edelsteinen, kennzeichnen die Bibel als höfisches Luxusobjekt. Sie zieren allerdings nur die ersten zwei Evangelien; die Handschrift blieb zunächst unvollendet. Als ihr Auftraggeber konnte erst jetzt ein bayerischer Wittelsbacher identifiziert werden.
Hundert Jahre nach ihrer Entstehung ließ Ottheinrich die Bibel, die er bei der Einrichtung seines Fürstentums geerbt hatte, von dem Lauinger Maler Mathis Gerung fertigstellen. Der junge Künstler, der noch öfter für Ottheinrich arbeiten sollte, stattete sie in den Jahren 1530 und 1532 mit farbenfrohen Bildern aus, die teilweise auf Motiven aus Holzschnitten Dürers und Cranachs beruhen.
Gezeigt werden in München und Neuburg insgesamt elf Bildseiten der Originalhandschrift. Eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen den gotischen Miniaturen des frühen 15. Jahrhunderts und denen aus der Zeit der Renaissance. Ergänzt werden beide Ausstellungen durch weitere Bücher aus Ottheinrichs Sammlung, für die er nach seinen Vorstellungen goldgeprägte, mit Fürstenbildnis und -wappen versehene Renaissanceeinbände schaffen ließ.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter
Katalog zum Preis von 10,50 EUR.
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